Gebt unseren Kindern eine Chance!

Integration muss in der Schule beginnen, findet die Lehrerin und Autorin Susanne Wiesinger. Denn jedes Kind verdient eine Chance auf Bildung und Aufstieg.

Illustration zu einem Text von Susanne Wiesinger: Ein Klassenzimmer in einer Schule mit tobenden Kindern, auf der Tafel steht "Kein Deutsch, kein Respekt, kein Plan"
Selbst Kinder mit schwierigen Ausgangslagen müssen nicht zwangsläufig scheitern. © Romina Rosa

Als ich vor einiger Zeit ein altes Regal ausräumte, fiel mir ein Heft in die Hände. Es handelte sich um ein Abschiedsgeschenk, das mir eine vierte Volksschulklasse vor fast zwanzig Jahren gemacht hatte. Die Viertklässler von damals stehen heute mitten im Leben und sind zum Teil selbst schon Eltern geworden. Jede Schülerin und jeder Schüler hatten eine Seite gestaltet. Unwillkürlich huschte mir beim Durchblättern des Heftes ein Lächeln übers Gesicht.

Da war die Zeichnung von Sefer. Er hatte mich in einem knallroten Sportwagen abgebildet und daruntergeschrieben: „Susi in Monte Carlo“. Sefer war ein Bub, der sich in meiner Klasse anfänglich mit der deutschen Sprache sehr schwergetan hatte. Er kam damals zu mir in die Klasse, um das zweite Volksschuljahr zu wiederholen.

Seine große Leidenschaft galt damals schon Pkw und Lkw. In den meisten Fächern hatte er aufgrund der Sprachbarriere Probleme, aber er wollte etwas aus seinem Leben machen. Jahre später traf ich ihn zufällig am Reumannplatz (im 10. Bezirk; Anmerkung). Aus dem kleinen Buben war ein junger Mann geworden, der erfolgreich seine Lehre zum Automechaniker abgeschlossen hatte. „Frau Wiesinger“, sagte er zu mir, „wenn Sie einmal Probleme mit Ihrem Auto haben, kommen Sie einfach zu mir in die Werkstatt.“

Als ich umblätterte, fiel mein Blick auf die bunte Zeichnung einer Dame in einem schillernden Ballkleid. Die Zeichnung stammte von Tamira, einem Flüchtlingskind aus Afghanistan, das mir zugeteilt worden war. Ich erinnere mich noch genau, dass sie zunächst kaum ein Wort Deutsch gesprochen, die Sprache aber im Rekordtempo erlernt hatte. Ihren großen Lebenstraum konnte sie bald schon mit allen teilen: Sie wollte Kleider entwerfen und Modedesignerin werden. Nach der vierten Klasse Mittelschule besuchte sie mich mit ihrem Abschlusszeugnis und verkündete: „Ich hab’s geschafft! Ich bin an der Modeschule angenommen worden!“ Ihr Stolz war grenzenlos und meiner auch. Wer weiß, vielleicht sitzt Tamira gerade in einem schicken New Yorker Loft und entwirft die Designs für die kommende Fashion Week.

Lichtblicke im Dunkeln

Geschichten wie jene von Sefer und Tamira zeigen, was möglich ist. Selbst Kinder mit schwierigen Ausgangslagen, die etwa Traumatisches erlebt haben, müssen nicht zwangsläufig scheitern. Auch sie können ihren Weg machen. Was für Erfolgsgeschichten allerdings unerlässlich ist, sind drei Dinge: klare Erwartungen, die richtige institutionelle Unterstützung und Menschen, die an die Kinder glauben.

Selbst Kinder mit schwierigen Ausgangslagen müssen nicht zwangsläufig scheitern.

Immer wieder höre ich von Freunden und Kolleginnen: „Sei froh! Bald hast du es geschafft – und du kannst in Pension gehen und musst dir das alles nicht mehr antun!“ Irgendwie haben sie recht. Nach vielen langen Jahren im Schuldienst könnte ich den ganzen Trubel des Schulalltags endlich hinter mir lassen. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich sagen: Ich kann das einfach nicht. Dafür sehe ich täglich zu viele Kinder, deren Zukunft ungewiss ist. Und ich habe meine Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass Integration gelingen kann. Die Schule ist für mich ein Ort, an dem sichtbar wird, welche Chancen Kinder im Leben bekommen können – und welche ihnen vermutlich versagt bleiben werden.

