ESC: Wer wem wieviele Punkte gibt
In welchem Land kamen Beiträge aus Österreich bisher gut an? Und wohin vergeben die Österreicher beim ESC die meisten Punkte? Über erwiderte und unerwiderte Zuneigungen zwischen den Nationen – und Österreichs Kultstatus in einem westeuropäischen Land.

Ob ein Song gut ankommt oder nicht, liegt wohl in erster Linie daran, wie gut er klingt, ob er in die Zeit passt und wie er dargebracht wird. Doch die Auswertung der Punktevergabe beim ESC in den vergangenen 20 Jahren zeigt, dass es auch bestimmte nationale Vorlieben gibt. Wir haben uns angesehen, aus welchen Ländern Österreich in der Vergangenheit besonders viele Punkte bekommen hat und aus welchen es nur wenige erhalten hat. So gibt es eine wechselseitige Wertschätzung etwa mit Norwegen: Österreichische Künstlerinnen und Künstler bekamen aus dem skandinavischen Land 78 Punkte. Österreichische Jurys wiederum vergaben 86 Punkte an norwegische Acts.
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Auf der Grafik unten steht jeder gelbe Punkt für ein Land. Je weiter oben im Raster ein Land liegt, desto mehr Punkte hat es an Österreich vergeben. Je weiter rechts ein Land liegt, desto mehr Punkte haben die Jurys aus Österreich an dieses Land vergeben.
Niederschmetternd einseitig ist die Zuneigung zwischen Österreich und dem zwischen 2003 und 2006 bestehenden Land „Serbien und Montenegro“: Während heimische Jurys 24 Punkte an Bands aus dem Balkanstaat vergaben, bekamen österreichische Wettbewerbsteilnehmer von dort genau null Punkte. Umgekehrt das Verhältnis zu Georgien: Während den Menschen im Kaukasus die Beiträge aus Österreich bisher 32 Punkte wert waren, bekamen die Georgier keinen einzigen Punkt aus Österreich. Besonders beliebt sind österreichische Acts nach dieser Auswertung übrigens in Belgien, das bisher 148 Punkte an Österreicher vergeben hat – so viel wie keine andere Nation.
Und worüber wird beim ESC gerne gesungen? Natürlich über die Liebe. Aber – Überraschung – es gibt auch andere Themen. Manche davon kommen öfter vor, wie sich an dieser Aufstellung von bereits mehrfach verwendeten Titeln zeigt:
Heißer Tipp für ESC-Aspiranten: Singt am besten über einen Engel, der leuchten und bleiben soll – und zwar für alle Zeit, amen.
Und woher bekamen die späteren Sieger besonders viele Punkte? Wo sind die Gewinner eher nicht so gut angekommen? Die Auswertung zeigt: Die Jurys in Montenegro waren am wenigsten von den Gewinnern beeindruckt. Das heißt im Umkehrschluss: Wer von dort wenig Punkte bekommt, hat gute Chancen auf den Gesamtgewinn. Im nördlichen Nachbarland Bosnien und Herzegowina ist es genau umgekehrt: Die Jurys dort haben just jene Lieder mit vielen Punkten bedacht, die später als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgegangen sind. Acts, die von Jurys aus Sarajevo besonders viele Punkte bekommen, dürfen sich also zu den Favoriten zählen.
Auch in Moldau und in den nordosteuropäischen Ländern gefällt den Jurys offenbar das, was sich später als maßgeschneidert für den gesamteuropäischen Durchschnittsgeschmack erweist. Italiener, Schweizer oder Luxemburger können sich hingegen zugutehalten, dass sie sehr eigene Vorlieben hegen.


