Wie man ein ganzes Land kauft

Donald Trump will den Dänen Grönland abpressen oder die Insel zumindest wirtschaftlich und militärisch unter US-Kontrolle bringen. Das entspricht den Gepflogenheiten seines Landes. In Europa waren die Methoden zur Gebietserweiterung mitunter brutaler. 

Bild zur Frage: wie expandieren Staaten? Menschen demonstrieren am 17. Januar 2026 in Nuuk, Grönland, vor dem US‑Konsulat gegen die Politik der US‑Regierung gegenüber Grönland. Im Vordergrund sind mehrere Protestierende mit Schildern zu sehen, im Hintergrund ein rotes Haus.
Mitte Jänner versammelten sich tausende Menschen vor dem US-amerika­nischen Konsulat in Nuuk, um gegen die Übernahme ihrer Insel durch die USA zu protestieren. © Getty Images
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Auf den Punkt gebracht

  • Ausdehnung. Große Eroberungen gehen in die Geschichte ein, aber wie expandieren Staaten sonst?
  • Kauf. Russland verkaufte 1867 Alaska für 7,2 Millionen Dollar, auch aus Angst vor einem militärischen Verlust.
  • Mitgift. In Europa erfolgten viele Erweiterungen durch Heirat unter Herrscherhäusern.
  • Deal verpasst. Österreich verlor 1866 Holstein und Venetien nach einer Fehleinschätzung gegen Preußen – ohne dafür Geld zu erhalten.

Trump will Grönland, ob gegen Geld oder mit Gewalt. Oder zumindest andere Vorteile für die USA. Das muss man ernst nehmen. Er steht damit in einer sehr langen Tradition: Der weitaus größte Teil der US-Landfläche ist gekauft. Und, was gerne verschwiegen oder vergessen wird: Jeder dieser Deals war begleitet von einem kriegerischen Vorgehen.

1867 überließ Zar Alexander II. Alaska den USA für 7,2 Millionen Dollar. In einer recht mickrigen Zeremonie wurde das Land an die amerikanische Verwaltung übergeben. Die Russen verkauften nicht zuletzt deshalb, weil sie fürchteten, dass sich die Amerikaner oder Briten das Landstück ohne großen Aufwand militärisch einverleiben würden. Dem Zaren war daher das Geld in der Hand lieber als die Taube auf dem Dach. Der Verkauf brachte seinem Land eine kurze Befreiung aus einer finanziellen Klemme.

Die US-Bevölkerung zweifelte damals, ob das ein guter Kauf gewesen war. Doch Alaska war ein Schnäppchen. Wie sich bald herausstellte, konnte man am neuen Territorium viel verdienen. Weniger mit Pelzen als mit den Bodenschätzen. Knapp dreißig Jahre nach dem Kauf setzte der höchst einträgliche Goldrausch am Klondike River ein. 1959 wurde Alaska der 49. US-Bundesstaat.

Ein historischer Cartoon aus dem Jahr 1804 zeigt eine satirische Darstellung geheimer Verhandlungen der US‑Regierung über den möglichen Kauf Westfloridas von Spanien. Eine gezeichnete Figur, die den damaligen US‑Präsidenten darstellt, wird von einer als Hornisse dargestellten Figur gestochen, die Napoleon symbolisiert. Ein weiterer gezeichneter Diplomat hält Karten oder Dokumente in den Händen. Die Szene ist in Karikaturform ausgeführt und stammt von James Akin.
Cartoon 1804: US-Präsident Jefferson als Hund, von einer Hornisse (Napoleon) gestochen, speit Münzen vor einen Diplomaten, der Karten von ­Florida hält. Jefferson wollte Florida von Spanien haben und bot Napoleon Geld für dessen Hilfe an.

Neu war ein solches Vorgehen für die USA nicht: Der Kern von 13 Bundesstaaten, die sich im Unabhängigkeitskrieg von Großbritannien lösen konnten, erweiterte in den folgenden Jahrzehnten das Staatsgebiet um 20 neue Mitgliedsstaaten. Der größte Zuerwerb gelang dem dritten Präsidenten der USA, Thomas Jefferson, im Jahr 1803 durch den Kauf von Louisiana, das damals ein sehr viel größeres Gebiet bezeichnete als den heutigen gleichnamigen Bundesstaat. Es erstreckte sich von der Grenze zu Kanada bis zum Golf von Mexiko: ein riesiges Territorium von zwei Millionen Quadratkilometern.

