Schuldenblase: 4 Gründe, Erspartes abzusichern

Eine stetig anschwellende Schuldenblase droht zu platzen, geopolitische Krisen bringen das Finanzsystem zusätzlich in Bedrängnis. Überlebt der Dollar als Leitwährung? Zerlegt es den Euro? Drohen Enteignungen?

Die Illustration zeigt einen Dollar-Schein, der sich in rechteckige Pixel auflöst. Um ihn herum schweben Euro-Symbole, die ebenfalls fragmentiert sind. Das Bild illustriert einen Artikel darüber, wie Schuldenblase und geopolitische Krisen unser Finanzsystem in Bedrängnis bringen.
Hohe Schulden belasten Staatsfinanzen, Währungen und Sparer. © Benedetto Cristofani
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Auf den Punkt gebracht

  • Weltunordnung. Machtverschiebungen, Kriege und Handelskonflikte sorgen für anhaltende Unsicherheit und erhöhen die Krisenanfälligkeit der Weltwirtschaft.
  • Dollar-Strategie. Der Dollar bleibt Leitwährung, wird durch Stablecoins gestützt – die strukturellen US-Schuldenprobleme werden damit aber nur vertagt.
  • Schuldenblase. Hohe Staatsverschuldung bei gleichzeitig schwachem Wachstum macht viele Länder extrem krisenanfällig.
  • Risiko für Vermögen. Finanzielle Repression, Inflation oder Schuldenschnitte sind mögliche Mittel der Politik – mit hohen Kosten für Sparer.

Krieg in Europa, Handelsstreitigkeiten, der stetige wirtschaftliche und technologische Abstieg des Kontinents, das drohende Platzen der KI-Blase an den Aktienmärkten und öffentliche Schulden, die Staaten dies- und jenseits des Atlantiks ebenso angreifbar wie erfinderisch machen: Da braut sich gerade einiges zusammen, weshalb sich Anleger völlig zu Recht Sorgen machen. Tatsächlich sollten wir uns darauf einstellen, dass es früher oder später zu schweren Schocks kommt oder gar zu staatlichen Angriffen auf private Vermögen – ob diese nun als kleine Reserven am Sparbuch liegen, als große Investments an den Börsen gehandelt werden oder in Immobilien stecken.

Die neue Weltunordnung

Wir befinden uns in einer Phase, in der die seit dem Zweiten Weltkrieg von den USA gesicherte Weltordnung von China bekämpft wird. So wie Deutschland Anfang des 20. Jahrhunderts die Pax Britannica herausgefordert hat, greift China nun die Pax Americana an. Während aber China mit Russland, dem Iran, Nordkorea und vielen anderen Staaten verlässliche Verbündete hat, steht der Westen nicht fest zusammen. Das sorgt für Verunsicherung.

Die Situation ist recht aufgeladen, es kann jederzeit zu einer militärischen Eskalation kommen. Im Südchinesischen Meer etwa versuchen chinesische Marineschiffe immer wieder, Boote der philippinischen Küstenwache abzudrängen oder zu rammen; der russische Aggressionskrieg gegen die Ukraine tobt unvermindert weiter. Dazu kommt die Unsicherheit über die Rolle der USA und ihre Bereitschaft, das liberale Wertesystem des Westens global zu verteidigen.

Seit Beginn der zweiten Amtsperiode von Donald Trump hat sich die Politik Washingtons grundlegend geändert: Die Ankündigung der USA zur Einführung hoher Strafzölle am sogenannten Liberation Day im April 2025 war ein klares Zeichen für den neuen Kurs Washingtons. Diese Zollpolitik richtet sich wahllos gegen Freund und Feind. Was allein zählt, ist die Stärkung des eigenen Landes. Welche Methode Trump anwendet, richtet sich allein nach der Verhandlungsmacht des jeweiligen Visà-vis. Solche Manöver haben nicht nur Auswirkungen auf den Handel.

Währungskrieg: Bleibt der Dollar Leitwährung?

Zu Beginn sah es so aus, als würde damit die Abkehr von der Reservewährung Dollar eingeleitet. Mittlerweile sind diese Anzeichen weitgehend verschwunden. Dazu beigetragen hat der GENIUS Act. Dieser Name steht für „Guiding and Establishing National Innovation for U. S. Stablecoins Act“ – und wer immer dieses Akronym kreiert hat, war genial. Denn er wusste, dass Donald Trump ein Papier namens GENIUS Act jedenfalls unterschreiben wird.

