Das Bild zeigt drei Kinder, die dicht beieinanderstehen und fasziniert auf ein leuchtendes Handy starren. Das Bild illustriert ein Dossier über die Gefahren von TikTok und Social Media.Das Bild zeigt drei Kinder, die dicht beieinanderstehen und fasziniert auf ein leuchtendes Handy starren. Das Bild illustriert ein Dossier über die Gefahren von TikTok und Social Media.

Holt uns hier raus!

Radikalisierung. Magersucht. Falschinformationen. Und natürlich die manchmal tödlich endenden Challenges. Es gibt kaum ein Übel, an dem TikTok nicht beteiligt sein soll. Und tatsächlich finden sich haufenweise Belege für die Gefährlichkeit dieser Internet-Plattform: Der 23-jährige Ahmad G., der im Februar 2025 in Villach ein Messerattentat beging, radikalisierte sich laut Ermittlungen hauptsächlich über TikTok. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigte, dass bereits sieben bis acht Minuten Schlankheitscontent auf TikTok die Zufriedenheit der Nutzer mit dem eigenen Körper senkten. Eine andere Untersuchung aus dem Jahr 2023 legte nahe, dass Jugendliche mit TikTok-Account anfälliger für Verschwörungstheorien sind als junge Menschen ohne. 

TikTok nimmt unter den sozialen Medien eine Sonderstellung ein. Es ist weniger ein Ort, an dem man sich mit Gleichgesinnten austauscht, als ein Kanal, auf dem Videos konsumiert werden. Wie Fernsehen könnte man glauben. Tatsächlich ist es wie Fernsehen auf Speed.

1. Warum TikTok süchtig macht

Es ist eine Art von Fernsehen, das die Wirkung einer Droge haben kann, erklärt Photini Vrikki, die am University College London zum Thema Digital Humanities (digitale Geisteswissenschaften) lehrt und forscht:

2. Eltern sind Teil des Problems

Die Politik wacht langsam auf: Seit Mai gilt in Österreich ein Handyverbot an den Schulen, Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) hat sich im Sommer für ein generelles Verbot von Social Media für unter 15-Jährige ausgesprochen. In Australien ist ein solches Verbot für unter 16-Jährige gerade erst in Kraft getreten. Die Politik bemüht sich neuerdings redlich, problematische Social-Media-
Inhalte aus den Kinderzimmern fernzuhalten. Dabei geht eine zentrale Frage fast unter: Wäre das nicht eigentlich die Aufgabe der Eltern?

221 Minuten, mehr als drei Stunden pro Tag, verbringen 14-Jährige in Österreich durchschnittlich am Smartphone – das ergab die Anfang 2025 präsentierte „Mental Health Days“-Studie. Das Smartphone ist für viele Jugendliche längst mehr als nur ein unverzichtbarer Wegbegleiter geworden, es ist geradezu eine Verlängerung des eigenen Körpers. Was sie darin sehen, wissen die meisten Eltern gar nicht, sagt Angelina Voggenreiter, die an der TU München zum Thema „Digitale Kindheit“ forscht. 

3. Die übermächtigen Gegner im Netz

Bob Blume fühlt sich oft, als würde er gegen Windmühlen kämpfen. Der 43-jährige Lehrer in Baden-Württemberg ist keiner, der das Internet verteufelt, ganz im Gegenteil: Als „Netzlehrer“ ist er in den sozialen Medien höchst erfolgreich und hat mehr als 200.000 Follower auf Instagram. Er betreibt zwei Podcasts – einer davon heißt „Schule brennt“ –, schreibt Bücher (10 Dinge, die ich an der Schule hasse) und ist bis hinauf zu Markus Lanz ein gefragter Gesprächspartner in Talkshows und anderen Medien. Blumes Spezialgebiet: digitale Bildung. TikTok sei das prägende Medium seiner Schüler, sagt er – und das sei ein gewaltiges Problem:

4. Wie kann die Flucht gelingen?

Für Rüdiger Maas, Leiter des deutschen Instituts für Generationenforschung ist es überhaupt kein Wunder, dass die jüngste Generation Bildschirmzeiten von mehreren Stunden am Tag hat; so ist sie eben aufgewachsen. Vielen Jugendlichen, das zeigen Befragungen seines Instituts, sind die negativen Auswirkungen von Social Media durchaus bewusst. Aber sie finden trotzdem keinen Ausweg:

5. Und was, wenn es schon zu spät ist?

Der Suchtmediziner Kurosch Yazdi-Zorn ist Vorstand der Klinik für Psychiatrie mit Schwerpunkt Suchtmedizin am Kepler-Universitätsklinikum in Linz. Im Interview erklärt er, warum Social Media süchtig macht wie Nikotin. Seine Patienten surfen bis zu vierzehn Stunden täglich im Internet und finden kaum Schlaf. Krank fühlen sich die meisten trotzdem nicht:

6. Wie sich Jugendliche radikalisieren

Der Terrorismusforscher Nicolas Stockhammer gibt keineswegs Entwarnung, was die Radikalisierung über soziale Medien wie TikTok angeht. Aber er findet dennoch, dass die Diskussion falsch geführt wird. Denn so gefährlich TikTok auch ist, eine rein virtuelle Radikalisierung existiere nicht – es brauche immer auch eine Offline-Komponente:

7. Umfrage: Österreicher für Social-Media-Verbot

Soll Social Media für Jugendliche verboten werden? Und wer ist verantwortlich für den Social-Media-Konsum von Jugendlichen? Unique Research hat in einer repräsentativen Umfrage rund 800 Bürger im Auftrag von Der Pragmaticus dazu befragt.  

8. Erziehungs-Tipps für Eltern

Was Eltern beachten sollten, um ihre Kinder sicher durch die digitale Weltr zu führen, haben unter anderem Angelina Voggenreiter, Gründerin von „Mein Kind im Netz“ und Radikalisierungsexperte Nicolas Stockhammer. für uns in neun Punkten zusammengefasst:

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