
Schule am Limit!
Es ändert sich einiges an den Schulen: Seit Schulstart gilt ein Kopftuchverbot für Mädchen unter vierzehn Jahren. Und wegen der seit Jahren steigenden Zahl von Suspendierungen – oft wegen Gewalt – soll es nun eine „Suspendierungsbegleitung“ unter Einbeziehung der Eltern geben. Weil suspendierte Kinder bislang tun und lassen konnten, was sie wollen, solange sie nicht im Unterricht sind. In einem Jahr, im Herbst 2027, soll dann ein neues Schulfach namens „Informatik und Künstliche Intelligenz“ an den AHS-Oberstufen starten.
Radikalisierung und ihre Ursachen
Das sind Tropfen auf einen Stein, der heftig überhitzt ist, und keine großen Reformen. Aber genau solche wären vonnöten, um unser Schulsystem zu retten – und unseren Kindern einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Das ist keine neue Erkenntnis, Experten fordern seit Jahren einen großen Wurf. Genauso wie es nichts Neues ist, dass die Zuwanderung das Schulsystem vor eine zusätzliche Belastung stellt. Die Lehrerin Susanne Wiesinger verfasste schon 2018 einen vielbeachteten Hilfeschrei in Buchform unter dem Titel Kulturkampf im Klassenzimmer.
Nun, acht Jahre später, hat Susanne Wiesinger erneut ein Buch geschrieben. Weil nichts besser geworden war, aber vieles schlechter. Und weil viel passiert ist seit ihrem ersten Buch: der Aufstieg von Social Media und insbesondere TikTok; die Covid-Pandemie, Lockdowns und deren Herausforderungen für den Unterricht; der 7. Oktober, der nachfolgende Krieg und der erschreckende Antisemitismus unter den Schülern.
Gebt unseren Kindern eine Chance!
Der Soziologe Kenan Güngör hat diese bedenklichen Einstellungen vor allem männlicher Jugendlicher in einer Studie erhoben: 41 Prozent aller befragten muslimischen Jugendlichen halten demnach Israel für den Feind, und genauso viele sind überzeugt, dass die Scharia über den österreichischen Gesetzen steht. Er hat aber auch überraschende Befunde über die Ursachen dieser Radikalisierung: „Einsamkeit und Orientierungslosigkeit erklären mehr antidemokratische und abwertende Einstellungen als Herkunft, Religion und Geschlecht zusammen.“
Jugendstudie: Gegen Juden, für die Scharia
All das prasselt auf ein System ein, das diesen Jugendlichen Orientierung geben und demokratische Werte lehren sollte, das aber schon in seiner Struktur daran scheitert, Migranten oder generell Schüler mit schlechten Startbedingungen zu integrieren. Vor allem die Trennung der Schüler in verschiedene Bildungszweige schon nach der Volksschule ist ein Hindernis: „Aus individuellen Startnachteilen werden so strukturelle Bildungsnachteile, die sich über den weiteren Lebensweg fortsetzen können“, schreibt der Soziologe Erol Yildiz in seinem Beitrag. Er zeigt auf, dass Österreichs Schulsystem im Vergleich mit anderen OECD-Ländern beim Bemühen, Migranten zu integrieren, schlechter abschneidet.
Die Weichen im Schulsystem werden zu früh gestellt
Viele dieser Migranten hätten eine hohe Bildungsorientierung, sagt Hermann Kuschej vom Institut für Höhere Studien, aber Migration könne bei sozialen Problemen wie ein Verstärker wirken.
Sozialer Aufstieg: Wer schafft es, wer bleibt zurück?
Eine jener, für die Bildung immer wichtig war, ist Songül Can, heute selbst Bildungswissenschaftlerin an der Universität Innsbruck. Im Interview erzählt sie, dass ihr von den Lehrern Steine in den Weg gelegt wurden, anstatt sie auf ihrem Weg zu unterstützen:
„Die Lehrer haben uns beleidigt“
Auch unsere Pragmaticus-Umfrage zeigt: Die Schule hat noch einige Hausaufgaben zu erfüllen – auch wenn es einen Lichtblick gibt: Jene Befragten, die selbst Kinder in der Schule haben, sehen die Probleme weniger gravierend als die, die selbst keine Schulkinder haben.
Schul-Umfrage: So viele Hausaufgaben!
Auch Susanne Wiesinger hat einen Appell geschrieben, keine Anklage: Gebt unseren Kindern eine Chance! ist der Titel ihres Buchs. Denn die Schule, schreibt sie, „ist für mich ein Ort, an dem sichtbar wird, welche Chancen Kinder im Leben bekommen können – und welche ihnen vermutlich versagt bleiben werden“.







