Wie lange überlebt der Euro?
Zugegeben, der Titel ist irreführend. Hier geht es um KEIN Untergangszenario für die Gemeinschaftswährung, sondern um die Robustheit von Banknoten und Münzen. Und wenn wir jetzt schon Ihre Aufmerksamkeit haben, dann vermitteln wir Ihnen gerne auch noch Daten zur Beliebtheit, zur Kaufkraft und zur Geldmenge der europäischen Währung.

Eingeführt wurde die Gemeinschaftswährung als Bargeld am 1. Jänner 2002 – und zwar nicht in der gesamten EU, sondern zunächst in nur 12 Ländern mit zusammen 308 Millionen Einwohnern. Es war die größte Währungsumstellung der Geschichte. Bis heute gibt es EU-Mitgliedstaaten, die an ihren eigenen Währungen festhalten. So wird in Polen mit dem Złoty bezahlt, in Schweden mit der Schwedischen Krone, in Ungarn mit dem Forint und in Rumänien mit dem Leu.
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Umgekehrt gibt es aber auch Länder, die nicht zur EU gehören, in denen aber dennoch mit der Gemeinschaftswährung bezahlt wird. Dazu gehören etwa von EU-Staaten umschlossene Kleinstaaten wie der Vatikan, Andorra oder Monaco. Weniger überraschend ist es, dass auch in Montenegro mit Euro bezahlt wird, obwohl der Balkanstaat nicht vor 2028 EU-Mitglied sein wird. Auch im Kosovo wird mit Euro und Cent gezahlt.
Und jetzt noch etwas nutzloses Wissen fürs Hirntraining und zum Angeben: Die Inselgruppe Saint-Pierre und Miquelon vor Kanada sowie die Insel Saint-Barthélemy in der Karibik gehören ebenfalls zum Euro-Territorium; beide gehören zu Frankreich.
Stellt sich die Frage, wie viel von der Kohle, dem Zaster und dem Schotter im Umlauf ist.
Hier zeigt sich, dass sich die in Umlauf befindliche Bargeldmenge seit der Euro-Einführung mehr als vervierfacht hat. Ein Grund dafür ist natürlich die Ausweitung der Eurobargeldzone. Seit 2002 sind Staaten wie Slowenien (2007), Estland (2011), Lettland (2014) und Kroatien (2023) dazugekommen. Zuletzt, am 1. Jänner dieses Jahres, hat auch Bulgarien die Gemeinschaftswährung eingeführt.
Ein zweiter Grund für den Geldregen ist aber natürlich die Inflation. Wie sehr sich die Kaufkraft der Währung in den vergangenen 24 Jahren verändert hat, lässt sich am besten mit Beispielen für typische Konsumgüter illustrieren.
Wir sehen: Im Jahr 2002 konnte man für einen der damals frisch aufgelegten 500-Euro-Scheine ein durchschnittliches Fahrrad kaufen. Für diesen Preis bekommt ein Interessent heute nur noch ein halbes Rad. Heißt im Umkehrschluss: Ein ganzes, durchschnittliches Rad kostet heute 1.000 Euro, das ist also doppelt so viel. Nicht ganz so stark war die Entwicklung bei Kinokarten. Reichte im Jahr 2002 ein 100-Euro-Schein, um Kinokarten für 13 Personen zu besorgen, so reicht dieser Schein heute immerhin für 8 Freundinnen und Freunde. Nominell unverändert ist übrigens der Preis für Herrenanzüge. Damals wie heute reichen 200 Euro, um ordentlich angezogen zu sein.
Und nun ein Gedankenexperiment. Was wäre, wenn wir sämtliche Scheine und Münzen, die im Umlauf sind, auf alle Bürger des Euroraums verteilen würden? Und zwar so, dass alle genau den gleichen Betrag bekommen? Dann bekäme jeder exakt 4.621 Euro. Das wäre doch auch eine schöne Headline gewesen: „4.621 Euro für alle!“
Und so würde die Stückelung dieses Betrages aussehen:
So viel Geld würde natürlich eine Geldbörse arg ausbeulen; so viel trägt niemand mit sich. Praktischer und sicherer als Bargeld ist natürlich die Zahlung mit einer Karte – beziehungsweise mit der Kartenfunktion von Mobiltelefonen oder Uhren. Hier zeigt sich, dass diese Art des Bezahlens in unterschiedlichen Ländern unterschiedlich beliebt ist. Am häufigsten wird in Litauen bargeldlos bezahlt; für die Italiener gilt hingegen offenbar immer noch: Nur Bares ist Wahres.
Und nun endlich zur Antwort auf die Eingangsfrage. Wie lange halten Geldscheine im Durchschnitt durch, wenn sie von einer Hand zur anderen wandern? Exakte Untersuchungen dazu gibt es nicht, aber wir haben aussagekräftige Hinweise gefunden. Banknoten werden nämlich eingezogen und ersetzt, wenn sie beschädigt sind – oder wenn die Einführung einer neuen Generation von Geldscheinen bevorsteht. Im Jahr 2013 wurden etwa besonders viele 100-Euro-Scheine eingezogen. Wenig später kam eine neue Version der grünen Banknote in Umlauf. Im folgenden Jahr war dasselbe Phänomen beim 10-Euro-Schein zu beobachten.
Was diese Statistik auch zeigt: Die zweite Generation von 100-, 20- und 10-Euro-Banknoten ist wesentlich robuster als die erste – nach ihrer jeweiligen Einführung mussten wesentlich weniger Scheine eingezogen und ersetzt werden. Die Antwort auf die Eingangsfrage lautet also: Der Euro wird immer langlebiger.
