Wohnkosten in Österreich: Wer zahlt am meisten?

Rund die Hälfte der heimischen Haushalte wohnt zur Miete – das ist kein Zufall. Der Wohnungsmarkt ist stark reguliert. Trotzdem zeigen jüngste Daten steigende Wohnkosten in Österreich für Mieter sowie Eigentümer.

Illustration zu Wohnkosten in Österreich: eine Mauer bestehend aus Ziegeln, die zum Teil aus Gold bestehen. Darauf liegt eine Maurerkelle.
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Auf den Punkt gebracht

  • Eigentum. In Österreich besitzen rund 48 Prozent der Haushalte ihre Wohnimmobilie.
  • Regionen. In Wien liegt die Eigentumsquote bei etwa 20 Prozent, im Burgenland bei rund 67 Prozent.
  • Wohnkosten. Mieter geben im Schnitt 43 Prozent ihres Nettoeinkommens fürs Wohnen aus, Eigentümer mit Kredit etwa 41 Prozent.
  • Belastung. Im untersten Einkommensviertel fließt bei Mietern über die Hälfte des Einkommens in Wohnkosten.

Österreich gilt im internationalen Vergleich als Land mit einem besonders großen und sozial geprägten Mietwohnungssektor. Neue Zahlen geben einen Einblick in die Wohnsituation im Land: Bundesweit liegt der Anteil der Haushalte, die ihre Wohnimmobilie besitzen, bei etwa 48 Prozent. Doch die regionalen Unterschiede sind groß: Im Burgenland liegt die sogenannte Eigentumsquote bei 67 Prozent, in Wien sind es nur etwa 20 Prozent. 

Eigentumsverteilung verzerrt 

In der Bundeshauptstadt prägen Gemeindewohnungen und Genossenschaftswohnungen den Markt, deren Mieten gesetzlich geregelt sind. Anders als in vielen anderen Ländern ist lebenslanges Mieten in Österreich weit verbreitet. Anders als in vielen Ländern leben Haushalte hier oft lebenslang zur Miete – ohne soziales Stigma. Hohe Einkommensgrenzen für geförderte Wohnungen verhindern soziale Segregation.

Diese Struktur wirkt sich auf die Eigentumsbildung aus: Der Erwerb von Wohneigentum ist weniger geboten, weil langfristige Mietverhältnisse institutionell gut abgesichert sind. Deshalb überwiegt in vermögensstärkeren Haushalten das selbst genutzte Eigentum. Wohnungen über den Eigenbedarf hinaus gibt es vergleichsweise selten. Nur etwa zwölf Prozent der Eigentümer besitzen zusätzliche Immobilien – im internationalen Vergleich ein ausgesprochen niedriger Wert. Das liegt vor allem am sozialen Mietmarkt, der die Attraktivität privaten Vermietens verringert.

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Zahlen & Fakten

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Die Vermögensverteilung unterstreicht diese Unterschiede. Die ärmeren 40 Prozent der Haushalte besitzen kaum Vermögen, danach steigt es stark an. Die Hälfte aller Haushalte verfügt über ein Realvermögen von maximal 100.000 Euro, während der Durchschnitt bei rund 310.000 Euro liegt – ein Zeichen dafür, wie stark hohe Vermögensbestände, meist getrieben von Immobilien, den Schnitt heben.

Niedrige Schulden 

Mehr als zwei Drittel der Haushalte haben keine Schulden – rund 30 Prozent sind verschuldet, und bei der Hälfte der verschuldeten Haushalte sind Kredite mit dem Wohnsitz besichert, dessen Wert über die Zeit meist stabil geblieben ist. Für Eigentümer bedeutet das: Viele haben Wohneigentum mit vergleichsweise solider Finanzierung. Nicht selten ist diese noch gestützt durch Familienvermögen, hier spielen Erbschaften und Schenkungen eine wachsende Rolle.

Der hohe Leerstand bedeutet eine beachtliche Reserve, die zur Entlastung des Wohnungsmarkts beitragen könnte.

Der Anteil der Haushalte, die geerbt oder größere Schenkungen erhalten haben, stieg von 35 Prozent im Jahr 2010 auf 41 Prozent im Jahr 2023. Die durchschnittliche Erbschaft oder Schenkung beträgt rund 315.000 Euro – ein Wert, der deutlich über jenem der Hälfte aller Erbfälle liegt.

