Der Preis: Kipppunkt zur Rettung der Welt

Fossiles Verbrennen und Produzieren lohnt nicht mehr, da alles andere billiger ist, zum Beispiel synthetische Biologie. Ein Podcast mit Unternehmensberaterin Tara Shirvani.

Meereis an einer Küste in der Morgendämmerung.
Ein physikalischer Kipppunkt bei Horseshoe Island in der Antarktis im Februar 2023: In diesem Jahr hat sich das Abschmelzen der Eisschilde in der Westantarktis noch weiter beschleunigt. Der Verlust ist irreversibel und der damit unter anderem verbundene Anstieg der Meeresspiegel einer der Gründe, warum CO2-Emissionen rasch sinken müssen. © Getty Images

Ob Energie, Mobilität oder Produktion: In allen Bereichen ist es nun nicht nur möglich, dem fossilen Kohlenstoff Adé zu sagen, es ist auch unvergleichlich günstiger: Der Preis ist für die Investment- und Unternehmensberaterin Tara Shirvani der entscheidende Kipppunkt für die kommende radikale Wende in der Wirtschaft.

Zum Podcast

Die Kosten sinken exponentiell, nicht linear.

Viele Unternehmen, so Tara Shirvani, würden die Chancen einer nichtfossilen Wirtschaft und Produktionsweise unterschätzen. Sie riskierten damit, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren – nicht weil die Kunden wegbleiben, sondern weil fossile Energie und auf fossilem Kohlenstoff basierende Rohstoffe bald nicht mehr konkurrenzfähig sind. „Es fehlt manchmal nur ein bisschen Mut, sich auf die radikale Umstellung einzulassen.“

Zum Beispiel ergeben sich aus neuen Technologien wie der synthetischen Biologie oder dem 3D-Druck ganz neue Arten der Produktion: „Im Prinzip fallen die langen Lieferketten, die wir jetzt aus Kostengründen in Kauf nehmen, weg: Es wird günstiger sein, vor Ort zu produzieren“, argumentiert Shirvani.

Innovationen, die vor wenigen Jahren noch teuer waren, etwa die Veränderung von Erbgut, sind heute erschwinglich – zum Beispiel durch Verfahren wie Crispr oder die synthetische Biologie. Es muss schnell gehen: Um die physikalischen Kipppunkte nicht zu überschreiten, muss alles, was heute auf Verbrennung beruht, durch biologische Verfahrensweisen, die der Natur entlehnt werden, ersetzt werden. Die synthetische Biologie ist eine davon: „Wir haben nicht mehr viel Zeit, aber wir haben heute auch alle Chancen: Wir stehen an einem Kipppunkt zum Besseren.“

Über Tara Shirvani

Foto von Tara Shirvani in einem grünen Blazer. Tara Shirvani ist die Autorin eines Buchs, in dem es unter anderem um synthetische Biologie geht.
Tara Shirvani. © Shirvani

Tara Shirvani ist Unternehmensberaterin und auf Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und Klimainvestment spezialisiert. Sie ist eine Mitbegründerin der unter anderem von Sir David King ins Leben gerufenen Climate Crisis Advisory Group, die sich für technologische Lösungen einsetzt, die zu einer schnellen Entkopplung von fossilen Energieträgern und von Verbrennungsenergie führen. Shirvani ist die Autorin von Plastikfresser und Turbobäume, das 2023 im Verlag Edition A erschienen ist. Im Buch beschäftigt sie sich unter anderem mit den Möglichkeiten der synthetischen Biologie für eine Wirtschaft im Einklang mit den Grenzen der Natur. Shirvani ist außerdem Autorin des Pragmaticus.

Mehr Podcasts zum Thema

Mehr Klima-Technologie

Unser Newsletter