Keynes ist tot!
Immer mehr Staatsschulden, aber immer weniger Wachstum. Es ist höchste Zeit, die Lieblingstheorie linker Ökonomen zu begraben.

In Deutschland ist gerade ein schauriges wirtschaftliches Schauspiel zu beobachten: Der Staat nimmt Schulden auf, als gäbe es kein Morgen, gibt dieses Geld mit beiden Händen aus – aber die Wirtschaft will trotzdem nicht wachsen, jedenfalls nicht nennenswert. Und vor allem auch nicht so, wie das linke Ökonomen erwarten würden. Irgendwie scheint, und das ist nicht nur in Deutschland so, jene ökonomische Theorie nicht mehr zu funktionieren, mit der John Maynard Keynes vor fast einem Jahrhundert eine Revolution der Wirtschaftswissenschaft ausgelöst hatte. Stark vereinfacht postulierte er, in Zeiten ökonomischer Stagnation möge der Staat Schulden aufnehmen, das Geld ausgeben und damit die Wirtschaft „ankurbeln“, wie das bald hieß.
Mehr von Christian Ortner
Doch heute wird in vielen Staaten gekurbelt und gekurbelt, die Schulden steigen ins Unermessliche – aber außer diesen Schulden wächst praktisch gar nichts. In Österreich ist das ja ganz ähnlich zu beobachten.
Eine Theorie, so fit wie ein totes Pferd
„In the long run we are all dead“, hatte Keynes zu seiner Zeit die Schuldenpolitik ironisch – manche würden sagen: zynisch – verteidigt, auf lange Sicht sind wir ja ohnehin alle tot. Das scheint nun auch für die These des Herrn Keynes selbst zu gelten – auch die ähnelt immer mehr einem toten Pferd.
Ein paar Jahre wird sich das Schuldenkarussell noch drehen, aber irgendwann ist Zahltag.
Bedauerlicherweise weigern sich die allermeisten Politiker, von diesem toten Gaul abzusteigen. Stattdessen gilt: Wenn ein paar hundert Milliarden kein Wachstum bringen, müssen wir halt noch ein paar weitere hundert Milliarden Schulden aufnehmen und in den Schlamassel werfen. Deshalb ist ja jetzt auch immer öfter von einer gemeinsamen Verschuldung der EU-Staaten die Rede. Das war zwar so nicht ausgemacht – ganz im Gegenteil –, eröffnet aber den Euro-Finanzministern die Chance, sich noch einmal einen kräftigen Schluck aus der Schulden-Flasche zu genehmigen. Dass der Widerstand aus Deutschland gegen diesen ökonomischen Irrsinn stark nachlässt, liegt natürlich an der aktuellen Kreditorgie der Berliner Republik. Da ist frisches Geld stets willkommen, egal woher es kommt.
Die Folgen der Staatsschulden
Man muss keine miesepetrige Spaßbremse sein, um zu ahnen, wohin das alles führen wird. Ein paar Jahre wird sich das Schuldenkarussell noch weiter lustig drehen, aber irgendwann ist Zahltag. Und dann wird die Inflation die Menschen, vor allem die Mittelschicht, massiv verarmen lassen, wird der Sozialstaat implodieren und werden die ideologischen Schlangenölverkäufer aller Couleurs Hochkonjunktur haben.
Noch wäre es Zeit, Keynes ganz hochoffiziell für tot zu erklären, seine Theorie zu beerdigen und einen Leichenschmaus nach argentinischer Art auszurichten. Denn in Argentinien ist gerade zu beobachten, wie Politik wirklich Wachstum anfachen kann – mit Methoden, angesichts derer sich Keynes mehrmals in seinem Grab umdrehen würde: niedrige Steuern, ausgeglichener Staatshaushalt, radikale Privatisierung und Deregulierung, all das ganze neoliberale Teufelszeug halt.
Doch davon will in Europa niemand etwas wissen, das tote Pferd wird weiter geritten. Oder, wie es ein unbekannter Kenner der menschlichen Psyche einmal trefflich beschrieben hat: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“


