Ein Jahr Trump in 7 Grafiken

Vor einem Jahr trat US-Präsident Donald Trump seine zweite Amtszeit an. Der Wahlkampf war von hoch gesteckten Zielen gekennzeichnet. Ein Blick auf die Zahlen zeigt, was ein Jahr Trump verändert hat.

Zum Thema Ein Jahr Trump: Eine schlichte Illustration von Donald Trumps ikonischem Haarschopf.

Geht es nach Donald J. Trump, hat er von seinem demokratischen Vorgänger ein Dritte Welt Land übernommen, das von marodierenden Banden geplagt, von anderen Staaten ausgenutzt und einer tiefen Wirtschaftskrise heimgesucht war. Sein Versprechen im Wahlkampf lautete: ein goldenes Zeitalter mit vielen neuen Jobs, Sicherheit – für legal im Land Lebende und ehrfürchtig folgsame Verbündete sowie eingeschüchterte Kontrahenten auf der Weltbühne. Tatsächlich hat Amerika keine schlechten Vorraussetzungen dafür, wie Politologe Ralph Schöllhammer festhält. Eine Bilanz der ersten 365 Tage mag politisch umstritten sein, aber die folgenden sieben Grafiken liefern eine Basis für eine Bewertung.

1. Das große Jobwunder?

Trump versprach, „der größte Job-Präsident zu werden, den Gott je geschaffen hat“. Die jüngsten Arbeitsmarktzahlen deuten nicht darauf hin: Die US-Arbeitslosenquote lag im Dezember 2025 bei 4,4 Prozent und damit nur knapp unter den 4,5 Prozent im November – dem höchsten Wert seit Oktober 2021. Wichtiger für viele Trump-Wähler ist die Frage, ob sich die Jobchancen für US-Geborene verbessert haben, nachdem infolge der schärferen Migrationspolitik rund 880.000 im Ausland geborene Arbeitskräfte weniger im Land sind. Doch die Arbeitslosenquote unter US-Geborenen stieg seit Dezember 2024 von 3,7 auf 4,1 Prozent. Von einem Jobwunder kann also keine Rede sein – der Arbeitsmarkt ist gleichwohl stabil und historisch gesehen gut: In den vergangenen drei Jahrzehnten lag die Arbeitslosenquote im Schnitt bei rund 5,7 Prozent.

2. Tariff-Man

Wie schon in seiner ersten Amtszeit setzte Donald Trump 2025 stark auf Zölle – als wirtschaftliches Instrument und als politischer Hebel. Am 2. April 2025 rief er den „Liberation Day“ aus und führte weitreichende Abgaben auf Importe ein. Ziel des Weißen Hauses war es, die Handelsbilanz deutlich zu verbessern: mehr Produktion im eigenen Land, weniger Importe. Im Fokus standen vor allem China als Hauptkonkurrent, aber auch die EU mit ihrem deutlichen Warenüberschuss gegenüber den USA.

Sechs Monate nach Einführung der Zölle fiel das monatliche US‑Handelsdefizit im Oktober auf den niedrigsten Stand seit Mitte 2009. Im Jahresvergleich dürfte das Defizit 2025 dennoch über dem Vorjahreswert liegen, schätzen Experten. Von einer ausgeglichenen Bilanz sind die USA weiterhin weit entfernt; die Zollpolitik könnte mittel‑ bis langfristig jedoch Wirkung entfalten. Viele Ökonomen halten Trumps Ansatz zwar für fragwürdig – doch, wie der Handelsexperte Harald Oberhofer anmerkt, liegt der Präsident auch in einem Punkt richtig.

3. Störfaktor Inflation

Die Teuerung hat die Wirtschaft zu Jahresbeginn wie zum Jahresende zum Top-Thema der Amerikaner gemacht. Hohe Preise und steigende Lebenshaltungskosten prägen das Stimmungsbild im Land. Was Trump 2024 noch zum Wahlsieg trug, belastet ihn inzwischen politisch: Die Sorge um Bezahlbarkeit dämpft seine Zustimmungswerte (siehe unten). Die Inflationsrate lag im Dezember 2025 gegenüber dem Vorjahr bei 2,7 Prozent – und damit auf Jahresschnitt.

Zölle wirken, wie Ökonomen betonen, tendenziell preistreibend. Das spiegelt sich in der Wahrnehmung vieler wider: Laut einer Umfrage vom November geben die meisten US-Bürger mehr für Lebensmittel und Nebenkosten aus und sehen Zölle als Belastung für ihre eigene finanzielle Lage. Gleichzeitig zeigt der Trend seit Mitte 2022 nach unten – in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels der US-Notenbank. Die Lage könnte sich im zweiten Amtsjahr Trumps weiter entspannen.