Großer Leerstand

Wie verhält es sich mit zusätzlichen Wohnungen? Österreich hat relativ wenige private Vermieter. Nur eine Minderheit der Mehrfacheigentümer vermietet ihre zusätzlichen Wohnungen formal, und rund ein Viertel der zusätzlichen Wohnungen wird an Nicht-Haushaltsmitglieder vermietet. Etwa 19 Prozent werden Dritten kostenlos überlassen, rund 13 Prozent stehen leer. Ein weiteres Drittel wird als Wochenend- oder Ferienobjekt genutzt.

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Der hohe Leerstand bedeutet eine beachtliche Reserve, die zur Entlastung des Wohnungsmarkts beitragen könnte. Häufigster Grund, Objekte nicht zu vermieten, ist die geplante Weitergabe an Familienmitglieder. Zweitwichtigster Grund – den rund ein Zehntel der Eigentümer angibt – sind die als zu niedrig empfundenen Erträge, insbesondere bei regulierten Altbauten. 

Unterschiede bei Wohnkosten in Österreich

Die markantesten Unterschiede zwischen Mieten und Eigentum zeigen sich bei den laufenden Wohnkosten. Im Schnitt geben Haushalte etwa 33 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens fürs Wohnen aus. Dies ist ein Anstieg um vier Prozentpunkte gegenüber 2014.

Für Mieter liegt die Belastung höher: 2023 betrug sie – inklusive Betriebskosten und Energie – im Durchschnitt 43 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens. Selbst die Wohnkosten von Eigentümern, die einen Kredit zurückzahlen, sind niedriger – sie betragen im Schnitt 41 Prozent des Haushaltseinkommens.

Kostendruck gestiegen

Besonders stark betroffen sind einkommensschwache Mieterhaushalte: Im untersten Einkommensviertel fließt mehr als die Hälfte des Haushaltseinkommens in die Wohnkosten. Demgegenüber zahlen Mieterhaushalte im obersten Einkommensviertel im Schnitt nur 27 Prozent ihres Monatseinkommens. Auch die Einkommensunterschiede zwischen Mietern und Eigentümern schlagen hier durch: Mieterhaushalte verfügen durchschnittlich über etwa 2.600 Euro netto im Monat, Eigentümerhaushalte über rund 3.700 Euro. Entsprechend ist der Wohnkostenanteil bei Eigentümern niedriger.

Geförderte Mietverhältnisse dämpfen die Belastung im Vergleich mit dem Durchschnitt der Mieter etwas, können aber den Trend steigender Wohnkostenanteile gerade für Haushalte mit geringen Einkommen nicht ganz kompensieren.

Für Haushalte bedeutet das: Mieten bietet in Österreich oft eine stabile, leistbare Option, vor allem im geförderten Segment. Gleichzeitig spüren einkommensschwache Mieter die zuletzt deutlich gestiegenen Wohn- und Energiekosten am stärksten. Abgezahltes Eigentum schützt häufiger vor hohen Wohnkosten.

Die von der Autorin zum Ausdruck gebrachte Ansicht gibt nicht notwendigerweise den offiziellen Standpunkt der Oesterreichischen Nationalbank oder des Eurosystems wieder.

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Conclusio

Wohnsituation. Österreich hat einen großen sozialen Mietsektor, eine niedrige Eigentumsquote von rund 48 Prozent und starke regionale Unterschiede; Vermögen ist stark immobilienbasiert, und Mieter – vor allem mit geringen Einkommen – tragen dennoch die höchste relative Wohnkostenbelastung.

Ungleichheit. Viele Menschen wohnen zwar langfristig sicher zur Miete, doch einkommensschwache Haushalte können kaum Vermögen aufbauen und leiden überproportional unter steigenden Wohn- und Energiekosten. Leerstand wird teilweise mit geringen Erträgen begründet.

Anreize. Der stark regulierte Wohnungsmarkt in Österreich senkt indirekt den Anreiz, Eigentum zu erwerben. Abbezahlter Wohnraum bietet jedoch den besten Schutz vor steigenden Wohnkosten.

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