Was kann Kirche, Herr Pfarrer?
Warum gehen die Leute höchstens zu Weihnachten in die Kirche, fragte Politologe Peter Filzmaier den Pfarrer Helmut Schüller im Podcast „Alles außer Politik“. Ein Gespräch über Religion.

Religion spielt in der Gesellschaft heute eine eher untergeordnete Rolle. Nur zu Weihnachten gehen die Menschen noch in die Kirche. Ein perfekter Zeitpunkt also, um die Frage zu erörtern, warum für die Mehrheit der Menschen eine Glaubensgemeinschaft nur mehr wenig attraktiv zu sein scheint. Peter Filzmaier, Gastgeber des Pragmaticus-Podcast „Alles außer Politik“, hat den Pfarrer Helmut Schüller für eine Manöverkritik ins Tonstudio geladen.
Mit kritischem Geist leuchten die beiden die dunklen Seiten der Vergangenheit aus: die unrühmliche Rolle der Kirche in der Nazi-Zeit, Missbrauchsvorfälle und Sexualdelikte und Intransparenz in kirchlichen Entscheidungsprozessen. Die Kleriker fürchten Machtverlust, und das sei der Grund, warum Reformen so schwer umsetzbar sind, so Schüller, der gleichzeitig die nach wie vor wichtige Rolle der Kirche betonte – etwa dann, wenn es um seelsorgerische Aufgaben in der Gesellschaft geht.
Und wie steht es um die Inhalte des christlichen Glaubens? Stehen sie dem Kommunismus in der heutigen politischen Landschaft nicht näher als die angeblich christlichen Parteien? Oder ist die katholische Kirche eher ein wirtschaftliches Unternehmen?, stichelte Filzmaier, der aus der Kirche ausgetreten ist und nur seiner Mutter zuliebe noch dorthin geht. Unverdrossen verteidigt Helmut Schüller das, was er am katholischen Glauben gut für die Menschen findet.
Alles außer Politik: Peter Filzmaier und Helmut Schüller
Was Religion ist? Unterbrechung und in die Tiefe gehen.
Helmut Schüller über die Essenz des Glaubens

Über Helmut Schüller
Helmut Schüller (74) ist Pfarrer in der Gemeinde Probstdorf in Niederösterreich, wo er als Seelsorger für theoretisch 1400 Menschen zuständig ist. Schüller hat eine stationenreiche Laufbahn innerhalb der katholischen Kirche hinter sich. Er besuchte das Knabenseminar Hollabrunn, wo er von Hans Groer unterrichtet wurde, studierte dann Theologie an der Universität Wien und ließ sich zum Priester weihen. Er arbeitete als Lehrer, bevor er 1986 in die Caritas wechselte und 1991 Präsident der Caritas Österreich wurde.
Kardinal Christoph Schönborn ernannte ihn 1995 zum Generalvikar, 1996 wurde er Leiter der Ombudsstelle für sexuellen Missbrauch in der Kirche, eine Funktion, die er bis 2006 innehatte. Aufsehenerregend war sein Engagement in der Pfarrer-Initiative, die eine offene Diskussion über Probleme in der katholischen Kirche anstieß, unter anderem auch über die Rolle der Frauen in der Kirche. 2011 veröffentlichte er einen „Aufruf zum Ungehorsam“. 2012 wurde Schüler der päpstliche Ehrentitel Monsignore entzogen.
Über Peter Filzmaier
Peter Filzmaier stammt aus Wien und ist der Politanalyst des Landes. Die Frequenz seiner Auftritte in den Nachrichtensendungen des ORF kann als Indikator für die Intensität einer politischen Krise dienen. Filzmaier formuliert dann im berühmten Schnellsprech präzise Einschätzungen zur Lage der Parteien und zum Urteil der Wähler. Der Politikwissenschaftler forscht und lehrt ansonsten an den Universitäten Graz und Krems, wo er Professuren für Politische Kommunikation sowie Politikforschung innehat. Und er ist Leiter des Instituts für Strategieanalysen (ISA) in Wien. Alles außer Politik ist der einzige Podcast, in dem er nicht über Politik spricht.
Über Alles außer Politik
In „Alles außer Politik“ vollzieht der Politikwissenschaftler und Polit-Analyst Peter Filzmaier den Drahtseilakt, im Gespräch mit Wissenschaftlern und Experten aus verschiedenen Bereichen alles zu bereden und doch nicht bei der Politik anzustreifen. Gar nicht so leicht. Und doch ein weites Feld: Jeden 3. Donnerstag im Monat Gespräche über Alltag, Leben, Philosophie, Kultur und neue Ideen abseits des Politzirkus.
Wenn Sie mehr hören möchten: Sie finden alle unsere bisherigen Podcasts hier.
