Schreibende Klimaaktivsten
Mit Leitfäden ausgestattet, weisen Klimajournalisten in Dauererregung auf die Erderhitzung hin. Was hinter den Apokalypse-News steht.

Auf den Punkt gebracht
- Klimajournalisten. Netzwerke, NGOs und Stiftungen machten den Klimawandel ab 2018 zum publizistischen Leitmotiv und förderten einen aktivistischen Journalismus mit politischem Sendungsbewusstsein.
- Sprachregelung. Begriffe wie „Klimakrise“ und „Erderhitzung“ setzten sich in Redaktionen als ideologische Kampfbegriffe durch; Kritik daran wurde rasch als „Klimaleugnung“ delegitimiert.
- Klimaalarm. Immer mehr gesellschaftliche Phänomene wurden medial auf den Klimawandel zurückgeführt – vom Sport bis zur Energiepolitik –, was Polarisierung und Angst verstärkte.
- Stimmungsumschwung. Mit Energiekrise, wirtschaftlichen Problemen und wachsender Kritik am Alarmismus beginnen Medienhäuser, ihre Klima-Berichterstattung abzurüsten und den Ton zu verändern.
Das Klima erhitzt so manche Gemüter in den Redaktionen der Medienhäuser. Die Klimakrise sei die wohl größte Herausforderung für den Journalismus, bekannten österreichische Journalisten im Oktober 2020, als sie ihr Netzwerk Klimajournalismus gründeten. Bald folgten die Kollegen in Deutschland und der Schweiz. Ein Ziel war, Medienleute zu vernetzen und den Journalismus im deutschsprachigen Raum „klimakrisenfit“ zu machen.
Man positionierte sich eindeutig links: „Der Globale Norden trägt durch den Kolonialismus und das Wachstumsparadigma seiner Ökonomien historisch die Verantwortung für die Klimakrise“, heißt es in einer Klimajournalisten-Charta. „Klimajournalismus beleuchtet die Ursachen der gesellschaftlichen Ungleichheit.“ Das Pariser Klima-Abkommen und der Klimaschutz-Beschluss des deutschen Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2021 sollen trotz Kritik aus der Wissenschaft als „Richtschnur und Leitplanken“ dienen.
Eine Netzwerk-Charta will „Bewusstsein stärken“ und dem Klima „mehr Platz geben“. Der Klimawandel solle „als Dimension ressortübergreifend mitgedacht“ werden, was – wie sich schnell zeigte – einem „Klimareduktionismus“, so der Klimatologe Mike Hulme, Vorschub leistete. Dadurch werden auch die abwegigsten Themen auf den Klimawandel bezogen. Gewalt in Schwimmbädern nehme zu – wegen des Klimawandels. Die Erwärmung erleichtere Punkterfolge beim Baseball. Geburtenrate, Allergien, Flugturbulenzen – alles ändert sich angeblich wegen des Klimawandels. Und ob Butter, Kinder, Zimmerpflanzen, Vorstadt, Haustiere, Torf, Soja, Smartphones, Narkosegas, Wohnen, Wald, Internet – alle sind laut Medienberichten „Klimakiller“.
Die Netzwerke haben die Berichterstattung über den Klimawandel gravierend verändert, nicht nur im deutschsprachigen Raum. 2019 schlossen sich spontan hunderte Medien „Covering Climate Now“ an, einer von Milliardärsstiftungen wie Packard und Rockefeller finanzierten Initiative zur Förderung der Klimaberichterstattung. Neben Spiegel, Stern, taz aus Deutschland und der Tamedia-Gruppe aus der Schweiz schlossen sich zahlreiche internationale Medien an, etwa Reuters, Bloomberg, AFP, ABC, MSNBC oder CBS News.