Kern des Gesetzes sind Stablecoins, eine Kryptowährung, die sich allerdings fundamental von Bitcoin und anderen digitalen Zahlungsmitteln unterscheidet. Denn: Jeder ausgegebene Stablecoin muss 1 zu 1 in Dollar getauscht werden. Konkret muss die Währung zu 100 Prozent durch US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit gedeckt sein, die verzinst sind. Das heißt, dass man via Stablecoin indirekt überall auf der Welt mit Dollar zahlen kann. Kapitalverkehrskontrollen und andere Beschränkungen werden komplett umgangen. So kann beispielsweise ein reicher Chinese sein Vermögen problemlos ins Ausland schaffen. Das ist auch der Grund, warum sich China so vehement gegen Stablecoins wehrt. Und der GENIUS Act zeigt, wie innovativ die Amerikaner Regulierung einsetzen. Mit ihm haben sie in kurzer Zeit den Status des Dollars als wichtigste Reservewährung gesichert.

Deshalb sind die Bestrebungen von China und Russland im Verbund mit Ländern des globalen Südens, den Dollar zurückzudrängen, auch nicht sehr aussichtsreich. Warum sollte beispielsweise Südafrika seine Ölimporte künftig in Rubel anstatt in Dollar bezahlen? Und falls es dennoch zu Angriffen auf den Status der Leitwährung kommt, wissen sich die USA zu wehren. Wir haben schon gesehen, dass Trump Strafzölle für Länder angedroht hat, die den Dollar als Leitwährung infrage stellten.

Kartenhaus: Platzt die Schuldenblase?

Die Schuldenstände haben weltweit ein alarmierendes Niveau erreicht. Die USA, China und viele europäische Länder stehen unter massivem Druck. Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Dramatik: Japan hat mit rund 250 Prozent des BIP die höchste Schuldenquote der Welt. Die USA stehen bei 125 Prozent, während die Eurozone insgesamt bei 90 Prozent liegt (Österreich bleibt knapp darunter). Innerhalb der G7-Staaten ist Deutschland die einzige Nation, die noch eine relativ erträgliche Schuldenquote hat. Der Schlüssel, um die Tragfähigkeit der Schulden zu sichern, ist Wachstum. Doch in vielen entwickelten Volkswirtschaften stagniert die Wirtschaft, während die Schulden weiter steigen.

Japan ist dafür ein besonders plakatives Beispiel. Zu den hohen Schulden kommt das demographische Problem einer alternden, schrumpfenden Bevölkerung. Mit dem Anstieg der Zinsen auf Staatsanleihen auf mickrige zwei Prozent werden die riesigen Schulden schnell zu einem Gefahrenherd, der in einen Crash münden kann.

Die USA wiederum suchen ihr Heil in der Ausgabe von Stablecoins, doch letztlich dient das nur der Refinanzierung des Staatshaushalts und verschiebt das Problem der zu hohen Verschuldung auf später. Sollten die USA wegen Zweifeln an der Bedienung ihrer Schulden ins Gerede kommen, dann funktioniert dieses System auch nicht mehr. Das Dollar-Problem ist dafür über die ganze Welt verteilt, was ein wenig an ein Kartenhaus erinnert.

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Zahlen & Fakten

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Sanierungsversuche: Drohen Enteignungen?

So gesehen gibt es einige Faktoren, die für eine neue Finanzkrise sprechen. Auf der anderen Seite bestehen aber auch Möglichkeiten, die Probleme im Kern anzugehen – entweder durch Wachstum oder durch die Senkung der Staatsausgaben. Anders als Steuererhöhungen wirken sich Einsparungen nicht negativ auf die Wirtschaftsleistung aus. Wichtig wäre vor allem eine Senkung der Sozialausgaben.

Gelingt das nicht, gibt es verschiedenste Vorgangsweisen, die Budgets auf Kosten der Sparer zu entlasten. Die Politik ist da sehr erfinderisch, das hat die Geschichte immer wieder gezeigt. Eine Methode heißt Financial Repression: Werden Zinsen künstlich unter der Inflationsrate gehalten, können Staaten ihre Schulden einfach weg inflationieren. Die Situation in Japan in den letzten Jahren ist ein gutes Beispiel dafür. Financial Repression ist auch gerade in den USA eine naheliegende Variante, um den Staatshaushalt zu sanieren. Und auch in Europa gab es in langen Phasen nach der Finanzkrise ebenfalls negative Realzinsen.