4. KI-Boom, aber sonst?

Die US‑Wirtschaft hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Anfang 2025 dämpfte die sich abzeichnende Zollpolitik Trumps das Wachstum: Viele Unternehmen zogen Importe vor und füllten ihre Lager – das belastete das BIP über den Außenhandel. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, legte die heimische Wirtschaftsleistung kräftig zu. Treiber waren jedoch vor allem massive Investitionen in Künstliche Intelligenz und Rechenzentren; Schätzungen zufolge gingen 80 bis 90 Prozent des Zuwachses darauf zurück. Das erklärt, warum der Durchschnittsbürger vom Boom der letzten Quartale wenig gespürt hat. Ob und wie stark diese Investitionswelle positive Effekte auf die übrige Wirtschaft entfaltet, ist offen.

Trump erhöhte zuletzt den Druck auf die US‑Notenbank, die Zinsen zu senken. Davon verspricht er sich mehr Wachstum und Entlastung für Haushalte mit Hypotheken. Der Schwung zum Jahresende hat die Prognosen für 2026 jedenfalls nach oben gezogen: Die Investmentbank Goldman Sachs rechnet zuletzt mit einem Jahresplus von 2,6 Prozent.

5. Grenzen dicht

Im Wahlkampf betonte der US‑Präsident unermüdlich, die US‑Grenzen – insbesondere zu Mexiko – seien offen; irregulären Einwanderern unterstellte er vielfach üble Absichten und eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit zu sein. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit setzte Trump ein Bündel von Maßnahmen um, damit weniger Migranten ins Land kommen. Der starke Rückgang der registrierten Grenzübertritte im Jahr 2025 spricht dafür, dass die verschärfte Grenz‑ und Asylpolitik in Verbindung mit regionaler Zusammenarbeit Wirkung zeigte.

6. Kampf den Drogen

Die Entführung und Festnahme des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro begründete Trump mit dessen angeblicher Rolle als Kartellführer: Über Venezuela würden Drogen in die USA geschleust, die Tausende Todesopfer durch Überdosierungen verursachen. Auch China wirft der US‑Präsident vor, die Produktion insbesondere des Opioids Fentanyl zu begünstigen, indem Vorprodukte unreguliert exportiert werden. Mit politischem Druck, strikter Migrationspolitik und militärischen Operationen gegen mutmaßliche Drogenschmuggler in der Karibik will das Weiße Haus das Drogenproblem eindämmen.

Der Trend ist positiv: Im August 2025 fielen die monatlichen Todesfälle durch Drogenüberdosierungen unter die Marke von 70.000. Damit liegt die Zahl wieder auf dem Niveau vor der Corona‑Pandemie, während der sie zeitweise auf rund 111.000 pro Monat anstieg. Die Trendwende setzte jedoch bereits Mitte 2023 unter Präsident Joe Biden ein. Experten sehen mehrere Ursachen dafür, dass die Opioid‑Krise allmählich abklingt; eine Studie weist darauf hin, dass der Export von Fentanyl‑Vorprodukten aus China tatsächlich zurückgegangen ist.

7. Ein Jahr Trump: Die Stimmung kippt

Die Bilanz von Trumps erstem Amtsjahr fällt gemischt bis positiv aus: Die Wirtschaft wächst solide, die Inflation ist zwar erhöht, aber rückläufig, der Arbeitsmarkt stabil. Beim Kernthema Migration demonstrierte Trump eine harte Linie gegen irreguläre Einwanderung. Gleichzeitig sind seine Zustimmungswerte deutlich gesunken: Laut Umfragen halten rund 40 Prozent den Präsidenten für insgesamt erfolgreich, etwa 55 Prozent sehen das anders. Gründe dafür: Die Zollpolitik wird vermehrt – und aus Sicht vieler zu Recht – als preistreibend wahrgenommen. Zudem verpuffen gute BIP‑Zahlen kommunikativ, wenn die Gewinne sich auf wenige Sektoren konzentrieren.

Ein weiterer Faktor: Trump hat die Biden‑Jahre – wie die Grafiken zeigen – als Katastrophe gezeichnet. Vor diesem Hintergrund wirken vollmundige Versprechen enttäuschend, selbst wenn es reale Fortschritte gibt, etwa bei der sinkenden Zahl der Drogentodesfälle. Jüngste Erfolge der Demokraten bei Lokalwahlen deuten auf einen Stimmungswandel bei Wechselwählern hin. 2026 stehen turnusgemäß Parlamentswahlen an – ein wesentlicher Stimmungstest für die Republikaner und Donald Trump, ob die MAGA‑Politik dauerhaft trägt.

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