Als 2018 mein erstes Buch Kulturkampf im Klassenzimmer erschienen war, dachte ich, ich hätte die wesentlichen Probleme von Brennpunktschulen präzise herausgearbeitet, um das System, das in einen Dornröschenschlaf gesunken schien, aufzurütteln. Ich hoffte, dass sich dank meiner Impulse in den kommenden Jahren etwas verändern würde.

Acht Jahre später muss ich ernüchtert feststellen: Das meiste ist gleich geblieben, manches hat sich sogar noch verschlechtert. In allen Bereichen des Schullebens sind mit dem Lockdown, dem Ukraine-Krieg oder dem Social-Media-Wahn sogar komplett neue Aufgaben auf die Lehrkräfte eingeprasselt. Das Problem ist jedoch nicht die Migration an sich. Das wäre eine falsche Schlussfolgerung. Das Problem ist das System, das schon vor langer Zeit an seine Grenzen gestoßen ist und dann auch noch auf integrationsskeptische Eltern trifft, die gegen die Lehrkräfte arbeiten. Ich stelle mir daher oft die Frage, ob die Schule in ihrer aktuellen Ausgestaltung Kinder mit Migrationshintergrund überhaupt noch erreichen kann.

Die Schule als Spiegel der Gesellschaft

Lehrkräfte erleben gesellschaftliche Veränderungen früher als die meisten anderen Menschen. Was später erst aus Statistiken ablesbar wird, beobachten wir bereits Jahre zuvor im Klassenzimmer.

Besonders deutlich wurde das nach der Pandemie und während der Jahre des verstärkten Familiennachzugs. Viele Schulen in Wiener Bezirken wie Favoriten, Simmering oder Floridsdorf standen plötzlich vor einer Herausforderung, auf die sie schlicht nicht vorbereitet waren. Von Jahr zu Jahr füllten sich die Klassen mit immer mehr Kindern, die noch nie regelmäßig eine Schule besucht hatten und deren Eltern selbst kaum lesen oder schreiben konnten.

Viele dieser Kinder waren der deutschen Sprache nicht einmal in Ansätzen mächtig, selbst wenn sie in Österreich geboren worden waren. Man möge mich hier nicht falsch verstehen. Ich habe nichts dagegen, wenn Kinder verschiedene Sprachen sprechen. Vielfalt kann eine große Bereicherung sein, zumal in einem Bildungskontext wie der Schule. Entscheidend ist aber, ob eine gemeinsame Sprache und gemeinsame Räume existieren, in denen Begegnung sinnvoll stattfinden kann.

Integration passiert nicht automatisch dadurch, dass Kinder gemeinsam in einem Gebäude sitzen.

Denn Integration passiert nicht automatisch dadurch, dass Kinder gemeinsam in einem Gebäude sitzen. Der Beweis? Vor einigen Jahren saß ein afghanischer Junge namens Ali in meiner Klasse. Seine Familie war zunächst in einer kleineren Gemeinde in Oberösterreich untergebracht. Auf dem Land war er eines von wenigen Kindern mit ausländischer Herkunft gewesen. Seine Mitschüler unterhielten sich fast ausschließlich auf Deutsch mit ihm, und am Nachmittag jagte er mit ihnen gemeinsam über den Fußballplatz. Nach einigen Monaten konnte er sich erstaunlich gut verständigen.

Als seine Familie aber einige Monate später nach Wien übersiedelte, zeigte sich seine Mutter alles andere als glücklich über Alis Entwicklung. Ali war als Ausländer in seiner Klasse nun plötzlich Teil der Mehrheit. „Zuvor hat er Deutsch gelernt und gesprochen“, sagte sie einmal kopfschüttelnd zu mir, „hier aber spricht generell niemand Deutsch!“ Dieser Satz ist mir im Gedächtnis geblieben.

