In 5 Schritten zum besseren Gesundheitssystem

Bis 2007 war das dänische Gesundheitssystem ineffizient. Dann unterzog sich das Land einer Radikalkur, heute sind die Dänen vorbildlich umsorgt. Fünf Schritte zur Genesung.

Illustrierte Szene zum Thema Gesundheitssystem in Dänemark: Eine medizinische Fachperson im Vordergrund hält eine kleinere Figur vor der dänischen rot‑weißen Flagge; im Hintergrund Himmel, Vögel und ein Haus – symbolische Darstellung von Gesundheitswesen und Nation.
Dänemark reformierte 2007 sein Gesundheitssystem grundlegend: stärkere Zentralisierung, klare Zuständigkeiten und große, spezialisierte Kliniken verbesserten Effizienz und Qualität der Versorgung. © Michael Pleesz
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Auf den Punkt gebracht

  • Reformdruck. Dänemark hat sein zunächst fragmentiertes und ineffizientes Gesundheitssystem durch tiefgreifende Reformen neu strukturiert.
  • Struktur. Ein zentraler Hebel war die Bündelung in fünf Regionen, die Schließung kleiner Krankenhäuser und der Aufbau spezialisierter Zentren.
  • Steuerung. Gleichzeitig wurden die unterschiedlichen Ebenen – Hausärzte, Spitäler, ambulante Nachtbetreuung etc. – eng vernetzt.
  • Anpassung. Eine neuerliche Reform von 2024 zeigt, dass das System laufend weiterentwickelt werden muss, etwa durch stärkere Primärversorgung.

Skandinaviens Wohlfahrtsstaaten gelten mit ihrer flächendeckenden und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung vielerorts als Vorbild. Doch hinter dem guten Ruf steht eine weniger bekannte Geschichte: Dänemark hat sein Gesundheitssystem mehrmals tiefgreifend reformiert, um auf neue Herausforderungen zu reagieren – und dabei Strukturen und Zuständigkeiten grundlegend neu geordnet. Noch vor zwanzig Jahren galt die Versorgung als unzureichend: ein fragmentiertes System, steigende Kosten und Qualitätsprobleme – Herausforderungen, mit denen viele europäische Länder bis heute ringen.

Nicht alle Probleme sind gelöst, und die jüngste Reform befindet sich noch in Umsetzung. Dennoch stellt sich eine zentrale Frage: Wie ist es Dänemark gelungen, sein Gesundheitssystem neu aufzustellen? Und welche Lehren können Länder mit leistungsfähigen, aber komplexen Systemen – wie etwa Österreich – daraus ziehen?

Kein Zentrum, fünf Regionen

Das dänische Gesundheitssystem versorgt rund sechs Millionen Menschen und ist tief im Wohlfahrtsstaat verankert. Es basiert auf Steuerfinanzierung, einem starken öffentlichen Sektor sowie den Prinzipien von Solidarität und Gleichheit. Die Versorgung ist weitgehend kostenlos; Ausnahmen bestehen etwa bei Zahnbehandlungen oder Rezeptgebühren.

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Zahlen & Fakten

Verwaltet wird das System dezentral durch fünf Regionen und 98 Gemeinden. Die Regionen betreiben die Krankenhäuser und schließen Verträge mit niedergelassenen Ärzten, darunter Haus- und Fachärzte, die als selbständige Leistungserbringer tätig sind. Hausärzte fungieren als erste Anlaufstelle und Gatekeeper zum Facharztwesen. Die Gemeinden verantworten unter anderem Prävention, Rehabilitation, Pflege, Altenbetreuung, Sozialpsychiatrie und Zahnbehandlungen für Kinder.

Patienten genießen heute umfassende Rechte, zum Beispiel auch eine Garantie, innerhalb von 30 Tagen eine Diagnose und Behandlung zu bekommen; bei Überschreitung dieser Frist haben sie Anspruch auf Versorgung in privaten Kliniken – und das auf Kosten der Region.

Neustart für das Gesundheitssystem

Das war nicht immer so. Zu viele kleine Einheiten, unklare Zuständigkeiten und fehlende Präventionsanreize führten zu Qualitätsdefiziten. 2007 reagierte Dänemark mit einer tiefgreifenden Reform. Das Ziel war eine Verbesserung der Expertise, eine qualitativ hochwertige Versorgung im Krankenhaus und eine verstärkte Koordination der Behandlungseinrichtungen.