Es gibt einige Faktoren, die für eine neue Finanzkrise sprechen.

Immerhin haben die Anleger in solchen Situationen die Möglichkeit, in andere Vermögenskategorien wie Aktien oder Immobilien umzusteigen. Man muss sein ganzes Geld ja nicht in festverzinsliche Anlagen stecken.

In schweren budgetären Notlagen kam es freilich auch schon zu viel drastischeren Maßnahmen wie Schuldenschnitten oder Enteignung von Sparern, zuletzt in Griechenland und in Zypern im Zuge der Eurokrise. Historisch waren auch Währungsreformen eine beliebte Art, sich des Schuldenrucksacks zu entledigen. Solch harte Schnitte sind heute – zumindest in den Industriestaaten – schwer vorstellbar, man kann sie aber nicht ausschließen.

In den USA wurden vor rund einem Jahr Konzepte von Trump-Beratern für einen nicht ganz freiwilligen Umtausch von hoch verzinsten in niedrig verzinste Staatsanleihen publik, die als Mar-a-Lago Accords berühmt und berüchtigt wurden. Gerade noch rechtzeitig ist den Experten aufgefallen, dass so eine Umschuldung die Frühform einer Staatspleite wäre, ein sogenannter Credit-Event. Das hätte dramatische Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten. Ich rechne eher damit, dass die USA von allem ein bisschen machen, um die Budgetsituation zu verbessern, aber keinen Schuldenschnitt. Letzterer kann aber für hoch verschuldete Schwellenländer durchaus eine Versuchung sein.

Wir müssen uns im Klaren sein, dass Schuldenschnitte, Hyperinflation oder andere drastische Maßnahmen äußerst negative Auswirkungen auf die eigene Bevölkerung hätten; besonders auf Menschen, die ohnehin schon arm sind.

Ansteckungsgefahr: Zerlegt es den Euro?

Auch wenn die finanziellen Verpflichtungen in der Währungsunion niedriger sind als in den USA und viel niedriger als in Japan, ist die Lage in der Eurozone fragil. Nach der Finanzkrise 2008 hat sich gezeigt, wie schnell der Infarkt eines einzigen, nicht einmal besonders bevölkerungsreichen Landes – Griechenland – andere anstecken kann.

Derzeit besteht das Risiko, dass Frankreich mit seinen stark wachsenden Schulden die Eurozone insgesamt nach unten ziehen und neue Turbulenzen verursachen wird. Der französische Schuldenberg ist von 95 Prozent des BIP im Jahr 2015 auf derzeit 115 Prozent des BIP hochgeschnellt. Dazu kommt die politische Instabilität mit ständig neuen Regierungen und die Schwächung von Präsident Emmanuel Macron, der mittlerweile eine „lame duck“ ist.

Frankreich könnte mit seinen stark wachsenden Schulden die ganze Eurozone nach unten ziehen.

Allerdings gibt es auch einen positiven Aspekt in der Eurozone: Frankreich hat bis dato andere Länder der Währungsunion nicht angesteckt; ein Dominoeffekt wie in den Jahren ab 2010 ist nicht in Sicht.

Doch man sollte die Dynamiken nicht unterschätzen, die eine Finanzkrise auslösen: Eine schlechte Nachricht über den Staatshaushalt lässt die Zinsen nach oben gehen, weil Anleger kalte Füße bekommen. Dann folgt die Herabstufung der Bonität durch eine Ratingagentur, worauf die Zinsen weiter steigen und sich noch mehr Investoren verabschieden.

Solche Spiralen haben wir schon einmal erlebt. Deswegen ist es sehr wichtig, dass Frankreich einen Sinneswandel hinlegt und Reformen und Einsparungen konsequent durchzieht.

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Conclusio

Crash-Gefahr. Anleger sollten sich bewusst sein, dass geopolitische Spannungen, explosive Staatsverschuldung und hohe Bewertungen an den Aktienmärkten Gefahren bergen. Vor allem die hohen Schulden könnten Schocks auslösen.

Schuldenblase. Trotz seiner Dominanz steht der Dollar wegen der hohen US-Schulden unter Druck. Initia tiven wie Stablecoins stabilisieren kurzfristig den Dollar, lösen aber nicht die strukturellen Probleme und globalisieren das Risiko.

Euro-Ängste. Länder wie Frankreich erhöhen mit hoher Verschuldung und politischer Instabilität das Risiko neuer Finanzkrisen. Die EZB hat die Probleme verschleiert und die Anreize für notwendige Reformen reduziert.

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