The Art of the Deal
Donald Trump macht Politik zur Privatsache, um sich und seine Familie zu bereichern. Die finanziellen Schäden sind enorm, die politischen nicht zu verkraften. Werden die USA eine Kleptokratie?

Auf den Punkt gebracht
- Unvollständig. Versuche, die Bereicherung Donald Trumps zu beziffern, sind bisher unvollständig geblieben. Es sind viele Deals, mit großen und kleinen Summen.
- Vorbild. Wenn sich der Präsident bereichert, können es andere auch: Staatliche Institutionen und Gesetzgebungsprozesse werden zum Selbstbedienungsladen.
- Korruption. Im Namen welcher Interessen Politik gemacht wird, bleibt zunehmend verborgen. Aus America first wird Trump first.
- Dauerhaft. Die politischen Schäden der Selbstbereicherung durch das Amt bleiben, auch wenn eines Tages die Korruption aufgedeckt werden sollte.
Die USA – eine Kleptokratie oder (noch) nicht? Betrachten wir exemplarisch eine Woche im Oktober:
Am 15. sind gut drei Dutzend Superreiche und Vertreter großer Unternehmen auf Einladung von Donald Trump persönlich bei einem Abendessen im Weißen Haus zu Gast. Es sind Großspender für Trumps 300 Millionen Dollar teuren Ballsaal. So gut wie alle anwesenden Firmen – von Amazon über Lockheed Martin bis zu Tether, einer Blockchain-Plattform für Cyberwährungen – sind Auftragnehmer der US-Regierung, streben Aufträge an oder unterliegen staatlicher Regulation.
Am 18. wird der Ex-Kongressabgeordnete George Santos aus dem Gefängnis entlassen, der Präsident dankt ihm für seine Loyalität. Durch die Trumpsche Strafmilderung musste Santos weniger als drei von 87 Monaten absitzen, zu denen er wegen Korruption verurteilt war. Zur Erinnerung: Die Verfehlungen waren so eklatant, dass der Kongress Santos ausgeschlossen hatte.
Am 21. wird bekannt, dass Trump die Generalinspektorin (Inspector General, IG) der Export-Import Bank, -Parisa Salehi, entlassen hat – ohne Angabe von Gründen und ohne die gesetzliche dreißigtägige Kündigungsfrist. Fünfzehn Jahre im Amt, ist Salehi, die für die Aufdeckung von Betrug, Verschwendung und Missbrauch zuständig war, nun eine von 24 IGs von Bundesbehörden, die seit Trumps Amtsantritt ohne Angabe von Gründen entlassen oder versetzt wurden.
Am selben Tag erfährt das amerikanische Volk, dass sein Präsident vom Justizministerium (DOJ) 230 Millionen Dollar Entschädigung für Ermittlungen fordert. Dabei geht es um mutmaßliche Verstöße von Trump als Privatperson, etwa den unbefugten Besitz von Verschlusssachen. Das Justizministerium wird von Trump-Getreuen, darunter einer seiner früheren persönlichen Anwälte, geleitet.
Am 23. begnadigt Trump Changpeng Zhao, den Gründer der Kryptobörse Binance, der sich der Geldwäsche schuldig bekannt hatte. Binance ist ein Geschäftspartner von World Liberty Financial, dem 2024 gegründeten Kryptounternehmen der Familie Trump.
Jede dieser Handlungen widerspricht Regeln und Normen der Regierungsethik. Jede ist ein Beispiel für den umfassenden, zweigleisigen Angriff der Trump-Administration auf die ethischen Prinzipien der US-Regierung: Was wir sehen, ist der Abbau der nach Watergate etablierten ethischen Strukturen, verbunden mit einer beispiellosen Ausnutzung der Macht und des Einflusses des Präsidentenamts mit dem Ziel der Bereicherung. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich.
Demontagen in Institutionen
Zum Abbau von Strukturen: In den letzten Monaten entließ Trump mehrere Antikorruptionsbeauftragte und ersetzte sie durch parteiische Loyalisten oder ließ die Positionen unbesetzt.
Bald nach Amtsantritt feuerte er etwa David Huitema, den Leiter des Office of Government Ethics (OGE). OGE soll Interessenkonflikte von Beamten und Angestellten der Exekutive verhindern.
