„Das Beste aus zwei Welten“

Josef Braunshofer, Geschäftsführer von Berglandmilch, mischt Kuhmilch mit Haferdrink für Gesundheitsbewusste. Im Interview erklärt der Agrar-Unternehmer, was hinter der ungewöhnlichen Kreation steckt.

Ein Glas vor schwarzem Hintergrund wird mit Milch gefüllt. Hafer liegt um das Glas herum gestreut.
Die traditionelle Molkerei Berglandmilch wagt sich an pflanzliche Alternativen zu Kuhmilch heran. © Getty Images

Für Molkereibetriebe ist der neue Trend zu Pflanzendrinks eine Herausforderung. Berglandmilch, der größte Milchverarbeiter Österreichs, hat die Herausforderung angenommen und seine Produktpalette mit Getreidedrinks erweitert. Die Zielgruppe sind vor allem ernährungsbewusste Frauen. Josef Braunshofer, Geschäftsführer von Berglandmilch, sieht im neuen Drink eine Verbindung von Neuem und Traditionellem.

Warum macht eine Molkerei Hafermilch?

Josef Braunshofer: Unsere Produktinnovation heißt „Hafer & Milch“ und ist das Ergebnis einer aufmerksamen Marktbeobachtung. Wir von Berglandmilch sind immer bereit, auf neue, vielversprechende Trends aufzuspringen. Vor allem probieren wir gern Neues aus. Mit unserem Mix aus 51 Prozent Milch und 49 Prozent Hafer haben wir ein Produkt geschaffen, das das Beste aus zwei Welten verbindet. Milch ist seit jeher eine wertvolle Eiweißquelle und enthält wichtige Mineralstoffe wie zum Beispiel Kalzium, Magnesium und Vitamine. Vom Hafer wiederum kommen die Beta-Glucane, die erwiesenermaßen eine positive Wirkung im menschlichen Stoffwechsel haben. Und „Hafer & Milch“ schmeckt gut, ungefähr so wie die Milch, die beim Müsli in der Schüssel übrig bleibt. Das Produkt ist seit zwei Jahren auf dem Markt, die Verkaufszahlen steigen nach wie vor. Es ist vor allem bei Frauen sehr beliebt.


Springen Sie damit nicht auf einen Trend auf, der langfristig das Molkerei-Geschäft gefährdet?

Ganz und gar nicht. Ich bin zu hundert Prozent ein Milchanhänger und habe volles Verständnis für die EU-Entscheidung, die den Herstellern von Pflanzendrinks verbietet, diese Milch zu nennen. Ich vergleiche die Problematik gerne mit der Fahrzeugwelt. Ein Auto fährt, weil es vier Räder hat. Es gibt aber auch Vehikel, die mit zwei Rädern fahren. Das sind aber dann eben keine Autos, sondern zum Beispiel Fahrräder. Ich würde sogar so weit gehen, zu behaupten, dass eine gleiche Benennung von Milch und Pflanzendrinks eine Irreführung wäre. Produkte müssen für jene, die sie konsumieren, eindeutig deklariert sein. Berglandmilch ist eine Genossenschaft im alleinigen Eigentum von rund 9.000 Milchbäuerinnen und bauern. Sie produzieren nicht nur Milch, sondern bauen auch den Hafer für unsere Pflanzendrinks an. Den Hafer beziehen wir somit ausschließlich aus österreichischer Landwirtschaft. Insofern sind neue Produktkategorien auch neue Absatzmärkte. Wir haben uns übrigens sehr bewusst gegen Soja, Reis oder Mandeln entschieden, denn wir wollten – so wie bei der Milch – auch bei pflanzlichen Produkten hundertprozentig regional bleiben.

Foto von Berglandmilch-Geschäftsführer Josef Braunshofer an seinem Schreibtisch.
Josef Braunshofer, Chef von Berglandmilch, will mit einem neuen Getränk aus Milch und Hafer aus Österreich die Kunden überzeugen. © Berglandmilch


Wie viel Aufwand erfordert so eine neue Produktlinie?

Für die Herstellung der Haferkomponente mussten wir eine neue Produktionslinie anschaffen – das war tatsächlich Neuland für uns. Wir können diese neuen Maschinen jetzt aber auch vielfältig nutzen – etwa um Dinkeldrinks herzustellen. Die Abfüll- und Verpackungsmaschinen sind auch für Pflanzendrinks einsetzbar. Unsere Produkte sind drei Monate haltbar, das ist für unsere Vertriebspartner entscheidend. Wir füllen außerdem umweltfreundlich in Mehrwegflaschen ab. Prinzipiell muss Ernährung abwechslungsreich sein. Deshalb ist Milch auch in Zukunft unverzichtbar. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt.