Energie-Umfrage: Mehrheit für Windkraft im eigenen Hinterhof

Versorgungssicherheit bei Energie hat für die Österreicher oberste Priorität. Die dafür notwendigen Investitionen stoßen aber auf Widerstand, wie unsere neue Energie-Umfrage zeigt.

Illustration für eine Energie-Umfrage in Österreich. Eine Donut-Grafik in deren Mitte der Pragmaticus persönlich hervorschaut und ein Mikrofon hält, dessen Windschutz, die schwarze Kugel an der Spitze, gleichzeitig der Punkt unter einem Fragezeichen ist.

Benzin und Diesel kosten um die zwei Euro pro Liter, die Heizkosten bleiben hoch, Flüge sind für viele kaum mehr leistbar – die Energiekrise bereitet den Österreichern weiterhin große Sorgen. Dennoch zeigt sich ein gespaltenes Meinungsbild, wenn es um die Abwägung zwischen Klimazielen und Versorgungssicherheit geht. Das ergab eine aktuelle Umfrage von Unique Research im Auftrag des Pragmaticus.

Vier von Fünf Österreichern sagen, dass sie von den hohen Energiepreisen betroffen sind. Über ein Drittel fühlt sich sogar „sehr betroffen“. Aber wie soll man der Krise Herr werden, beziehungsweise sich für künftige Schocks wappnen?

Ergebnisse der Energie-Umfrage

Wo sollte die Politik Prioritäten setzen? Immerhin befürworten 42 Prozent der Befragten, heimische Öl‑ und Gasvorkommen stärker zu nutzen. Eine knappe absolute Mehrheit spricht sich jedoch dafür aus, erneuerbare Energien auszubauen – selbst wenn die Energieversorgung dadurch teurer und unsicherer würde. Den größten Zuspruch genießen die Klimaziele bei den 16‑ bis 29‑Jährigen. Auffällig ist zudem der soziale Graben: 18 Prozent jener, die von den hohen Energiepreisen weniger betroffen sind, sehen den Klimaschutz als vorrangig an – unter den stark Betroffenen sind es nur neun Prozent.

Niedrigste Priorität Klimaschutz

Versorgungssicherheit bei Energie hat für die Österreicher die höchste Priorität, gefolgt von niedrigen Kosten und Unabhängigkeit vom Ausland. So betrachtet rutsch der Klimaschutz auf den abgeschlagenen vierten Platz, nur 12 Prozent sehen ihn in der Energiepolitik als vorrangig. Selbst in der jüngsten Gruppe, steht Sicherheit vor Klima.

Nein zu Atom

Die Ablehnung von Atomstrom bleibt in Österreich fester Teil der Meinungslandschaft. Selbst unter der unrealistischen Annahme, dass Österreich mit dem Betrieb eines Atomkraftwerks „vollständig Energieunabhängig“ wäre, lehnen fast 60 Prozent der Befragten den Bau eines Kernkraftwerks ab. Unter den Jungen ist die Ablehnungsrate mit 48 Prozent am geringsten.

Windräder erwünscht

Vier von fünf Österreichern befürworten den Ausbau der Windkraft. Das mag zunächst überraschen, wenn man bedenkt, dass in vier Bundesländern de facto keine neuen Anlagen errichtet wurden. Das Stichwort – beziehungsweise Akronym – dazu lautet NIMBY und steht für „Not In My Backyard“, also „nicht in meinem Hinterhof“. Gemeint ist damit die Haltung jener, die eine Maßnahme grundsätzlich unterstützen, solange sie die möglichen Nachteile nicht selbst tragen müssen.

Doch trifft dieser Befund bei der Windkraft überhaupt zu?

Windräder im Blick

Konkret gefragt, ob sie auch Windräder in ihrer unmittelbaren Umgebung befürworten würden, antworten dennoch 72 Prozent mit Ja. Das NIMBY‑Argument verfängt also zumindest dann nicht, wenn es um Mehrheitsmeinungen geht. Möglicherweise greift hier ein anderer, wohlbekannter Mechanismus aus der politischen Ökonomie: „Minority Capture“ – also die Vereinnahmung politischer Entscheidungen durch eine Minderheit. Wenn sich wenige, aber stark engagierte Gegner eines Projekts organisieren und gezielt Druck auf die Politik ausüben, reicht das oft aus, um eine weniger mobilisierte Mehrheit zu übertrumpfen.

Einmal volltanken bitte!

Eingriffe des Staates in die Preise sind in Österreich immer mehr en vogue. Die Unterstützung der Bevölkerung dafür ist gegeben: 65 Prozent befürworten es, dass der Staat mit Steuermittel die Tanker bezuschusst.

Die Daten zeigen ein vertrautes Muster, sagt Meinungsforscher Peter Hayek: „Fast alle sind von den hohen Energiepreisen betroffen, die Österreicher haben klare Erwartungen – aber wenig Bereitschaft zur Konsequenz. Versorgungssicherheit hat Priorität, Unabhängigkeit ebenso.“ Das sei ein politisches Dilemma, denn all diese Ziele gleichzeitig zu erreichen, wäre schlicht nicht möglich, betont der Politologe, denn: „Wer Versorgungssicherheit will, muss Infrastruktur bauen. Gleichzeitig ist man gegen Atomkraft und – in geringerem Ausmaß – gegen Öl- und Gasförderung im Land.“

Das ist weniger paradox, als es auf den ersten Blick scheint, erklärt Hayek: „Die Bevölkerung denkt in Zielbildern, nicht in Zielkonflikten. Hier müsste die Politik ehrlich sagen, was geht und was nicht. Solange aber jede Maßnahme mit der Erwartung verbunden ist, dass die Kosten dafür jemand anderer übernimmt, kann es keine Veränderungen geben.“

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