Selbstmord aus Mitgefühl

Wenn Politik versucht, kompromisslos menschenfreundlich zu sein, ohne die Konsequenzen zu bedenken, endet sie verlässlich im Fiasko.

Menschen warten in einer Schlange der Berliner Tafel. Das Bild illustiert einen Artikel über "selbstmörderische Empathie".
Gut gemeint ist nicht immer gut: So erhebend es ist, einem einzelnen Bedürftigen zu helfen, so ruinös kann es werden, wenn Politik daraus den Anspruch ableitet, jeden retten zu müssen, der sich nicht rechtzeitig auf einen Baum retten kann. © Getty Images

Empathie, also die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und dementsprechend zu handeln, ist eine feine Sache. Ohne sie gäbe es kein Zusammenleben – oder jedenfalls kein auch nur halbwegs erträgliches. So weit, so trivial.

Weit weniger geläufig ist den meisten Menschen freilich, dass übertriebene Empathie, der sich alles andere unterordnen muss, früher oder später ziemlich ruinöse Folgen haben kann.

Wir haben es im Extremfall mit „selbstmörderischer Empathie“ zu tun, einem eher bizarren Phänomen, das der Psychologe und Bestsellerautor Gad Saad in seinem jüngsten gleichnamigen Buch brillant seziert.

Zu beobachten ist das beispielsweise, wenn es um die Förderung vermeintlich oder tatsächlich benachteiligter Minderheiten geht. So wurde in England jüngst der Fall eines mittlerweile verstorbenen Cambridge-Professors ruchbar, der seine akademische Würde nahezu ausschließlich seiner dunklen Hautfarbe zu verdanken hatte. Also sozusagen dem Umstand, ohne die dermatologische Erbsünde auf die Welt gekommen zu sein, bekanntlich das Schicksal der Weißen.

Ungehemmte Nächstenliebe

Nun mag diese Form der Bevorzugung von Minderheiten tiefer Empathie geschuldet sein – im Ergebnis verschlechtert sie bei großflächiger Anwendung die akademische Qualität der betroffenen Alma Mater erheblich. Und demütigt letztlich alle Angehörigen dieser Minderheit, die ihren Titel ihrer eigenen Leistung verdanken. (Was übrigens auch für Quotenfrauen und Frauenquoten gilt.)

Einem völligen Übermaß an Empathie verdanken wir natürlich auch unsere völlig gescheiterte Migrationspolitik.

Einem völligen Übermaß an Empathie verdanken wir natürlich auch unsere völlig gescheiterte Migrationspolitik. So erhebend es ist, einem einzelnen „Schutzflehenden“ (so hat man das 2015 wirklich genannt) zu helfen, so katastrophal ist es, Empathie ungehemmt auszuleben, ohne die Folgen zu bedenken. Diesfalls also zunehmenden Antisemitismus, Messergewalt, Gruppenvergewaltigungen und all die bekannten „Stadtbild“-Probleme. (Wobei die Frage gestellt werden darf, warum die Empathie den illegalen Migranten gegenüber um so viel größer ist als für die eigene Bevölkerung, die das ausbaden muss. Aber das ist wohl ein Thema für eine andere Kolumne.)

Empathisch in die Pleite

Im Wesentlichen von Empathie getrieben ist natürlich auch der metastasierende Sozialstaat, der jeden retten zu müssen glaubt, der sich nicht rechtzeitig auf einen Baum retten kann. Das wunderbar elegante Angebot der US-Verfassung, der Mensch habe einen Anspruch darauf, nach Glück zu streben, hat der moderne Sozialstaat, der vor lauter Empathie nicht mehr ein noch aus weiß, zu einem Anspruch auf Glücklichsein pervertiert. Das ist halt überhaupt nicht das Gleiche, weil das Anstreben von Glück erhebliche Anstrengung erfordert (gut), während das Recht auf Glück zu einem einklagbaren Anspruch zulasten anderer wird (ganz schlecht). Die gute Nachricht: Dieses Problem löst sich früher oder später im Zuge der Zahlungsunfähigkeit dieser auf Empathie basierten Politik von selbst.

Noch wäre es möglich, den finalen „Selbstmord durch Empathie“ zu vermeiden. Nichts von dem, was übermäßige und überschießende Empathie angerichtet hat, ist unumkehrbar. Bei jeder politischen Forderung nicht nur die mildtätigen Folgen, sondern auch die Konsequenzen und Kosten zu beachten, wäre ein brauchbarer Anfang.

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