20 Eigenheiten der USA

Zwischen Glauben, Freiheit und Widersprüchen: 20 Beobachtungen, die erklären, wie Amerika so tickt.

Thema: Leitfaden für die USA: Ein gezeichneter Schriftzug der Buchstaben USA als Labyrinth. Darin enthalten sind einige ikonische Objekte: Ein Pick-up-Truck, ein Burger und ein Football.
Die USA wirken dank Hollywood auf Europäer vertraut und bergen doch viele Eigenheiten. © Nano Bana / Der Pragmaticus

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind mehr als ein Land – sie sind ein historisch auf ungewöhnliche Weise gewachsener Kulturraum mit eigenen Logiken, Widersprüchen und Selbstverständlichkeiten, die Europäern oft fremd erscheinen. Wer die USA verstehen will, muss sich auf scheinbare Absurditäten ebenso einlassen wie auf tief verwurzelte Überzeugungen.

Diese 20 Fakten bieten einen Leitfaden durch Politik, Alltag und Mentalität einer Supermacht, die gleichzeitig vertraut und radikal anders ist – vom gewählten Sheriff bis zum Trinkgeld, vom Glauben bis zum Gesundheitssystem.

1. In God we trust

In den USA beten 44 Prozent täglich, 62 Prozent bezeichnen sich als Christen. Religion durchdringt Alltag und Politik wie in kaum einem anderen westlichen Land. Glaube ist ein zentraler Identitätsmarker. Religionsfreiheit steht in der Verfassung, eine offizielle Anerkennung für Konfessionen gibt es nicht. Dafür genießen über eine Million religiöse Einrichtungen Steuerbefreiungen.

2. Never give up

Pleite ist kein Stigma in Amerika, sondern eher Ausweis von Unternehmergeist. Viele Silicon-Valley-Gründer feierten bereits Insolvenzen. Aus Fehlern lernt man, Risikofreudigkeit wird belohnt. Im Gegensatz zu vielen europäischen Kulturen gilt Scheitern hier als nicht unüblicher Schritt auf dem Weg zum Erfolg.

3. Indo-American dream

Vom Tellerwäscher zum Millionär: Kinder von Einwanderern gründeten oder führen fast die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen. Besonders indischstämmige Chefs dominieren Tech-Giganten wie Google oder Microsoft. US-Asiaten übertreffen in Bildung und Einkommen oft die weiße Mehrheitsbevölkerung und formen neue Eliten – vom Silicon Valley bis zur Wall Street.

4. Elect your sheriff

Der Sheriff wird in den meisten US-Counties direkt gewählt und ist dort der zentrale Gesetzeshüter. Er leitet häufig die County-Polizei, das Gefängnis und zum Teil auch Ermittlungen. Seine relativ große operative Macht trifft jedoch auf klare finanzielle Grenzen: Das Budget muss vom ebenfalls gewählten County Board der Commissioners genehmigt werden.

5. Delighted to serve

In US‑Cafés und Restaurants erhält das Personal oft nur etwas mehr als zwei Dollar Stundenlohn; den Großteil des Einkommens machen Trinkgelder aus – 20 Prozent sind Standard. Die sogenannte „tipping culture“ spornt Servicekräfte an und macht sie stark von der Zufriedenheit der Gäste abhängig. Für europäische Besucher wirkt die Freundlichkeit daher oft übertrieben.

6. Messy measurements 

Während der Rest der Welt metrisch misst (Länge, Gewicht und Volumen im gleichen Verhältnis), halten die USA hartnäckig am imperialen System fest: Eine Meile (1.609 m) sind 1.760 Yards, 1 Yard sind 3 Feet bzw. 36 Inches. 1 Pound (0,454 kg) sind 16 Ounces, 1 Gallon (3,78 l) hat 8 Pints. Die Folge: dauerhafte Verwirrung bei Wissenschaftlern, Autofahrern und Köchen.

7. Try to make a change

In vielen US-Bundesstaaten können Bürger über Volksinitiativen Gesetzesvorschläge direkt zur Abstimmung bringen. Teilweise können auch beschlossene Gesetze mit einem „Veto-Referendum“ aufgehoben werden. Auf diesem Weg wurden etwa Regelungen zu Mindestlöhnen, die „Ehe für alle“, zur Legalisierung von Cannabis oder zu Abtreibungsrechten entschieden.

8. Arrested development

Rund jeder 200. Amerikaner sitzt hinter Gittern. Die USA haben fast 1,8 Millionen Inhaftierte und damit die größte Gefängnispopulation weltweit. Pro Kopf gerechnet gibt es fünfmal so viele Häftlinge wie in Österreich. Hauptgründe sind strenge Strafgesetze und lange Mindeststrafen als Folge des „War on Drugs“. Das System kostet die USA jährlich über 400 Milliarden Dollar.

9. Eternally grateful

Thank you for your service – dieser Satz gehört in den USA zum festen Umgang mit Uniformierten. Kaum ein anderes westliches Land pflegt eine so ausgeprägte Kultur öffentlicher Wertschätzung – sichtbar in Vergünstigungen, symbolischer Anerkennung und Versorgungsleistungen für rund 18 Millionen Veteranen. In Umfragen genießt das Militär höchste Vertrauenswerte.