Sprachliche Fähigkeiten, von denen Integration so zentral abhängt, erwirbt man eben nicht primär und nicht ausschließlich durch die Vermittlung von Lehrinhalten. Kinder lernen eine Sprache vor allem durch zwischenmenschliche Beziehungen und ganz „normale“ Alltagssituationen (Tuscheln während des Unterrichts, Spielen am Pausenhof zwischen den Stunden, im Sportverein am Nachmittag). Wenn ein Kind allerdings den ganzen Tag nur auf Menschen trifft, die dieselbe Herkunftssprache sprechen, wird Integration ungleich schwieriger.

Deshalb galt es als Königsweg zur Integration, Kinder mit unterschiedlichen Muttersprachen im Klassenzimmer zu mischen. Auch ich erachte das Konzept grundsätzlich – mit dem Blick auf Kinder wie Ali – für richtig. Trotzdem müssen wir der Wahrheit ins Auge blicken und ohne Ausflüchte konstatieren, dass die Idee der Durchmischung gescheitert ist. Durchmischung kann eben nur dann funktionieren, wenn auch tatsächlich eine Durchmischung stattfindet. Solange in einer Klasse dreißig oder vierzig Prozent der Kinder eine unterschiedliche Erstsprache aufweisen, während Deutsch als Mehrheitssprache präsent bleibt, können sich Kinder über kulturelle Grenzen hinweg leicht einander annähern.

Die Illusion der Durchmischung

Anders sieht die Situation jedoch aus, wenn achtzig oder neunzig Prozent der Kinder dieselbe Herkunftssprache sprechen oder aus ähnlichen Milieus kommen, während kaum noch deutschsprachige Kinder in der Klasse sitzen. Dann entsteht keine Durchmischung mehr. Dann fehlt genau jener Kontakt, der Integration erst ermöglicht.

Ich merke das jedes Jahr aufs Neue. Viele Kinder verbringen ihren Tag in einem Umfeld, in dem kaum Deutsch gesprochen wird. Zu Hause wird auf Arabisch, Türkisch oder in einer anderen Familiensprache kommuniziert. Auf dem Schulweg treffen die Kinder ihre Freunde aus derselben Community. In der Klasse sitzen überwiegend Kinder mit ähnlichem Hintergrund. Nachmittags spielen sie wieder mit denselben Freunden. Wie sollen sie unter diesen Bedingungen Deutsch lernen? Wie sollen sie Österreich kennenlernen? Integration kann nicht gelingen, wenn sich Lebenswelten kaum berühren.

Dabei ist das Bedürfnis nach Integration tatsächlich viel größer, als öffentliche Debatten das vermuten lassen. Das zeigt sich etwa daran, dass viele Eltern mit Migrationsgeschichte das Problem der fehlenden Durchmischung zu umgehen versuchen, indem sie sich bewusst aus Bezirken mit hoher Migrationsrate zurückziehen oder ihre Kinder in Schulen außerhalb der klassischen „Zuzugsbezirke“ schicken, weil sie sich für ihre Kinder mehr Kontakt zu Einheimischen wünschen.

In überfüllten Klassen voller Kinder mit Migrationshintergrund und fehlenden Deutschkenntnissen bleibt es eine meiner größten Sorgen, dass Lehrkräfte zu wenig Zeit für das haben, wofür sie eigentlich da sind: das Unterrichten. In manchen Klassen bringen wir einen großen Teil des Tages damit zu, die Klasse im Zaum zu halten und Konflikte zu lösen. Dabei ist Streit unter Kindern ja nicht per se ungewöhnlich. Kinder testen ihre Grenzen aus. Das gehört zur Entwicklung der eigenen Identität dazu. Was sich jedoch gewandelt hat, sind die Intensität und die Qualität so mancher Auseinandersetzungen, vor allem bei Kindern mit muslimischem Hintergrund.

