Österreichs Energieversorgung in Krisenzeiten

Die Blockade der Straße von Hormus zeigt, wie verwundbar Österreichs Energieversorgung durch die starke Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten aus dem Ausland ist. Der Energieexperte Christoph Dolna-Gruber erklärt, wie Österreich unabhängiger werden kann.

Ölraffinerie und Pipeline. Das Bild illustriert einen Artikel über Österreichs Energieversorgung.
Den Hahn aufdrehen: Woher Öl und Gas für Österreich kommen. © Getty Images

„Wir sprechen noch nicht von einem Mangel, sondern von einer Knappheit.“
Wenn Christoph Dolna‑Gruber so einen Satz sagt, hört man besser genau hin. Der Stratege der Österreichischen Energieagentur analysiert seit über 15 Jahren, wie sicher unsere Energieversorgung wirklich ist – und warum Europa in der aktuellen Krise verletzlicher ist, als vielen lieb ist.

In dieser Folge des Pragmaticus-Podcasts erklärt Dolna‑Gruber, warum die derzeitige Lage laut IEA‑Chef Fatih Birol „größer ist als die Ölkrisen der Siebziger“ – und was das konkret für unseren Alltag bedeutet. Er führt uns entlang der versteckten Lebensadern unserer Volkswirtschaft: von den Ölfeldern in Tengiz über russisches Staatsgebiet, durch verwundbare Meerengen bis zu einem einzigen Pipeline‑Rohr, von dem Österreichs Energieversorgung abhängt.

Wie dünn ist dieses Sicherheitsnetz wirklich? Dolna‑Gruber spricht über Zahlen, die aufhorchen lassen: den Anteil importierter Energieträger, die Reichweite der strategischen Reserven, den Stellenwert von Öl im heimischen Energieverbrauch. Doch er zeigt auch, wo die Spielräume liegen – und weshalb es ein Unterschied ist, ob Milliarden für fossile Importe ins Ausland gepumpt oder im eigenen Energiesystem investiert werden.

„Alles, was wir aus dem eigenen Boden holen oder selbst erzeugen, macht uns unabhängiger“, sagt er – und bestätigt damit die Forderung des Politologen Ralph Schöllhammer, der im Pragmaticus die Intensivierung der Öl- und Gasförderung in Europa fordert und rechnet vor, welchen Beitrag europäisches Gas, Biomethan, Wasserstoff und der rasante Ausbau von Wind- und Solarstrom leisten können. Gleichzeitig warnt er davor, sich auf einfache Antworten zu verlassen: Batterien lösen nicht jede Dunkelflaute, Kernkraft jedes Versorgungsproblem und Spritpreisbremsen keine strukturelle Abhängigkeit.

Wie teuer wird Energie in Zukunft wirklich? Wie viel Risiko sind wir bereit zu tragen, nur damit an der Zapfsäule kein politischer Sturm losbricht? Und wie könnte ein Europa aussehen, das seine Energieversorgung nicht mehr bei unkalkulierbaren Akteuren einkaufen muss?
Die Antworten fallen differenzierter aus, als Schlagzeilen vermuten lassen – und genau deswegen lohnt es sich, zuzuhören.

Ein Podcast über Österreichs Energieversorgung

Mit dem Laden des Inhalts akzeptierst du die Datenschutzerklärung von Spreaker.

Wenn man die Effizienzen eines Elektroautos vergleicht oder einer Wärmepumpe mit den konventionellen Varianten, dann kommt man drauf, dass dieselbe Energiedienstleistung mit einem Drittel der Energie auch machbar ist.

Christoph Dolna-Gruber

Über Christoph Dolna-Gruber

Mag. Christoph Dolna-Gruber leitet die Abteilung für Strategy & Business Development in der Österreichischen Energieagentur. Er hat in Eisenstadt (FH Burgenland), Brüssel (EHSAL Management School) und Wien (FH Technikum Wien) studiert und einen akademischen Hintergrund in Betriebswirtschaft und Energietechnik. Den nationalen und den internationalen Energiemarkt hat er seit rund 15 Jahren im Blick.

Möchten Sie mehr hören? Sie finden alle bisherigen Folgen hier.

Mehr zum Thema

Unser Newsletter