Bundesheer-Umfrage: Wir sind wehrlos
Die Österreicher glauben nicht, dass wir uns im Falle eines Angriffs verteidigen könnten. Weniger als die Hälfte glaubt, dass die Neutralität vor einem Angriff schützt, wie unsere aktuelle Bundesheer-Umfrage zeigt.

Wir leben in gefährlichen Zeiten. Zumindest empfinden das viele Österreicher so – und das, noch bevor die USA und Israel den Iran angriffen hatten: Jeder Zweite rechnet innerhalb von zehn Jahren mit Krieg auf EU-Territorium.
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Wie gut ist das Land geschützt? Wie steht es mit der Neutralität? Und vor allem, wie muss sich das Bundesheer in diesen Zeiten aufstellen? In unserer aktuellen Umfrage, gehen wir der Einstellung der Österreicher zur Landesverteidigung auf den Grund. Die wichtigsten Ergebnisse:
Ergebnisse der Bundesheer-Umfrage
Trotz der Budgetnöte ist eine Mehrheit der Bevölkerung dafür, mehr Geld in die Verteidigung zu stecken, wie die aktuelle Umfrage von Unique Research im Auftrag des Pragmaticus ergab.
Ab zur Stellung
Zudem wollen die meisten Österreicher an der Wehrpflicht festhalten: 61 Prozent der Befragtem würden das jetztige Modell beibehlaten, lediglich 31 Prozent bevorzugen ein Berufsheer.
Oberstabswachtmeisterin?
Bei der Frage, ob auch Frauen zum Wehrdienst verpflichtet werden sollten, wie es etwa in Schweden oder Norwegen der Fall ist, sind die Österreicher gespalten – wobei die Ablehnung überwiegt. Rund 60 Prozent der befragten Männer wären (eher) dafür, aber nur 30 Prozent der Frauen.
Widerstand zwecklos?
Das Vertrauen in die aktuelle Wehrfähigkeit der Republik ist kaum ausgeprägt: Zwei-Drittel glauben nicht, dass Österreich im Falle eines russischen Angriffs lange genug verteidigen kann, bis Unterstützung kommt. Steckt dahinter ein Vertrauen auf die Neutralität als Schutz?
Raushalten ist die beste Verteidigung
Eine relative Mehrheit – 48 Prozent – glaubt, dass uns die Neutralität schützt. Dieser Auffassung sind auch 45 Prozent all jener, die nicht an Österreichs Verteidigungsfähigkeit glauben.
Na zur NATO
Die ehemals neutralen Ländern Finnland und Schweden sind in Folge des Ukraine-Kriegs zügig der NATO beigetreten. In Österreich wäre das unpopulär: 55 Prozent der Befragten sind dagegen.
Nichteingriffspakt
Die meisten Befragten – ganze 57 Prozent – sind dagegen, dass Österreich einem anderen EU-Land zu Hilfe kommt, wenn dieses angegriffen würde.
Zu Hilfe!
Hingegen erwarten sich fast Zwei-Drittel der Österreicher, dass man im Falle eines Angriffs durch Russland militärische Unterstützung von EU, NATO oder den USA erhalten würde.
An die Waffen?
Mehr als die Hälfte der Befragten – 56 Prozent – wäre nicht persönlich bereit, das Land mit der Waffe zu verteidigen. Allerdings lag dieser Anteil vor zwei Jahren noch bei 62 Prozent.
Purer Opportunimus?
Für Meinungsforscher Peter Hayek erinnert Österreichs Bekenntnis zur Landesverteidigung an die Haltung von Taufscheinchristen: „Man gehört zur Gemeinschaft, möchte aber nicht behelligt werden. Eine Mehrheit hält das Land für wenig verteidigungsfähig, erwartet aber gleichzeitig Hilfe von außen. Die muss dann schnell kommen, weil lange würde man nicht durchhalten.“ So verlasse sich Österreich weiterhin auf seine Neutralität: „Sie ist emotional bedeutsam, ihre Funktion aber ist zunehmend fraglich. Konsequenzen daraus zieht niemand. Man will Sicherheit, zweifelt an sich selbst und setzt auf andere. So sieht Opportunismus aus.“