10. Homeschooled

Rund 3,5 Millionen Kinder werden in den USA zu Hause unterrichtet – aus religiösen oder pädagogischen Gründen oder weil sich die Eltern um die Sicherheit ihrer Kinder sorgen. Der Lehrplan obliegt den Eltern. Studien bescheinigen den Kindern gute Resultate und Absolventen eine hohe Akademikerquote. Kritiker warnen vor Defiziten bei der sozialen Entwicklung.

11. Off the booze

In den USA gelten in über 200 Countys (von 3.144) und vielen Städten Alkoholbeschränkungen oder -verbote – ungewöhnlich für ein westliches Land und ein Erbe der Prohibition (1920–1933). In „dry counties“ ist Verkauf verboten, in „moist counties“ teilweise erlaubt. 15 bis 20 Millionen Menschen leben in solchen Regionen. Bundesweit gilt ein Mindestalter von 21 für Kauf und Konsum von Alkohol.

12. My lucky day 

Nahezu alle Bundesstaaten betreiben Lotterien und erzielen damit erhebliche Einnahmen. Spiele wie Powerball versprechen Milliardenjackpots – bei minimalen Gewinnchancen. Kritiker sprechen von einer „freiwilligen Steuer auf Hoffnung“. Zwar sind Lotterien weltweit verbreitet, doch die Dimension, die aggressive Vermarktung und die kulturelle Stellung sind einzigartig.

13. On the road again

Die USA sind das Land der endlosen Highways. Das Auto ist Freiheitssymbol, Statusverstärker und Notwendigkeit zugleich. Vororte sind ohne Wagen kaum erreichbar, Roadtrips ein nationaler Mythos. Über 280 Millionen Fahrzeuge prägen das Leben in den USA stärker als anderswo. Öffentlicher Nahverkehr? Außerhalb einiger großer Städte oft Mangelware.

14. Distorted districts

In den USA ziehen Politiker alle zehn Jahre Wahlkreise neu – oft zu ihrem Vorteil. Beim „Packing“ bündeln sie gegnerische Wähler, beim „Cracking“ zersplittern sie deren Stimmen. Bekannt ist der Überbegriff „Gerrymandering“, der auf einen salamanderförmigen Bezirk zurückgeht, den der Gouverneur von Massachusetts, Elbridge Gerry, im Jahr 1812 formte. 

15. Special relationship

Seit den 1960ern entwickelte sich die enge Partnerschaft zwischen den USA und Israel. Heute fließen jährlich rund 3,8 Milliarden Dollar Militärhilfe. In beiden Ländern leben etwa gleich viele Juden. Evangelikale erwarten in Israel die Erfüllung biblischer Prophezeiungen. Dazu kommen geteiltes Pionier-Erbe, judeo‑christliche Identität und die Erinnerung an den Holocaust.

16. Banned books

Die USA haben mehr als 13.000 eigenständige Schuldistrikte, in denen lokale Behörden Lehrpläne und Bücher bestimmen. Das führt zu großen Unterschieden: Was im einen Bezirk Pflichtlektüre ist, kann im nächsten verboten sein – z. B. Orwells „1984“. Seit 2021 wurden über 20.000 Bücher entfernt. Bildung wird so zum Schauplatz kultureller und politischer Konflikte.

17. Fundraising 

Ein Supreme‑Court‑Urteil von 2010 erlaubte unbegrenzte Ausgaben für politische Werbung als geschützte Meinungsfreiheit. Daraus wurden Super Political Action Committees (Super PAC): Vereine, die nahezu unlimitiert Geld sammeln und einsetzen dürfen. Offiziell unabhängig, ist ihre Nähe zu Kandidaten kaum kontrollierbar. Besonders umstritten ist „dark money“ –  das sind anonyme Großspenden.

18. Careless

Die USA haben kein universelles Gesundheitssystem, sondern ein komplexes Mixmodell aus Privatversicherungen und staatlichen Programmen. Rund 25 bis 30 Millionen Menschen gelten als nicht oder unzureichend versichert. Krankenhäuser müssen Notfälle behandeln, tragen die Kosten aber oft selbst oder geben sie an zahlungskräftigere Patienten weiter.

19. Sue me!

Im Jahr 1994 erlitt Stella Liebeck schwere Verbrennungen durch heißen Kaffee bei McDonald’s. Eine Jury sprach ihr zunächst 2,9 Millionen Dollar zu, weil das Getränk gefährlich war; der Betrag wurde später reduziert. Der Fall gilt als Symbol für „frivolous lawsuits“ – und zeigt die Besonderheit des US‑Systems: hohe Schadenersatzsummen und die starke Rolle von Geschworenen.

20. Pleading guilty

In den USA basiert Strafjustiz stark auf Deals statt Prozessen. Über 90 Prozent der Verfahren enden mit einem „plea bargain“: Angeklagte gestehen oder geben gegen Strafmilderung eine geringfügigere Tat zu. Ein vollständiger Prozess entfällt. Kritiker warnen, dass Strafdruck Angeklagte – auch bei unsicherer Beweislage – zu falschen Schuldeingeständnissen bewegen kann.

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