Ich erinnere mich etwa an zwei siebenjährige Jungs namens Omar und Mohammed. Beide stammten aus Syrien. Als zwischen ihnen plötzlich ein Streit entfachte, gingen sie unversehens aufeinander los. Sie packten sich gegenseitig am Hals und schlugen mit voller Wucht aufeinander ein. Obwohl sie noch Volksschulkinder waren, hatte ich Mühe, die beiden zu trennen, ohne dabei auch noch verletzt zu werden.

Keine Verständigung, keine Konfliktlösung

Gewalt ist selbstverständlich kein Merkmal einer bestimmten Herkunft. Trotzdem finde ich, dass wir darüber sprechen müssen, wenn bestimmte Verhaltensmuster in einer Schule häufiger auftreten und Lehrpersonen regelmäßig an ihre Grenzen bringen. Als besonders problematisch erweisen sich solche Situationen, wenn die gemeinsame Sprache fehlt. Solange Kinder Konflikte in einer Sprache austragen, die wir Lehrer nicht verstehen, ist Vermittlung von unserer Seite kaum möglich. Dasselbe gilt auch für Elterngespräche. Man kann sich nicht mit Eltern über ihre Kinder unterhalten, wenn sie kein Deutsch sprechen. Welche Möglichkeiten bleiben dann aber realistischerweise noch? Um auch in diesem Zusammenhang keinen falschen Eindruck zu erwecken, möchte ich ausdrücklich betonen, dass Gewalt nichts mit dem Migrationshintergrund eines Kindes zu tun hat.

So lange Kinder Konflikte in einer Sprache austragen, die wir nicht verstehen, ist Vermittlung kaum möglich.

Manchen mag es paradox erscheinen, aber wenn man jemandem für die aggressiven Ausbrüche die Schuld geben müsste, dann wäre es vermutlich das System Schule. Immer wieder höre ich von meinen Schülern nämlich: „Ich muss das tun. Denn wenn ich ihn nicht schlage, schlägt er mich.“ Ich verstehe solche Äußerungen dahingehend, dass körperliche Stärke für manche Kinder, die sich vielleicht zusätzlich in der U-Bahn oder im Supermarkt fremd fühlen, eine Art soziale Selbstversicherung ist. Wer stark ist, wird respektiert. Wer nachgibt, verliert.

Unsere Aufgabe als Schule ist es aber, eine andere Vorstellung von Anerkennung zu vermitteln. Respekt entsteht durch Fähigkeiten und durch Leistung. Doch dafür bräuchten wir Lehrkräfte wiederum mehr Zeit, an der es uns im Klassenzimmer ja eben mangelt. Hier beißt sich die Katze in den eigenen Schwanz.

Rollenbilder und liegengelassenes Potenzial

Fehlende Deutschkenntnisse und Gewalt sind das eine. Was aber, wenn dazu auch noch bestimmte kulturell determinierte Rollenbilder verinnerlicht werden, die Kinder in ihren Möglichkeiten einschränken? Solche Tendenzen beobachte ich bei Mädchen mit muslimischem Migrationshintergrund in beängstigender Häufigkeit. Viele zeichnen sich durch vielfältige Begabungen und Ehrgeiz aus. Ihre Noten und ihre Lernbereitschaft im Unterricht fallen enorm positiv auf. Und dennoch habe ich bei manchen intuitiv das Gefühl, dass ihre Zukunft nicht allein von ihren Leistungen abhängen wird. Wann immer es mir meine Zeit und Energie erlaubt, bemühe ich mich, genauer hinzusehen.

Das Ergebnis ist meist ernüchternd, wenn ich etwa erkenne, dass einige meiner lernwilligsten Schülerinnen nach der Schule sofort nach Hause müssen, während ihre Brüder noch Fußball spielen dürfen. Andere Mädchen wiederum müssen wie selbstverständlich am Nachmittag ihre Geschwister betreuen, anstatt ihre Hausaufgaben zu erledigen oder sich mit Freundinnen zu treffen. So manche Zwölfjährige trägt mehr Verantwortung auf ihren Schultern als ihre Eltern. Ich empfinde es immer als kleine Niederlage, wenn ich Jahre später erfahre, dass eine ehemalige vielversprechende Schülerin die Schule früh verlassen hat, um jung verheiratet zu werden oder Mutter zu werden.