Ebenso entließ er Hampton Dellinger, den Leiter des Office of Special Counsel (OSC). Das OSC ist für die Bundesbediensteten zuständig und schützt sie vor Repressionen, wenn sie auf Verschwendung, Misswirtschaft oder Verstöße in ihren Behörden hinweisen.
Beide Direktoren waren erst kürzlich vom Senat für ihre Amtszeit bestätigt worden. Zugleich wurden die Mittel des IG Council gestrichen. Dieses unterstützt die für Integrität zuständigen Inspektoren der Bundesbehörden und ist Anlaufstelle für Whistleblower.
Parallel dazu hat das DOJ die Durchsetzung des Foreign Corruption Practices Act und des Foreign Agents Registration Act abgeschwächt und die interne Einheit zur Korruptionsbekämpfung ausgehöhlt; die Abteilung öffentliche Korruption des FBI wurde aufgelöst.
Ein Korruptionsverfahren gegen den New Yorker Ex-Bürgermeister Eric Adams wurde eingestellt – zumindest zum Teil mit dem Ziel, sich Adams’ Zusammenarbeit bei der Einwanderungspolitik zu sichern.
Außer Santos und Zhao hat Trump noch weitere betrügerische Privatpersonen und wegen Korruption verurteilte Bundes-, Staats- und Kommunalbeamte begnadigt. Er untergräbt so die abschreckende Wirkung der Antikorruptionsgesetze für die Zukunft.
Wird Kritik an Interessenkonflikten der Administration laut, zeigt sich Trump allenfalls gleichgültig. Elon Musks Department of Government Efficiency hatte bei den Kürzungen und der Störung von Behördenabläufen freie Hand. Unter diesen Behörden sind auch die Aufsichtsorgane, mit denen Musk wegen Arbeitsbedingungen, Umweltauflagen und Finanzgebaren im Konflikt steht, und jene, von denen er Millionen-Aufträge hat. Als Trump einmal gefragt wurde, ob er bei Musk deswegen durchgreifen würde, antwortete Trump: „Elon kann sich um seine Konflikte selbst kümmern.“
Trump unterminiert also Institutionen, Regeln und Vorgaben gegen Korruption, die durch den Kongress und frühere Regierungen eingeführt wurden.
Geldmaschine Präsidentenamt
Auch die Liste der Fälle, in denen er sein Amt direkt in privaten Vorteil ummünzt, ist lang und komplex: Offizielle Treffen und Veranstaltungen etwa werden – wie in Trumps erster Amtszeit – für den Verkauf von Trump-Merchandise und die Bewerbung seiner Hotels und Golfplätze genutzt.
Bereits 2016 bis 2021 hatten seine Hotels und Immobilien von Spesen ausländischer Staaten und Regierungsbehörden stark profitiert. Seither hat die Trump Organization ihr internationales Immobiliengeschäft ausgebaut und Managementverträge für Hotels und Golfplätze in Saudi-Arabien, Oman, Dubai und Vietnam abgeschlossen.
Zahlen & Fakten

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Die Deals in Zahlen
- 10 Milliarden: Das ist die Schätzung der „New York Times“ zum ak-tu-ellen Vermögen von Donald Trump. Ärmer als seine Geschäftspartner Elon Musk, -Binance-CEO Changpeng Zhao oder Katar-Emir Al Thani, hat Trump ein Ass für sie im -Ärmel: das Präsidentenamt.
- 46,8 Millionen: Das war das Minus der Jahre 2011 bis 2017, das Trump offiziell für seine Geschäfte melden musste.
- 139 Mal: So oft besuchte Trump vom Tag der Inauguration am 20. Jänner bis zum 10. November 2025 eines seiner privaten Besitztümer. Im Tross: ausländische Staatsmänner (31 Mal), Kabinettsmitglieder und Unternehmer. Wenn die Treffen und Events nicht in einem Trump-Hotel oder auf einem Golfplatz stattfinden, dann im Weißen Haus. Bei Deals zugunsten der Trump Organization geht es oft um Immobilien: 22 neue Immobilienprojekte hat Trump 2025 rund um den Globus an Land ziehen können, oft auf staatlichem Grund, wie etwa in Serbien.
