Vom Alltag auf dem Bauernhof
Katharina Schwaiger ist Bäuerin in Bad Hofgastein. Mit ihrer Familie bewirtschaftet sie den vierhundert Jahre alten Zittrauerhof samt Milchkühen, Pferde- und Ziegenzucht. Sie erzählt von ihrem anstrengenden Tagesablauf, Geburtshilfe im Kuhstall und Kurzurlauben auf dem Balkon.

Der Zittrauerhof im Salzburger Land ist ein vielseitiger landwirtschaftlicher Betrieb mit rund 65 Rindern, fünf Norikerpferden, Ponys, etwa zwanzig original Pinzgauer Ziegen und vielen Kleintieren – Enten, Deutsche-Riesen-Zuchthasen, Hühnern, Katzen und Hunden.
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Zusätzlich bewirtschaften wir von Juni bis September unsere Zittraueralm auf 1.872 Meter Seehöhe und betreiben einen „Urlaub am Bauernhof“-Betrieb mit Vier-Blumen-Ferienwohnungen und Gästezimmern. Es gibt also viel zu tun, und ohne den Zusammenhalt in der Familie würde es nicht funktionieren. Unsere beiden Kinder arbeiten mit, auch der Opa unterstützt uns noch tatkräftig. Zusätzlich haben wir einen fix angestellten Mitarbeiter. Zu bestimmten Zeiten nehmen wir außerdem Praktikantinnen auf, die uns helfen. Bei der Heuernte unterstützen uns manchmal auch benachbarte Bauern oder Mitarbeiter vom Maschinenring.
Unser Sohn ist schon als Kleinkind mit dem Opa auf die Alm gefahren und war überall mit dabei – beim Kühetreiben, Weidezäune-Stecken, Bäche-Freimachen (damit alles abrinnen kann, wenn ein Unwetter kommt), beim Kochen am Holzofen und beim Versorgen der Gäste. Diese Zeit hat ihn geprägt. Inzwischen ist er 22 Jahre alt und führt mit zwei Praktikanten die Zittraueralm. Ein Hirte hilft ihm bei den Tieren, rund 130 Stück Vieh sind es im Sommer. Jeden Tag melkt er 25 Milchkühe, er bewirtet die Gäste und ist von früh bis spät im Einsatz.
Einfach war das oft nicht, erst seit zwei Jahren haben wir überhaupt Strom auf der Alm. Und trotzdem spüre ich: Genau das ist sein Leben. Im Frühjahr wartet er schon sehnsüchtig, bis es aper wird und er wieder hinaufkann. Mich berührt es sehr, zu sehen, wie stolz der Opa auf ihn ist. Es macht ihn froh, dass sein Lebenswerk auch in der nächsten Generation weitergeführt wird.
Unsere Tochter ist bald 20 und sehr vielseitig begabt. Die Liebe zu den Pferden hat sie von meinem Mann und vom Opa geerbt. Sie ist ausgebildete Pferdewirtin, macht gerade ihre Matura und ist uns eine große Stütze. Sie fährt Traktor und kann alle landwirtschaftlichen Maschinen bedienen, arbeitet am Hof, hilft uns bei der Vermietung, ist kreativ und spielt Ziehharmonika. Auch sie war oft auf der Alm und liebt das einfache Leben da oben.
Mein Weg
Warum ich Bäuerin geworden bin? Das war Schicksal, könnte man sagen. Vor fast dreißig Jahren hab ich meinen heutigen Mann kennengelernt. Wir verliebten uns, wir heirateten, wir haben gemeinsam den Hof seiner Eltern übernommen, ein wunderschönes Bauernhaus mit vierhundert Jahren Tradition. Ganz neu war das Umfeld für mich aber nicht.
Ich stamme vom Bergbauernhof Maurachgut im Gasteinertal und bin mit den vielfältigen Aufgaben in einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. In meiner Kindheit gab es noch keinen Schülerbus, wir sind zu Fuß in die Schule gegangen. In den ersten Volksschuljahren sind wir im Winter mit dem Schlitten runtergefahren. Ab und zu hatten wir zusätzlich zur Schultasche noch kleine Milchkannen für Nachbarn dabei. Auch nach Hause gingen wir zu Fuß, ungefähr eine Stunde lang, und kamen hungrig heim zum selbst gemachten Mittagessen von der Mama.
Nach den Hausaufgaben sind wir sofort raus zum Bach oder in den Wald. Wir hatten kein Handy, keine Überwachungsuhr, wir mussten einfach zur vereinbarten Zeit wieder im Haus sein und haben uns daran gehalten. Zu meiner Oma, liebevoll von uns „Muata“ genannt, hatte ich ein besonders enges Verhältnis. Ich ging mit ihr Kräuter und Kümmel sammeln, wir bauten Kartoffeln und Gemüse an. Was ich von ihr gelernt hab, hilft mir heute noch.
