Neustart für Österreich: Sozialstaat schrumpfen

Zu viele Schulden, zu hohe Steuern und zu starke Teuerung: Österreich braucht insgesamt eine Rosskur, sagt der Ökonom Martin Halla im Pragmaticus Podcast und nimmt das Sozialsystem ins Visier.

Ein Mann hält einen kleinenAktenordner mit einem Paragraphenzeichen in der Hand.Das Bild illustriert einen Podcast über die Einsparungspotenziale in Österreich.
Unterschiedlichste Institutionen sind bei den vielen verschiedenen Sozialleistungen involviert. Daraus entsteht ein Dschungel an Vorschriften und Zuständigkeiten und das führt oft dazu, dass Bezugsberechtigte manchmal gar nicht die ihnen zustehenden Leistungen bekommen. © Michael Pleesz

Die österreichische Wirtschaft steht nicht gut da, sagt der Ökonom Martin Halla, weil er sich regelmäßig mit den relevanten Kennzahlen für das wirtschaftliche Wohlergehen des Landes beschäftigt.

Bruttoinlandsprodukt, Exportraten, Teuerung? Das alles muss besser werden, wenn das Land für nächste Generationen fit sein soll, sagt Halla in diesem Podcast und würde dem Land am liebsten eine Rosskur verordnen. Er ist überzeugt, dass Österreich in vielen Bereichen einen zu aufgeblähten Staat betreibt. Dass es durchaus möglich wäre, die teilweise undurchschaubar komplexen Systeme zu vereinfachen, zeigt er am Beispiel des Sozialsystems. Viele unterschiedliche Institutionen sind bei den vielen unterschiedlichen Sozialleistungen involviert. Das erzeugt einen Dschungel an Vorschriften und Zuständigkeiten, bindet Ressourcen und führt oft dazu, dass Bezugsberechtigte manchmal gar nicht die ihnen zustehenden Leistungen bekommen, sagt er.

In einem Denkexperiment spielt er die Idee durch, die Sozialleistungen an die Steuererklärungen zu koppeln und das Finanzamt zur auszahlenden Stelle zu machen. Denn dort laufen die Daten zusammen. Halla weiß aber auch, dass Einsparungen im Staatsapparat ein Kraftakt für die Politik wären – und genau deshalb nicht in Angriff genommen werden. Dabei geht es auch um die Mentalität im Land und das Vertrauen in den Staat. Historisch habe Österreich in dieser Hinsicht Nachteile gegenüber den vorbildlichen skandinavischen Staaten, so Halla, sie stehen Reformen im Weg.

Ein Podcast über die Einsparungspotenziale in Österreich

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Institutionen schaffen sich nicht gerne selbst ab, im Gegenteil, sie haben sogar einen Wachstumsdrang.

Ökonom Martin Halla
Illustration von Martin Halla
Martin Halla © Andreas Leitner

Über Martin Halla

Martin Halla ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Wirtschaftsuniversität in Wien. Er hat an der Johannes Kepler Universität in Linz studiert und Studienaufenthalte an der Universität Stockholm und an der University of California in Berkley absolviert. Sein Forschungsschwerpunkt ist angewandte Mikroökonomie in den Bereichen Arbeit, Familie und Gesundheit. Er hat zwei kleine Söhne und lebt in Wien.  

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