Größere Krankenhäuser mit höheren Fallzahlen erhöhen die Qualität der Behandlung, denn auch für Ärzte und Pfleger gilt die alte Weisheit ‚Übung macht den Meister‘.

Die erste Maßnahme war die Konzentration: Aus 14 Kreisen wurden fünf Regionen im Zuge einer allgemeinen Verwaltungsreform, aus nahezu 300 Gemeinden weniger als 100 größere Einheiten. Als Zweites wurde der Grundsatz wohnortnaher Krankenhausversorgung aufgegeben und es wurden kleinere Spitäler geschlossen. Stattdessen bekam die zentrale dänische Gesundheitsbehörde die Autorität, darüber zu entscheiden, wo spezialisierte Zentren platziert werden, und sie errichtete wenige große, moderne Kliniken. Die Logik: Größere Krankenhäuser mit höheren Fallzahlen erhöhen die Qualität der Behandlung, denn auch für Ärzte und Pfleger gilt die alte Weisheit „Übung macht den Meister“.

Der dritte Schritt war die Verpflichtung für regionale Zentren und Einrichtungen auf Gemeindeebene, miteinander zu kooperieren. Diese Vereinbarungen sollten sicherstellen, dass Patienten nicht „zwischen zwei Stühle fallen“, etwa wenn sie aus dem Krankenhaus entlassen werden und anschließend eine häusliche Betreuung durch die Gemeinde erhalten. 

Die vierte Maßnahme waren Anreize für Gemeinden, mehr in Prävention zu investieren. Das Prinzip ist einfach: Die Gemeinden beteiligten sich an den Kosten von Gesundheitsleistungen (bis zu einer Obergrenze) – und hatten daher ein großes Interesse daran, dass teure Maßnahmen möglichst selten notwendig werden. Auch die fünfte Maßnahme zielte auf die Finanzierung: Heute wird, mehr als zuvor, die Effizienz belohnt. Keine dieser fünf Maßnahmen war einfach durchzusetzen, denn einige Elemente waren Neuland und nicht evidenzbasiert.

Und dann noch mal von vorn

Trotz dieser Maßnahmen setzten der demografische Wandel, chronische Erkrankungen, Personalmangel und steigende Erwartungen das System weiter unter Druck. Zudem blieben soziale und regionale Unterschiede bestehen. Also passte die Politik den Schwerpunkt des Systems erneut an. Mit der Reform von 2024 korrigiert Dänemark den Krankenhausfokus der Vergangenheit ein Stück weit.

Gesundheitsreformen müssen laufend angepasst werden – und gelingen nur mit politischem Willen, fachlicher Einbettung und der Bereitschaft zur Kurskorrektur.

Ziel ist eine Stärkung der Primär- und Wohnortversorgung durch höhere Investitionen und mehr Behandlungen außerhalb der Spitäler. Neue regionale Gesundheitsräte sollen die Koordination verbessern und verfügen über eigene Budgets. In unterversorgten Regionen wurde die Zahl der Hausärzte um rund 40 Prozent erhöht und ihre Verteilung zentraler gesteuert. Behandlungen von komplexen Erkrankungen werden höher vergütet, und neue Rechte sollen die Versorgung chronisch Kranker weiter verbessern.

Die erste und die zweite Etappe dieser Reform wurden durch breiten politischen Konsens ermöglicht – getragen von Expertenkommissionen, Interessengruppen und einer guten Verhandlungskultur. Die Maßnahmen von 2007 verbesserten die Versorgungsqualität durch Spezialisierung, schwächten jedoch Prävention und Primärversorgung. Die Reform von 2024 ist eine direkte Antwort darauf.

Dänemarks Erfahrung zeigt: Gesundheitsreformen müssen laufend angepasst werden – und gelingen nur mit politischem Willen, fachlicher Einbettung und der Bereitschaft zur Kurskorrektur.

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Conclusio

Lehre. Dänemarks Reformen zeigen, dass klare Aufgabenteilung, Spezialisierung und Koordination entscheidend für ein leistungsfähiges System sind.

Dynamik. Ein Gesundheitssystem muss ständig angepasst werden, weil Reformen neue Probleme erzeugen und Rahmenbedingungen sich ändern.

Impuls. Österreich sollte mutig reformieren: Daten bündeln, Zuständigkeiten entwirren und stärker auf Prävention und Primärversorgung setzen.

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