Keine Angst vor der KI!
Die verbreitete Sorge, Künstliche Intelligenz würde uns alle arbeitslos machen, ist zum Glück weitgehend unbegründet.

Das Jahr 1927 war ein schreckliches Jahr für tausende Menschen, die sich in Deutschland oder Österreich ihren Lebensunterhalt damit verdienten, im Kino Stummfilme musikalisch zu begleiten, etwa als Pianist, wie das damals eben üblich war. Denn in jenem Jahr kamen die ersten Tonfilme in großem Stil in die Kinos, begeisterten das Publikum und verdrängten blitzschnell den Stummfilm. Mit dem Ergebnis, dass allein in Deutschland schlagartig 12.000 Kinomusiker arbeitslos wurden. Heute weiß kaum noch jemand, dass es diesen Beruf je gegeben hat.
Mehr von Christian Ortner
Für jeden Einzelnen dieser Kinomusiker war das ein harter Schlag, aber trotzdem ist die Erfindung des Tonfilms ein Segen für die Filmbranche gewesen, die in der Folge blühte, gedieh und insgesamt viel mehr Menschen beschäftigte, als kurzfristig arbeitslos geworden waren.
Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass es sich bei der Künstlichen Intelligenz (KI) hundert Jahre später anders entwickeln wird. Auch wenn jetzt in vielen Branchen die Angst umgeht, KIs würden massenhaft Arbeitsplätze wegrationalisieren und deren bisherige Inhaber ins Elend stürzen – im traurigen Einzelfall wird das so sein, aber insgesamt ganz sicher nicht.
Innovation löst Ängste aus
Noch jeder Innovationsschub, jeder Produktivitätsfortschritt seit Erfindung der Dampfmaschine hat derartige Ängste ausgelöst. Mit dem Ergebnis, dass heute gerade jene Staaten, die technologisch an der Spitze des Fortschritts stehen wie Südkorea, Japan oder auch die USA eher unter Fachkräftemangel leiden denn unter Massenarbeitslosigkeit.
Der Grund für diese Angststörung, die uns seit Beginn des Industriezeitalters regelmäßig quält, liegt nicht zuletzt in unserem Mangel an ökonomischer Phantasie.
KI wird Einzelne um den Job bringen, insgesamt aber überhaupt keine Arbeitslosigkeit generieren.
Die Menschen der Stummfilmzeit konnten sich einfach nicht vorstellen, dass es schon ein paar Jahre später Tontechniker und jede Menge anderer ähnlicher Berufe geben würde. Und noch vor 25 Jahren konnte sich niemand vorstellen, dass man je seinen Lebensunterhalt damit würde verdienen können, sogenannte „Apps“ für Mobiltelefone zu entwickeln, weil es weder das eine noch das andere gab. Heute leben übrigens allein in den USA etwa eine Million Menschen genau davon.
Jobs gehen, Jobs kommen
Wenn wir aus dieser nun doch schon recht langen Geschichte des technischen Fortschritts etwas gewinnen können, dann ist es die Gewissheit, dass auch die KI zwar – wie immer in solchen Fällen – Einzelne um ihren Job bringen, insgesamt aber überhaupt keine Arbeitslosigkeit generieren wird.
Anstatt Innovationen gegenüber so eine Art Angstlähmung zu entwickeln, wie das derzeit gerade in Europa da und dort zu spüren ist, sollten alle Akteure der ökonomischen Sphäre deshalb frohen Mutes und proaktiv auf diese neuen Technologien zugehen und versuchen, sie so clever wie möglich zu nutzen. Nur Unternehmen, die hochproduktiv und damit hochprofitabel sind, bleiben wettbewerbsfähig, können dadurch neue Produkte entwickeln und damit Jobs schaffen.
1927 plakatierten übrigens die Kinomusiker Aufrufe wie: „Tonfilm ist wirtschaftlicher Mord. Er verdirbt das Gehör und ruiniert die Existenz der Musiker.“ Es kam, wie wir heute wissen, doch ein wenig anders. Und es wird heute, knapp hundert Jahre später, genauso sein.


