Auf welche Autos wir wirklich abfahren
Für die Österreicher gilt seit zwanzig Jahren: Ein neues Gefährt muss ein VW sein und darf keinesfalls bunt sein. Grau ist ideal.

Was Automarken betrifft, scheint man sich in Österreich lang einig gewesen zu sein, wie der Blick auf die Neuzulassungen der letzten zwanzig Jahre zeigt: Es musste ein VW Golf sein und dieser vorzugsweise in grau. In Europa insgesamt sind die Geschmäcker ein wenig differenzierter.
Hauptsache VW
Hier ist zu sehen, wie sich der Škoda Octavia ab 2006 langsam an den VW Golf heranpirscht, um ihn ab 2020 dann von Platz 1 unter den Automarken bei den Neuzulassungen zu verdrängen.
In diesem Ranking der Top-10 Automarken nach Jahrzehnten in Österreich können Sie das Bild vergrößern, indem Sie rechts oben auf das Bildschirm-Symbol klicken.
Den Škoda Octavia gibt es bereits seit 1959 oder eigentlich seit 1955. Damals hieß er noch Škoda 440 bzw. Spartak, hatte vier Zylinder und 40 PS. Erfunden und stets weiterentwickelt von der tschechoslowakischen Autofirma Automobilové závody, národní podnik (Automobilwerke, Nationalbetrieb) kurz AZNP, war der Škoda Octavia schon ein Bestseller, bevor VW die staatliche AZNP im Jahr 2000 vollständig übernahm. Die Privatisierung des Konzerns war seit 1990 vorangetrieben worden.
Auch in Europa dominiert VW
Der Toyota Yaris ist bei den Neuzulassungen europaweit die Nummer 1, dann kommen die Franzosen Renault und Peugeot. Und VW?
Gehört definitiv auch in Europa zu den beliebtesten Automarken. Vier Modelle des Konzerns sind unter den ersten zehn. Auffällig ist neben der Dominanz von VW auch der geringe Anteil von E-Autos.
Hier sehen Sie die Top-10 der Automodelle in Europa und in Österreich. Ein Klick auf die Platzierung zeigt Ihnen den Namen des Modells.
Schlüsselindustrie des Wirtschaftswunders
Die Autoindustrie war nach dem Zweiten Weltkrieg ein Wachstumsmotor, nicht nur für die deutsche Wirtschaft, sondern in ganz Europa. Frankreich, Spanien, Italien und Deutschland sahen bis 1973 Wachstumsraten von vier bis fast sechs Prozent. Die Nachfrage nach Konsumgütern war hoch und die Exportquoten ebenso.
Die Grafik zeigt die Produktionsstätten von PKW in Europa. Ein Klick auf die Ziffern bringt Sie zu weiteren Informationen.
Bereits fünf Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs exportierte VW seinen Verkaufshit VW Käfer in 17 Länder, auch in die USA. Der Autoboom war nicht auf Deutschland beschränkt: Der spanische Seat 600 verkaufte sich bis 1960 millionenfach, der R4 CV von Renault ebenfalls, der 2CV, die Ente, von Peugeot war sowieso ein großer Hit.
Seat und Renault waren dabei zwei staatliche Automarken und auch Peugeot profitierte von der französischen Planification. So kam Peugeot günstig in den Besitz von Hochdruckpressen, die in der US-Rüstungsindustrie nicht mehr gebraucht wurden. Die europäische Autoindustrie der 1950er und 1960er ruhte damit auf US-Maschinen und -Innovationen.
Seat gehört übrigens seit 1982 zum VW-Konzern.
Land der Grau- und Schwarzfahrer
Henry Ford, Vater von Massenproduktion (Fließband) und Massenkonsum (hohe Löhne) soll in Bezug auf sein Model T (Tin Lizzy) gesagt haben „Der Kunde kann jede Farbe haben, solange sie schwarz ist“, und zumindest die Österreicher hätten wohl kein Problem damit.
2010 hatte Rot einen kurzen Auftritt, 2015 Weiß, aber Schwarz und Grau sind seit mehr als zwanzig Jahren die dominierenden Farben in der Alpenrepublik. Was Autos, Automarken und Modelle betrifft, gibt es auf Kundenseite recht wenig Flexibilität.
Die Grafik zeigt für die Jahre 2010, 2015 und 2024 den jeweiligen Anteil der Auto-Farbe bei den Neuzulassungen in Prozent.
Unter den Automarken ist Ford ein Pionier. Das Model T war das erste Produkt, das am Fließband hergestellt wurde – ein Grund für seinen niedrigen Preis. Ford machte mit dem Model T das Auto zu einem Massenprodukt und zu einem Vorbild für den Volkswagen der Nationalsozialisten. „Fünf Mark die Woche musst Du sparen, willst Du im eignen Wagen fahren!“, hieß es ab 1934. 990 Reichsmark sollte das Auto kosten. Hunderttausende sparten, doch der Volkswagen lief als VW Käfer erst nach Faschismus und Krieg für private Kunden in Serie vom Band, alle anderen Volkswagen wurden an die Wehrmacht geliefert.
Ford hatte ursprünglich ein E-Auto produzieren wollen, denn das waren bereits seit Ende der 1870er die meistverkauften Autos.
