Ein Jahr Krieg. Wie lange noch?
Putin setzt das New Start-Abkommen aus und sieht die staatliche Existenz Russlands bedroht: Ein Jahr Ukraine-Krieg, und die Lage ist so düster wie lange nicht. Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Gerhard Mangott.
Dieser Krieg ist Putins Krieg, erklärt der Politikwissenschaftler Gerhard Mangott im Podcast: Diese Tatsache macht es unwahrscheinlich, dass der Krieg bald endet. Im Gegenteil: Allein um die Krim zu halten, sei Putin bereit den Krieg zu eskalieren und taktische Nuklearwaffen einzusetzen, erläutert Mangott.
Der Podcast
Die nukleare Drohung
In seiner Rede am 21. Februar 2023 hat Putin so deutlich wie nie damit gedroht: „Es geht nun um die staatliche Existenz Russlands“, so seine Begründung. Eine Formulierung, die so auch in der russischen Nukleardoktrin als Begründung für einen Einsatz steht. Auch die Ankündigung Putins das New Start-Abkommen aussetzen zu wollen, ist aus dieser Perspektive eine ernst zu nehmende Drohung, so der Politikwissenschaftler. Bislang habe man das Risiko der nuklearen Gefahr eher klein geredet und damit ein nicht unerhebliches „Restrisiko“.
Ausschaltung der Opposition
Die Repressionen gegen die Opposition in Russland in den vergangenen drei Jahren waren bereits eine Vorbereitung auf diesen Krieg. Jetzt sind die Infrastrukturen der Opposition zerstört, politische Führer inhaftiert, jeglicher Protest gegen den Krieg wird unterdrückt und mit Gewalt beantwortet. „Es ist extrem riskant, zu protestieren. Es drohen Haftstrafen bis zu 15 Jahren.“
Medien unter der Repressionswalze
Wie lang wird der Krieg also noch dauern und wird er eskalieren? Gerhard Mangott verweist auf die Notwendigkeit, die Ukraine technologisch zu unterstützen. Die Lieferung von Kampfpanzern verlaufe zu schleppend, meint Mangott. Er rechnet nicht mit einer baldigen Wende im Ukraine-Krieg, denn derzeit gäbe es nicht einmal eine Chance für Verhandlungen für einen Waffenstillstand. Nicht zu vergessen sei nämlich das Ziel Putins, den ukrainischen Staat auszulöschen.
Über Gerhard Mangott
Gerhard Mangott ist Politikwissenschaftler und Professor für Politikwissenschaft mit der Spezialisierung auf Internationale Beziehungen und Sicherheitsforschung im post-sowjetischen Raum an der Universität Innsbruck. Er hat für den Pragmaticus eine Analyse des Systems Putin geschrieben.