- 2,37 Milliarden: So viel bringen die Kryptogeschäfte. World Liberty Financial, Trump Media & Technology Group, der Stablecoin-Deal, diverse Trump-NFTs, American Bitcoin und $Trump-Meme-Coins sind Cashcows für die Familie, seitdem Donald Trump im Weißen Haus sitzt.
- 400 Millionen: So viel kostete die vor 13 Jahren hergestellte Boeing, die Katar Trump schenkte. Wiederverkaufswert: 150 Millionen.
- Ein Ziel: die Fed. Anfang Oktober 2025 wies der Oberste Gerichtshof die Entlassung der Fed Gouverneurin Lisa Cook als unrechtmäßig zurück. Hätte Trump damit Erfolg gehabt, wäre der Weg für ihn frei gewesen, auch die US-Zentralbank mit Getreuen zu besetzen – damit wäre ihm, seiner Verwandtschaft, den Geschäftspartnern und anderen Interessenten eine schier unerschöpfliche Geldquelle zur Verfügung gestanden. Der erste Versuch, die Fed unter Kontrolle zu bringen, ist gescheitert, doch es werden vermutlich weitere folgen.
Trump erhielt von Katar einen 400 Millionen Dollar teuren Jet als Ersatz für die Air Force One – der Jet geht nach Trumps Amtszeit in den Besitz seiner Stiftung über.
Trump hat sich auch in den Medien- und Kryptobereich vorgewagt. Wer sich beliebt machen will, kann Aktien der Trump Media & Technology Group kaufen oder Werbung auf Truth Social schalten. Anders als in seiner ersten Amtszeit verkaufte er diesmal keine der Beteiligungen und akzeptierte nur minimale Einschränkungen für Privatgeschäfte.
Privatpersonen, die mehrere Millionen Dollar für $Trump-Meme-Coin ausgegeben hatten, erhielten Führungen durch das Weiße Haus; die Sitzung über eine Fusion der Golfverbände PGA Tour und LIV Golf fand im Oval Office statt. LIV Golf gehört dem saudischen Staatsfonds, ein Geschäftspartner der Trump Organization.
Die Verleumdungsklagen gegen Medienkonzerne wie ABC News, Meta und Paramount Global brachten Trump Millionen ein. Die Unternehmen unterliegen der Bundesaufsicht, und als sich etwa Paramount mit Trump einigte, befand sich das Unternehmen mitten in Verhandlungen über eine milliardenschwere Fusion – für die brauchte es die Zustimmung der Trump-Regierung.
Auch Trumps World Liberty Financial profitiert von der Abhängigkeit internationaler Investoren von Entscheidungen der US-Regierung. So beendete die Trump-Regierung so gut wie alle Einschränkungen für den Kryptohandel – kurz nachdem Justin Sun, ein Kryptomilliardär, gegen den die US-Börsenaufsicht SEC wegen Betrug und Manipulation ermittelt, für 75 Millionen US-Dollar Token von World Liberty gekauft hatte und dessen Berater wurde, was weitere Investoren anzog.
Eine von der Herrscherfamilie der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) kontrollierte Investmentfirma erwarb im März Stablecoin von World Liberty im Wert von zwei Milliarden US-Dollar, die sie in Beteiligungen an Binance, der weltweit größten Kryptobörse, steckte. Der Deal dürfte der Familie Trump und ihren Partnern jährlich mehrere zehn Millionen Dollar einbringen. Nur zwei Wochen später gab Trump grünes Licht für den Export von Nvidia-Chips in die VAE im Wert von vielen Milliarden Dollar – ungeachtet der Sicherheitsbedenken wegen der Geschäftsbeziehungen von VAE und China.
Das Magazin „New Yorker“ kommt auf einen Gewinn von bisher mehr als drei Milliarden Dollar für die Trumps, wobei ein Großteil in Vermögen und Investitionen steckt, die schwierig zu bewerten sind. Die Gesamtsumme dürfte beträchtlich und weit höher sein als alles, was seine Vorgänger in ihrer Amtszeit erwirtschaftet haben.
Die meisten US-Gesetze zu Interessenkonflikten gelten aber nicht für den Präsidenten, und solange keine Beweise vorliegen – eine Vereinbarung oder ein Vertrag, der die Gegengeschäfte belegt – sind die Handlungen möglicherweise sogar legal.