Natürlich lässt sich darüber kein Pauschalurteil treffen. Ich habe auch viele Eltern kennengelernt, die ihre Töchter spezifisch fördern und ihnen jegliche Bildungschance ermöglichen. Dennoch – oder gerade deshalb – darf man aber nicht übersehen, dass in vielen muslimischen Familien aufgrund kultureller Färbungen für Buben und Mädchen unterschiedliche Regeln gelten. Vor kurzem etwa erklärte mir ein Neunjähriger mit stolzgeschwellter Brust: „Wenn mein Papa nicht zu Hause ist, habe ich das Sagen!“ Dem Buben selbst ist dabei kein Vorwurf zu machen. Für ihn ist diese Einstellung eine Selbstverständlichkeit. Kinder kommen nicht mit patriarchalen oder demokratischen Überzeugungen auf die Welt. Sie übernehmen nur die Vorstellungen ihrer Umwelt.

Die Kinder können nichts dafür

Auch in dieser Hinsicht ist Schule unglaublich wichtig. Im Klassenzimmer begegnen Kinder nämlich anderen Lebensentwürfen. Hier erfahren Mädchen, dass sie grundsätzlich dieselben Rechte und Möglichkeiten haben wie Buben. Hier erleben Jungs, dass Respekt nicht bedeutet, sich mit Fäusten das Recht des Stärksten zu erkämpfen. Je älter Kinder werden, desto schwieriger wird es, ihre Ansichten zu relativieren. Ab der Pubertät haben sich viele Muster bereits verfestigt. Wenn wir also möglichst früh ansetzen können, sind die Chancen auf eine inklusive und wirtschaftlich wie sozial solide aufgestellte Gesellschaft größer. Vor dem Hintergrund all dieser und weiterer Probleme habe ich ein zweites Buch geschrieben. Es trägt den Titel Gebt unseren Kindern eine Chance!.

Einige werden diesen Titel vielleicht für übertrieben halten, ich hingegen finde ihn zutreffend. Ich möchte meinen Blick dezidiert auf die Kinder richten, die in der Diskussion rund um Asylpolitik und Grenzkontrollen sowie in Wahlkämpfen übersehen werden. Dabei sind sie ja diejenigen, die mit den Folgen all dieser Entscheidungen leben müssen. Sie können nichts dafür, in welchem Land sie geboren wurden. Sie können nichts dafür, welche Sprache ihre Eltern sprechen oder welche Bildung diese erhalten haben. Sie können nichts dafür, in welches Land ihre Familie gezogen ist. Sie können nichts dafür, in welchem Bezirk sie aufwachsen. Aber sie müssen mit den Konsequenzen leben.

Die Folgen für uns alle

Unabhängig von den persönlichen Konsequenzen für die Kinder selbst hat mangelhafte Integration auch weitreichende Folgen für unsere Gesellschaft. Wenn ein Kind die Schule verlässt, ohne ausreichend lesen, schreiben oder rechnen zu können, verliert nicht nur das Kind – nein, wir alle verlieren. Eine wirtschaftlich und sozial stabile Gesellschaft lebt von gut ausgebildeten Menschen, die ihren Potenzialen entsprechend Arbeit finden und am gemeinschaftlichen Leben teilhaben, anstatt dauerhaft von Sozialleistungen abhängig zu sein oder sich in Parallelwelten zurückzuziehen.

Deshalb müssen wir auch endlich damit aufhören, Probleme schönzureden. Kinder profitieren nicht davon, wenn Lehrer schweigen. Sie profitieren nicht davon, wenn Schwierigkeiten aus Angst vor politischen Debatten nicht angesprochen werden. Und sie profitieren schon gar nicht davon, wenn man jede Kritik reflexartig als Ausdruck eines Vorurteils abtut. Solange Lehrkräfte Kindern Perspektiven eröffnen, ist meiner Meinung nach noch nichts verloren. Integration beginnt in der Schule, und genau dort müssen wir sie auch mit allen Mitteln verteidigen.

Susanne Wiesinger: Gebt unseren Kindern eine Chance!

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