Im Land der freiwilligen Helfer
Fast ein Viertel der Österreicher engagiert sich unentgeltlich für einen guten Zweck. Was wird dabei geleistet? Was würde es kosten, all diese freiwilligen Einsätze zu bezahlen? Und schließlich: Was treibt Menschen an, Gutes zu tun?

Freiwillig arbeiten natürlich fast alle von uns – etwa wenn wir Aufgaben in der Familie übernehmen, dem betagten Nachbarn den Einkauf besorgen oder dem verreisten Freund die Blumen gießen. Hier allerdings soll es um die sogenannte formelle Freiwilligenarbeit gehen. Sie wird organisierter ausgeübt – etwa in Sportvereinen oder in Organisationen wie der Freiwilligen Feuerwehr oder dem Roten Kreuz. In diesem Sektor ist fast jeder vierte Österreicher aktiv: 24 Prozent der über 15-Jährigen engagieren sich auf diese Weise.
Dabei zeigt sich, dass der Anteil der Hilfsbereiten auf dem Land höher ist als in der Stadt. Oder umgekehrt gesagt: Je größer die Heimatgemeinde, desto weniger Menschen arbeiten ehrenamtlich.

Und was tun all diese Menschen? Die meisten engagieren sich in Sportvereinen, etwa als Trainer für die Jugendmannschaft, als Platzwarte oder als Übungsleiter. Über eine halbe Million Menschen sind hier aktiv, und jeder Einzelne wendet pro Woche fast zweieinhalb Stunden für diese Tätigkeit auf. Noch mehr Zeit investieren jene 434.000 Personen, die bei der Freiwilligen Feuerwehr zu Bränden, Überschwemmungen oder Unfällen ausrücken und an den regelmäßigen Übungen teilnehmen. Für den Umwelt- oder Tierschutz reservieren die Freiwilligen immerhin fast zwei Stunden pro Woche.

Da sich viele Österreicher nicht nur in einer Organisation engagieren, ist der persönliche Zeitaufwand für das Ehrenamt mitunter noch höher. So investieren die Freiwilligen insgesamt 3 Stunden und 15 Minuten in ihre ehrenamtliche Tätigkeit. Berücksichtigt man zusätzlich Hilfstätigkeiten im informellen Bereich, summiert sich die freiwillige Wochenarbeitszeit auf rund 6 Stunden.
Müssten alle im formellen Bereich geleisteten Arbeitsstunden bezahlt werden, käme ein hoher Betrag zusammen. Wie hoch wäre dieser? Dazu haben wir folgende Milchmädchenrechnung angestellt: Wir wissen, dass 1,8 Millionen Menschen unbezahlt arbeiten. Jede und jeder Einzelne investiert dafür durchschnittlich 3 Stunden und 15 Minuten. Multipliziert man diese Zeit mit einem – recht willkürlich angenommenen – Stundenlohn von 17,50 Euro, ergibt sich ein Betrag, der den wahren Wert der freiwillig geleisteten Arbeit wohl nicht exakt beziffert, aber immerhin eine Größenordnung vermittelt.

Noch ein Detail zu den Helfern: Ein flüchtiger Blick in die Statistik zeigt, dass die Jüngeren hilfsbereiter sind als die Älteren. Liegt das vielleicht daran, dass unter den Hilfsbereiten ja auch eine Menge Sportskanonen sind, die sich in ihren Vereinen engagieren? Oder daran, dass es ab einem gewissen Alter schwerfällt, Zeit für andere Menschen aufzubringen? Vielleicht wird in diesem Lebensabschnitt die informelle Freiwilligenarbeit wichtiger, etwa die Pflege von Familienangehörigen. Möglicherweise. Sicher fällt noch ein anderer Faktor recht stark ins Gewicht: Wer das Pensionsalter erreicht hat, rückt nicht mehr mit der Freiwilligen Feuerwehr aus.
Bleibt zuletzt noch die Frage: Warum, eigentlich, engagieren sich Menschen ehrenamtlich? Was haben sie davon? Das Hauptmotiv, so zeigt die Erhebung der Statistik Austria, ist der Wunsch, anderen Menschen zu helfen. Es gibt aber auch andere Gründe, für andere zu arbeiten:

Wir sehen: Wichtiger als das Schielen auf die eigene Karriere ist für die meisten das gute Gefühl, ihren Mitmenschen geholfen zu haben.
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