Weil ich immer gerne gekocht habe und auch den Kontakt mit Gästen mochte, entschied ich mich für die Tourismusschule. Nach dem Kolleg und Dienststellen im Gastgewerbe, bei den Bergbahnen und in der Skischule hab ich dann meinen Mann kennengelernt und bin zu ihm auf den Zittrauerhof gezogen.
Der Einstieg dort war herausfordernd: Obwohl ich das Leben am Bauernhof von zu Hause kannte, war vieles anders, als ich es gewohnt war – vom Kochen über die Heuarbeit bis hin zum Leben im Talboden. Es war allein schon eine große Umstellung, nicht mehr einsam am Berg zu wohnen, sondern mitten im Dorf. Einen „Heimvorteil“ gab es für mich also nicht.
Aber mit der Zeit und mit der Hilfe meiner Schwiegermutter habe ich das große Potenzial des Hofes erkannt und meinen Platz gefunden.
Der Stall, der Haushalt, der Balkon
Mein Tag beginnt schon vor sechs Uhr früh im Stall: füttern, melken, die Tiere rausbringen, ausmisten. Danach frühstücken wir gemeinsam und besprechen, was alles zu erledigen ist. Ich kümmere mich um den Haushalt, koche, bin für die Gäste da, arbeite im Garten oder helfe im Stall. Nebenbei läuft immer ganz viel gleichzeitig – Telefonate, Organisieren, kleine Handgriffe. Nach dem Mittagessen gönne ich mir eine Pause auf dem Balkon. Das ist meine „heilige Zeit“ – ohne Handy, ohne Pflichten, ohne Störung. Diese dreißig Minuten kann ich fast jeden Tag freischaufeln. Es wissen daheim auch alle, dass ich in dieser Zeit meine Ruhe haben will.
Am späten Nachmittag holen wir die Tiere wieder rein zum Füttern, Melken usw. Die Büroarbeiten kann ich meistens erst am Abend erledigen. Wenn ich zu müde bin, verschiebe ich sie manchmal auch auf den nächsten Tag. Im Unterschied zu den Tieren kann der Papierkram ja warten.
Vom Schönen …
Bäuerin sein ist toll, weil die Kinder bei uns und mit uns aufwachsen durften. Wenn sie etwas Neues gelernt haben, war ich dabei. Wenn sie krank waren, konnte ich mich um sie kümmern. Das bedeutet mir viel. Außerdem liebe ich die Arbeit mit den Tieren. Vor allem die Geburten sind jedes Mal etwas Besonderes. Zu sehen, wie ein Tier ins Leben startet, gesund ist, aufwächst – das ist wirklich schön.
Im Dezember kam es am Hof zu einem seltenen Ereignis: Eine ältere Kuh, sie heißt Atlanta, brachte Drillinge zur Welt. Die ersten zwei Kälbchen kamen problemlos zur Welt. Beim dritten wurde die Situation kritisch, weil das Kleine verkehrt herum lag. Aber wir haben es geschafft. Inzwischen sind die drei schon fünf Monate alt und auf der Weide, um das Grasen zu lernen.
Ich schätze es außerdem sehr, dass wir einen Großteil unserer Lebensmittel selbst produzieren oder von benachbarten Bauern beziehen. Zu wissen, woher das Essen kommt, hat für mich einen hohen Stellenwert.
… und vom Anstrengenden
Tierhaltung macht Freude, das hab ich ja schon erzählt. Aber einen großen Nachteil gibt es: Man ist zeitlich extrem gebunden; in der Früh und am Abend muss jemand da sein. Einen Stall voller Milchkühe kann man nicht einfach ein paar Tage lang sich selbst überlassen. Für uns war es ein echtes Highlight, wenn wir es geschafft haben, gemeinsam drei Tage wegzufahren.
Am Abend oder am Wochenende den Beruf kurz zu vergessen, ist bei uns nicht möglich.
Mein Mann und ich sind vor den Kindern viel gereist, deshalb haben wir nicht mehr so stark das Gefühl, etwas zu verpassen. Wir wechseln uns jetzt mit kurzen Auszeiten ab. Mehr geht halt nicht. Eine große Herausforderung ist auch die zunehmende Bürokratie, mit der man als Bauer zu tun hat. Nur zum Beispiel: Wir müssen genau angeben und protokollieren, wann unsere Tiere im Sommer auf der Alm auf welchen Flächen grasen und wann sie auf welche Koppel wechseln.
Solche Dinge verursachen ziemlich viel Aufwand.
Und oft ist es nicht einfach, wenn Arbeit und Privatleben so ineinander verschwimmen wie auf einem Bauernhof. Am Abend oder am Wochenende den Beruf kurz zu vergessen, wie andere das tun, ist bei uns nicht möglich. Was mir Kraft gibt: dass wir alles hier gemeinsam machen und jeder in der Familie seinen Teil leistet. Das trägt einen – auch durch anstrengende und schwierige Zeiten.