Hilfestellung für Redakteure
Ziel der Kampagne sei es, „die Berichterstattung über die Folgen der Klimakrise zu maximieren“ und „Lesern, Zuhörern und Zuschauern zu zeigen, dass sie entschlossen sind, die Klimageschichte mit der Strenge, dem Fokus und der Dringlichkeit zu erzählen, die sie verdient“. Dafür bietet „Covering Climate Now“ Hilfestellungen: „Denken Sie daran, dass eine Extremwettergeschichte, die den Klimawandel nicht erwähnt, unvollständig und möglicherweise sogar ungenau ist“, heißt es auf der Internetseite. „Die Verbindung herzustellen, ist ebenso einfach wie nötig!“
Dazu liegen in Redaktionen Broschüren von weiteren NGOs bereit, die passende Formulierungen empfehlen, zum Beispiel die Anleitung „Über Extremwetter und den Klimawandel berichten – ein Leitfaden für Medien“, der von klimafakten.de herausgegeben wird, das von der European Climate Foundation gesponsert wird, die wiederum von reichen Stiftungen aus den USA gepäppelt wird und deren Ziel die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad ist.
In Österreich, Deutschland und der Schweiz hatten Redaktionen in den Jahren nach 2018 mit dem Aufkommen von Fridays for Future neue Leute eingestellt, um den Klimawandel aktivistisch zu behandeln. Der Beruf des „Klimajournalisten“ war geboren, es war das Thema der Zeit – und eine Bonanza: Jeder wollte einen Teil des Kuchens, den eine finanzstarke Lobby aus NGOs und Stiftungen opulent bestückt hatte.
Aktivismus breitet sich aus
Die Bewegung konstituierte sich weniger durch sorgsame Recherchen über Hintergründe der Erwärmung und ihre politischen Verflechtungen als durch die Markierung von Feinden und einen manichäischen Kampf gegen das „fossile Patriarchat“, der die eigene Gruppe zusammenschweißte. Im Jahr 2020 unterschrieben dutzende Journalisten in Deutschland, darunter Wettermoderatoren von ARD und ZDF, einen offenen Brief mit der Aufforderung, die „Klimakrise endlich ernst zu nehmen“. Sie erklärten: „Die Einhaltung des 1,5-Grad Ziels als vierte Gewalt zu kontrollieren, ist kein Aktivismus.“
Mit Ehrungen bestätigten sich Journalisten regelmäßig gegenseitig in ihrer Haltung. Das Medium Magazin belohnte besonderen Einsatz für das Klima mehrfach mit der Auszeichnung „Wissenschaftsjournalist des Jahres“. Den „Reporterpreis“ erhielten 2020 gleich drei Texte, welche die bevorstehende Umweltkatastrophe beschworen.
Stern, Frankfurter Rundschau und taz überließen Klimaaktivisten von Fridays for Future die Inhalte einzelner Ausgaben, und die Stern-Chefredaktion verkündete, beim Klimawandel „nicht länger neutral sein“ zu wollen – was auch immer das bedeuten mochte: Eindeutige Positionen fallen schwer in der Klimadebatte, die neben erheblichen Umweltrisiken geprägt ist von versteckten Interessen, Unwahrheiten und politischen Verwicklungen. Doch selbst journalistische Branchenmagazine erschienen als „grüne Ausgaben“.
2018 kamen NGO-Leute in Redaktionen und erklärten, warum die wissenschaftlich korrekten Begriffe Erderwärmung und Klimawandel „verharmlosend“ seien und – wenig trefflich – mit „Erderhitzung“ und „Klimakrise“ ersetzt werden sollten. Kritik an dem Neusprech – zum Beispiel, dass eine „Krise“ nicht von Dauer ist, die Erwärmung aber lange andauern wird, oder „Erhitzung“ bei erwarteten plus zwei bis drei Grad unzutreffend ist – wurde verächtlich gemacht.
Redaktionen übernahmen die Anregung, und wer sich widersetzte, galt als „Klimaleugner“ oder als „rechts“. Und darum geht es dabei: um Macht – Sprache wird als Mittel eingesetzt, um andere politisch auf Linie zu zwingen oder auszugrenzen, auf Kosten wissenschaftlicher Genauigkeit.
