Marathon: So viel ist Ihre Laufzeit wert

4:01:34 h – das ist die Durchschnittszeit aller Läuferinnen und Läufer beim vorjährigen Wien-Marathon. Wie schnell waren die Schnellsten, und welchen Einfluss hat das Wetter auf Ausdauersportler? Eine Zahlenspielerei zum Beginn der Saison, in der auch empfindliche Gemüter im Freien Sport betreiben.

Die Illustration zeigt Läuferinnen und Läufer bei einem Marathon.

Die besten Marathon-Läufer sind unglaublich schnell. Um einen Kilometer zurückzulegen, brauchen sie nur rund 2 Minuten und 52 Sekunden. Für Menschen, die selbst nicht laufen und daher mit dieser Zeitangabe wenig anfangen können: Die Athleten sind mit rund 21 km/h unterwegs, das ist ein Tempo, das ein nicht trainierter Mensch nicht schafft, nicht einmal für wenige Meter. Selbst für trainierte Sportler ist das ein Sprinttempo, das sie kaum über einen Kilometer durchhalten.

Noch schneller ist nur Eliud Kipchoge. Der Kenianer lief im Jahr 2019 in Wien eine Marathon-Distanz in unter zwei Stunden. Das wäre ein neuer Weltrekord, allerdings war der Lauf kein offizieller Wettbewerb sondern eben ein Rekordversuch unter Laborbedingungen: Die Strecke war exklusiv für den Ausnahmeathleten und seine Pacemaker abgesperrt.

Beim Vienna City Marathon des Vorjahres kamen die ersten Sportler nach einer Laufzeit von etwas mehr als zwei Stunden ins Ziel. Im Intervall zwischen zwei Stunden und zwei Stunden und 15 Minuten waren bereits acht Läufer im Ziel. In jedem der folgenden 15-Minuten-Intervalle kamen mehr und mehr Finisher über die Ziellinie. Nach 3 Stunden und 45 Minuten ging es richtig hoch her im Zielraum: Bis zur Zielzeit von vier Stunden kamen 1.656 Menschen ins Ziel. Danach wurde es ruhiger im Zielraum. Die Durchschnittszeit aller Marathon-Finisher betrug übrigens 4:01:34. Wo wäre ein Läufer mit dieser Zeit bei einem Marathon in einer anderen Stadt gelandet?

Wir sehen: Ein Läufer, der die Wiener Durchschnittszeit schafft, hätte in London 68 Prozent aller Starter hinter sich gelassen. Schlechter hätte er beim notorisch rasanten Boston-Marathon abgeschnitten. Mit einer Durchschnittszeit aus Wien hätte er lediglich 28 Prozent der Starter hinter sich gelassen. Was die Ergebnislisten von großen Marathons noch zeigen, ist, dass der menschliche Organismus bei Temperaturen um die 14 Grad Celsius am besten funktioniert.

Dazu haben wir die Zeiten der jeweils zehn Schnellsten eines Wettlaufs gemittelt und mit der Lufttemperatur zur Startzeit verknüpft. Wir sehen: Beim kalten Wien-Marathon im Jahr 2025 waren die zehn schnellsten Läufer „erst“ nach 2 Stunden und 12 Minuten im Ziel. Beim Tokio-Marathon desselben Jahres hatte es beim Start angenehme 12 Grad – und die zehn schnellsten Läufer erreichten gemeinsam eine Durchschnittszeit von 2 Stunden und 5 Minuten.

Apropos „Läufer“, „Starter“ und „Finisher“: Laufen ist längst zum Sport für Frauen geworden, auch wenn das zu Beginn gar nicht gerne gesehen wurde. Hier nur der Hinweis auf die unglaubliche Geschichte von Kathrine Switzer, die im Jahr 1967 beim Boston-Marathon angetreten war. Als die Rennleitung bemerkte, dass sich hinter der Startnummer 261 eine Frau verbarg, versuchten sie, die Läuferin von der Strecke zu rempeln. Sie wollten einfach nicht, dass auch Frauen an diesem Wettbewerb teilnehmen. Der Spiegel erzählt die ganze Story, und zwar hier.

Mittlerweile laufen Frauen ganz selbstverständlich Marathons. Die schnellste Österreichs ist Julia Mayer. Die Olympionikin, 4-fache österreichische Rekordhalterin, 22-fache österreichische Staatsmeisterin und diplomierte Lehrerin läuft die Marathondistanz in zwei Stunden, 26 Minuten und 43 Sekunden. Im Podcast „Alles außer Politik“ hat sie Peter Filzmaier verraten, wie und warum man einen Marathon läuft. Hier geht's zur Podcastfolge.

Was Frauen und Männer gemeinsam haben: Sie werden immer schneller. Hier die Entwicklung der Weltrekorde:

Gründe für diese Beschleunigung sind optimierte Trainingsmethoden und die wachsende Zahl der Talente, die sich im Langstreckenlauf austoben. Die jüngsten Verbesserungen haben aber wohl auch mit dem Schuhwerk zu tun. Seit 2017 gibt es Laufschuhe mit eingebauten Carbonplatten. Die harten Einlagen verhindern das starke Knicken der Zehengrundgelenke beim Abrücken und sorgen bei Elite-Marathonläufern für eine Zeitersparnis von zwei bis vier Minuten. Auch Amateure werden mit diesen Schuhen schneller, wobei die sich natürlich die Frage stellen sollten, ob ein paar Minuten weniger Laufzeit am Morgen wirklich den um rund 100 Euro höheren Preis solcher Schuhe rechtfertigen.

Bleibt noch die Frage nach der Musikbegleitung beim Laufen. Darüber diskutieren Sportler fast so leidenschaftlich wie über ihre Schuhe, Fachleute geben gerne Tips – hier etwa die Hitliste des Fachmediums Runner's World.

Wir haben einen anderen Ansatz gewählt und liefern hiermit die Antwort auf die sicherlich drängende Frage: Wie oft kann ich zwei beliebte Lauf-Songs während des Laufens auf Dauerschleife abspielen? Wir haben das anhand zweier Beispiele durchexerziert: Zunächst an „Marathon“ der Band Rush. Der Song dauert sechs Minuten und neun Sekunden. Die acht Läufer, die den Wien-Marathon im Jahr 2025 in unter 2:15 Stunden bewältigt haben, konnten ihn sich 20-mal vorspielen lassen. Die 1.656 Läufer, die nach einer Laufzeit von 3:45 bis 4 Stunden im Ziel ankamen, konnten den Song 37-mal hören.

Den ebenfalls unter (der Redaktion namentlich bekannten) Läufern beliebte Song „Born to run“ von Bruce Springsteen ist mit einer Spielzeit von vier Minuten und 30 Sekunden deutlich kürzer – und kann von ausdauernden Läufern also öfter gehört werden. Wer es mit einer Laufzeit von 5:30 bis 5:45 Stunden ins Ziel schafft, könnte den Song rund 77-mal hören. Wir sagen „könnte“. Von „müssen“ war nie die Rede.

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