Im Zeitalter der Asymmetrie

Warum die Technologien des digitalen Zeitalters all jenen besonders helfen, die mit Ideen, Mut und Unternehmergeist die Welt erobern wollen.

Das Bild zeigt eine Bauern-Schachfigur, die den Schatten eines Königs wirft. Das Bild illustriert einen Artikel über die Machtverschiebung des digitalen Zeitalters.
Digitale Technologien verleihen kleinen Akteuren Fähigkeiten, die einst den Großen vorbehalten waren. © Getty Images

Wenn ein paar Drohnen, die gerade einmal ein paar tausend Euro kosten, einen millionenteuren Panzer zerstören, eine noch viel teurere Radarstation unbrauchbar machen oder gar ein ganzes Gasfeld in Flammen aufgehen lassen, dann zeigt sich ein ganz erstaunliches Phänomen, das weit über den Krieg hinaus ganz viele Aspekte unseres Lebens neu definiert und vor allem neu definieren wird: Wir erleben gerade die Morgendämmerung des Zeitalters der Asymmetrie.

Das gilt für die Wirtschaft genauso wie für das Militär, für die Politik genauso wie für die Wissenschaft und die Forschung.

Galt lange die Regel, mehr Ergebnis sei nur durch mehr Aufwand zu erreichen, so gilt heute und vor allem in Zukunft immer mehr: Eine kluge Idee, ein paar fähige Leute und vor allem die ihnen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten des digitalen Zeitalters, besonders natürlich der künstlichen Intelligenz, vermögen unter Umständen deutlich mehr in kürzerer Zeit zu erreichen als ganze Mammutkonzerne traditioneller Bauart, hochgerüstete Armeen oder arrivierte Forschungszentren.

Deshalb gelang es etwa der Streaming-Plattform Netflix, in nicht einmal 20 Jahren die ganze Filmindustrie auf den Kopf zu stellen, deshalb können vergleichsweise winzige Unternehmen im Bereich der künstlichen Intelligenz die Finanzmärkte erschüttern oder eben auch die ukrainische Armee mit billig massenproduzierten, intelligenten Drohnen das übermächtige Russland ernsthaft bedrängen.

Schnell, wendig, innovativ

Gerade in der Rüstungsindustrie ist das Zeitalter der Asymmetrie gut zu beobachten. Start-ups wie Anduril, Helsing oder Icarus Swarms entwickeln und produzieren jede Menge Rüstungsgüter aus dem Science-Fiction-Katalog und sind dabei viel schneller, wendiger und innovativer als die traditionellen Panzerhersteller alter Schule.

Selbst Einzelkämpfer können heute Leistungen erbringen, die früher undenkbar waren.

Selbst Einzelkämpfer vermögen unter den Bedingungen einer asymmetrischen Welt Leistungen zu erbringen, die früher undenkbar gewesen wären. Der Österreicher Peter Steinberger etwa hat den mittlerweile weltberühmten KI-Agenten „OpenClaw“ mit einer Handvoll freier Mitarbeiter entwickelt; und der von der New York Times erst unlängst enttarnte Bitcoin-Erfinder Adam Back vulgo „Satoshi Nakamoto“ hat sich die führende Kryptowährung vor rund zwanzig Jahren überhaupt ohne jeden institutionellen Rahmen ausgedacht und in die Welt gesetzt – was ihm übrigens ein Vermögen eingebracht hat, das in der Krypto-Szene auf etwa 100 Milliarden Dollar geschätzt wird.

Chancenloser Goliath

Nun ist die Erkenntnis, dass David Goliath besiegen kann, ja nicht wirklich neu. Neu ist aber, dass die digitalen Technologien und vor allem die künstliche Intelligenz aus David einen Super-David machen können, gegen den Goliath noch viel weniger Chancen hat.

Das ist vermutlich eine eher schlechte Nachricht für all jene, die der Welt von gestern und ihrer vertrauten Stabilität nachtrauern.

Es ist allerdings eine ganz hervorragende Nachricht für jene anderen, die mit einer guten Idee, einer ordentlichen Portion Unternehmergeist und einer Prise Verrücktheit die Welt erobern wollen: Ihre Chancen auf Erfolg und Geld sind im Zeitalter der Asymmetrie größer denn je zuvor.

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