In wessen Interesse?
Die Folgen des Profitstrebens für die öffentlichen Institutionen werden weiter reichen und für die Zukunft der USA dramatischer sein als der finanzielle Verlust. Wenn private Interessen und präsidiales Handeln so eng verknüpft sind, wird es unmöglich, Entscheidungsgrundlagen und Sachverstand einer Regierung zu beurteilen.

Ein paar Beispiele: Seit Amtsantritt hat Trump digitale Vermögen und die Kryptobranche insgesamt durch Besetzungen und Exekutivmaßnahmen gepusht. Eine Rechnungslegungspflicht, die Banken bisher davon abhielt, Kryptowährungen zu halten, wurde aufgehoben – ebenso eine Richtlinie, die Treuhänder von Altersvorsorgefonds zur „äußersten Vorsicht“ verpflichtet, wenn sie in Krypto anlegen. Beruhen diese Maßnahmen auf fundierten politischen Einschätzungen oder den finanziellen Interessen der Familie Trump?
Oder: Entsprechen die Beziehungen der US-Regierung zu den Machthabern am Persischen Golf den Sicherheitsinteressen der USA oder den Investitionsinteressen der Trump Organization und von World Liberty Financial? Kann der Präsident selbst überhaupt noch zwischen öffentlichen und privaten Interessen unterscheiden?
Indem Trump ethische Leitplanken niederreißt, die Kontrollinstanzen mit Loyalisten besetzt und eine eklatante Missachtung von Interessenkonflikten an den Tag legt, gibt er der gesamten US-Regierung faktisch grünes Licht für Vorteilsnahmen. Der Fisch stinkt vom Kopf her, wie man sagt.
Ohne Kontrollinstanzen und mit einer Justiz, die gegen politische Gegner vorgeht, während Trump-Anhänger begnadigt werden, dürfte bei Interessenkonflikten die Versuchung groß sein, noch bestehende Schranken zu ignorieren.
Die Bereicherung Trumps untergräbt auch die informellen Normen, die sicherstellen sollen, dass Amtsträger im öffentlichen und nicht im privaten Interesse handeln. Korruption führt unweigerlich zu ineffizienten und ungleichen öffentlichen Dienstleistungen und Regulierungen, mit langfristigen Folgen für die Effektivität des Regierungshandelns und des öffentlichen Vertrauens, das für eine funktionierende Demokratie unerlässlich ist.
Das Amt als Privateigentum
„Public office is a public trust“ („ein öffentliches Amt ist ein anvertrautes Amt“) ist das Grundprinzip repräsentativer Demokratie, doch Trump behandelt öffentliche Ämter wie Privateigentum. Weder Kongress noch Oberster Gerichtshof (SCOTUS) sind bisher bereit, die Angriffe des Präsidenten auf Regeln und Normen gegen Korruption und Interessenwirtschaft zu stoppen. Letztendlich muss sich das öffentliche Vertrauen durch das Volk beweisen.
Wie James Madison, einer der Gründerväter der US-Verfassung, sagte: „Gibt es unter uns keine Tugend? Wenn nicht, befinden wir uns in einer erbärmlichen Lage.“ Die letzten schwerwiegenden Verfehlungen eines Präsidenten – Watergate – führten zu politischen und rechtlichen Antworten, die das ethische Klima zumindest für eine Zeit verbesserten. Wir können hoffen und darauf hinarbeiten, dass es diesmal zu einer ähnlichen Reaktion kommt.
Conclusio
Bereicherung. Dass – und sogar wie – Donald Trump das Präsidentenamt zum eigenen Vorteil ausbeutet, liegt offen zu Tage. Der Beweis jedoch, dass er nicht allein gegen Normen, sondern gegen geltendes Recht verstößt, ist schwer zu erbringen.
Privatisierung. Trump schädigt die USA nachhaltig: Das Staatshandeln wird Privatinteressen unterworfen und ist somit intransparent und -willkürlich. Zu befürchten sind an-haltend negative Folgen für die US-Demokratie.
Instrumentalisierung. Trump -demontiert unabhängige Kontrollorgane, eine Zäsur für die politische Ordnung der USA. Er macht sich selbst zum willfährigen Instrument Dritter und setzt deren Interessen in der US-Regierung durch.

