Roms Aufstieg und Untergang

Das Imperium überlebte Vulkanausbrüche, Bürgerkriege, eine selbst verursachte Umweltkatastrophe und eine kluge Frau. Dann ging es klanglos unter. Warum eigentlich?

Eine Büste, die das Gesicht des Kaisers Konstantin zeigt. Im Hintergrund ist das Kolosseum in Rom zu sehen.
Woran ist das Römische Reich tatsächlich gescheitert? © Getty Images

In der siebenten Folge unserer Mini-Serie „Wenn die Natur Geschichte schreibt“ führt der Umwelt- und Globalhistoriker Johannes Preiser-Kapeller von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften ins antike Rom, um einige moderne Mythen zu hinterfragen. Einer davon besagt, dass Rom seinen Aufstieg einer besonders günstigen Klimaperiode verdankt, dem sogenannten Römischen Klimaoptimum. Andere meinen, das Imperium sei an einer Bleivergiftung zugrunde gegangen. Tatsächlich, so der Historiker, waren hier ganz andere Kräfte entscheidend.

Die Saga beginnt an den Ufern des Tiber. Der Standort ist zwar sumpfig, als Knotenpunkt wichtiger Handelsrouten aber ein günstiger Platz, um ein Weltreich hervorzubringen. So richtig beginnt der Aufstieg des Römischen Reiches, als sich die Bürger eine republikanische Regierungsform geben: Weil sie die Geschicke des Landes mitbestimmen können, sind sie motivierter, das Gemeinwesen zu unterstützen. Das System funktioniert jahrhundertelang, bis ausgerechnet der Erfolg und wachsender Reichtum zu sozialen Spannungen führen.

Das mündet in blutige Bürgerkriege – aus denen Julius Caesar siegreich hervorgeht. Er schwingt sich zum Imperator auf, reist nach Ägypten – dem wichtigsten Getreidelieferanten seines Landes – und lernt dort eine gewisse Kleopatra kennen. Wie Hollywood im Jahr 1963 diese Schlüsselszene der Weltgeschichte darstellt (legendär: Liz Taylor als Kleopatra!) können Sie hier sehen.

Später fällt Caesar in Rom einem Mordkomplott zum Opfer. Und dann bricht auch noch auf einer Insel vor Alaska der Vulkan Okmok aus. Die Asche und die Schwefelsäure, die dabei in die Atmosphäre geraten, verdunkeln die Nordhalbkugel und führen zu Ernteausfällen und Hunger in Rom und Ägypten. Hat somit der Vulkan die Römische Republik zu Fall gebracht, wie etwa hier behauptet wird? Nein, sagt Johannes Preiser-Kapeller. Woran das Römische Reich tatsächlich gescheitert ist, das erfahren Sie im Podcast.

Die Geschichte eines Imperiums in 38 Minuten

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Die politische Ordnung erweist sich als nicht fähig, diese Dimension des Reichtums, auch die Expansion des Reiches zu verarbeiten.

Johannes Preiser-Kapeller über die erste Krise des Imperiums

Über Johannes Preiser-Kapeller

Der Byzantinist und Umwelthistoriker Johannes Preiser-Kapeller. Wenn die Natur Geschichte schreibt heißt der neue Podcast des Pragmaticus mit dem Althistoriker, in dem herausragende Zeiten der Menschheitsgeschichte als Zäsuren in Folge von mitunter plötzlichen natürlichen Veränderungen betrachtet werden, etwa die Pest bei Kaiser Justinian, die Besiedelung Grönlands unter dem Wikinger Erik der Rote, die Hochwässer des Gelben Flusses und die Geschäfte von Francesco Pegolotti.
Johannes Preiser-Kapeller. © Gregor Kuntscher

Johannes Preiser-Kapeller ist Byzantinist und Umwelthistoriker. Er leitet in der Abteilung Byzanzforschung am Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) den Forschungsbereich „Byzanz im Kontext“. Er ist Mitherausgeber des Jahrbuchs der Österreichischen Byzantinistik, der Reihe Studies in Global Migration History und Mitglied des Advisory Boards des Journal of Historical Network Research sowie der „Climate Change and History Research Initiative“ der Princeton University.

Preiser-Kapeller hat mehrere Bücher über die enge Verbundenheit von Natur- und Menschheitsgeschichte geschrieben, unter anderem die Titel Die erste Ernte und der große Hunger. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt bis 500 n. Chr. und Der Lange Sommer und die Kleine Eiszeit. Klima, Pandemien und der Wandel der Alten Welt von 500 bis 1500 n. Chr. Zuletzt erschien von ihm das Buch Byzanz. Das Neue Rom und die Welt des Mittelalters.

Der Podcast: Wenn die Natur Geschichte schreibt

In den vorherigen sechs Folgen führte uns der Byzantinist und Umwelthistoriker Johannes Preiser-Kapeller u.a. durch die Hochs und Tiefs der Jahrhunderte, angefangen bei Kaiser Justinian und dem Schreckensjahr 536, über Erik den RotenGrönland und afrikanische Elefanten; den Bankier Francesco Balducci Pegolottider im 14. Jahrhundert der einen Katastrophe entkam und eine andere beschleunigte, bis zu den mutigen Beamten Hong Hao und Zheng Xia, die sich vor 1.000 Jahren wegen des Jangtsekiang bzw. des Gelben Flusses über ihre Kompetenzbereiche hinauswagten und Menschenleben retteten

Die Reihe Wenn die Natur Geschichte schreibt führte uns bisher auch in Trockenperioden, wie jene 1976. Diese triggerte die Erfindung des Skateboards während der Ausbruch des Vulkans Tambora 1815 eine Eiszeit, Hunger und Cholera brachte und ursächlich an der Entstehung eines bekannten Weihnachtsliedes beteiligt ist. Wenn die Natur Geschichte schreibt ist eine Podcast-Reihe über die Macht der Natur über den Menschen und die Macht des Menschen über die Natur.

Möchten Sie mehr hören? Sie finden alle bisherigen Podcasts hier.

Zum Nachhören: Die Folgen I bis VI

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