Der Wind scheint sich zu drehen, und Journalisten sind meist die Ersten, die ihre Meinung dann passend justieren.
Der Spiegel holte 2018 den ehemaligen Chefredakteur des Greenpeace Magazins in die Leitung des Wissenschaftsressorts und machte ihn für die neue Rubrik „Klimakrise“ zuständig.
Es war eine große Party, die mit ihrem Aktivismus die Polarisierung der Gesellschaft und die der Klimadebatte anheizte, junge Leute in die „Klimaangst“ trieb und einer hochproblematischen Energiepolitik in Deutschland und Österreich den politischen Vorraum bereitete. Doch die Stimmung hat sich geändert. Der Greenpeace-Journalist beim Spiegel wurde degradiert, und auch viele andere Medien wollen ihre Klimajournalisten wieder loswerden: Die Washington Post hat gerade die meisten ihrer Klimajournalisten entlassen – von einst dreißig arbeiten nur noch fünf in der Redaktion. Und auch das Klima-Team von CBS News wurde stark dezimiert.
Klimapendel schlägt zurück
Nachdem jahrelang so gut wie keine Kritik am wissenschaftsfernen Aktivismus zu lesen und zu hören war, erscheinen auch in deutschen Medien mittlerweile kritische Stücke über die Auswüchse des Klimaalarms und über die vermaledeite Energiewende Deutschlands.
Mit am schrillsten berichtete die New York Times. Deren Autor David Wallace-Wells landete 2019 mit „The Uninhabitable Earth“ den wohl bekanntesten Apokalypse-Bestseller zum Klimawandel. Ausgerechnet er hinterfragt nun den Klima-Alarmismus: „Die Klimakrise schien eine Art Erlösungschance für die gesamte technokratische liberale Elite zu bieten, deren sozialer Status und moralischer Führungsanspruch seit der Finanzkrise etwas zerbröckelt war“, schreibt Wallace-Wells. Er vermutet ökonomische Hintergründe: „Als man sich nach Investitionsmöglichkeiten umsah, schien ein grüner Wandel eine naheliegende Wahl zu sein, weshalb jeder, der versuchte, eine bessere wirtschaftliche Zukunft für Europa zu schaffen, ausnahmslos eine enorme Erhöhung der Investitionen in saubere Energie vorschlug.“
Das Klimaproblem besteht weiter, die Erwärmung dauert an, Risiken werden sich in den kommenden Jahrzehnten aller Voraussicht nach verschärfen. Doch Medien versuchen nun zaghaft, Berichten über den Klimawandel weniger katastrophistische oder gar hoffnungsvolle Noten zu geben, ganz so, als ob sie mit der überspannten Klima-Berichterstattung seit 2018 nichts zu tun gehabt hätten. Der Wind scheint sich zu drehen, und Journalisten sind meist die Ersten, die ihre Meinungen dann passend justieren.
Conclusio
Klimakämpfer. Seit 2018 formieren sich Netzwerke für „Klimajournalismus“, unterstützt von Stiftungen und NGOs. Sie propagieren eine links positionierte Berichterstattung und stellen bei fast jedem Thema einen Konnex zum Klima her.
Klimapädagogen. Lobbys erstellen Leitfäden, Begriffe („Klimakrise“, „Erderhitzung“) und Deutungsmuster. Kritik daran wird als „Klimaleugnung“ gebrandmarkt – die propagierte Sprache dient dazu, alle auf Linie zu bringen.
Klimawandel. Mit Energiekrise und wachsender Skepsis kippt die Stimmung: Klimaredaktionen werden gekappt, erste Medien kritisieren Alarmismus und Politik. Das Klimaproblem bleibt, doch viele Journalisten justieren den Ton.
Erfüllt der ORF überhaupt seinen Auftrag?
Der ORF braucht eine tabulose Reformdiskussion. Den öffentlichen Auftrag erfüllen längst auch private Medien, erhalten dafür aber kaum Fördermittel und Zugang zur Rundfunk-Infrastruktur.