Angebot und Nachdruck

Man bezeichnete diesen Flächenzuwachs etwas verharmlosend als Kauf. Aber schon damals schwang auch eine Drohung mit. Außerdem passierte der Deal während der Napoleonischen Kriege, die damals in Europa tobten. Davon waren die Kolonien nicht unberührt. Spanien hatte das Gebiet kurz zuvor an Frankreich abtreten müssen. Jefferson sah die USA durch den neuen Eigentümer Frankreich und dessen Führer Napoleon bedroht, denn der war drauf und dran, sich zur europäischen Allmacht aufzuschwingen, und schickte recht kriegerische Sätze in Richtung Paris. Napoleon sah wichtigere Ziele als die Herrschaft über ein Territorium in Nordamerika und akzeptierte die niedrige Kaufsumme von 15 Millionen Dollar – weil er wusste, dass die ferne Kolonie ohnehin nicht zu halten wäre.

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Zahlen & Fakten

Die Vereinigten Schnäppchen von Amerika

Historische Farbkarte aus dem „Rand McNally’s Unrivaled Atlas“ zeigt die territorialen Erweiterungen der Vereinigten Staaten. Aufgelistet sind: Midway‑ bzw. Brooks‑Insel, annektiert 1867; Philippinen, 1899 von Spanien abgetreten; Hawaii, 1898 annektiert; Guam, 1899 von Spanien abgetreten; Howland‑ und Baker‑Inseln, 1857 annektiert; Wake Island, 1899 annektiert; Samoa‑Inseln, 1900 erworben; Puerto Rico, 1899 von Spanien abgetreten; sowie Alaska, 1867 von Russland abgetreten. Der Kartenausschnitt stammt vom Kartografen Rand McNally.
Die Karte aus einem Atlas des Jahres 1900 zeigt die historischen Zukäufe der USA. © Getty Images

1803: Louisiana-Kauf. Die USA erwerben das Territorium von Frankreich für 15 Millionen Dollar. 

1819: Adams-Onís-Vertrag. Spanien tritt Florida an die USA ab. Für gerade einmal fünf Millionen Dollar.

1845: Texas. Wegen des Beitritts von Texas zu den USA kommt es 1846 zum Krieg mit Mexiko. Die USA siegen und erhalten Kalifornien, Nevada und Utah. 1853 kaufen die USA für zehn Millionen Dollar ein weiteres Gebiet von Mexiko (Gadsden-Kauf) für den Bau der Eisenbahn.

1867: Alaska-Kauf. Die USA erwerben Alaska von Russland für 7,2 Millionen Dollar.

1898: Annexion von Hawaii nach einem einem langen Prozess der politischen Destabilisierung der indigenen Monarchie. 1959 wurden das Inselreich sowie Alaska zu Bundesstaaten.

Ab 1900: Die USA erwarben noch mehrere kleine Inseln wie Guam, Puerto Rico und Samoa, die aber nie zu Bundesstaaten wurden.

Auch der Erwerb Floridas im Jahr 1819 basiert nicht auf einem klassischen Kaufvertrag. Vielmehr ging das Land als eine Art Entschädigungszahlung an die USA. Dem vorangegangen war ein Prozess zwischen Spanien, dem Florida damals gehörte, und einigen US-Bürgern. Spanien verlor den Prozess und wurde zur Zahlung von fünf Millionen Dollar verurteilt. Statt auf diese Summe drängten die USA auf die Übernahme Floridas – wiederum im Bewusstsein, dass Spanien dem Ansinnen wenig entgegenzusetzen hätte. Schließlich war auch dieses Land noch immer durch die Napoleonischen Kriege geschwächt.

Militärbasen statt Kauf

Und so ging es weiter. 1848 kauften die USA dem politisch völlig desolaten Mexiko Kalifornien, Nevada, Utah, New Mexiko sowie große Teile von Arizona und Colorado ab, dieses Mal um 15 Millionen Dollar. 1854 folgten weitere Teile Arizonas um 10 Millionen. Dieser Prozess folgte einem fast zweijährigen Krieg, den die USA gegen Mexiko gewonnen hatten. Das Muster war immer dasselbe: Man eroberte, kaufte, erpresste, sei es von Großbritannien, von Frankreich, Spanien und Mexiko, von Russland oder von einzelnen indigenen Völkern. 

Im Pariser Vertrag von 1898 übertrug Spanien die Philippinen, Guam, Kuba und Puerto Rico an die USA. Diese zahlten symbolische 20 Millionen Dollar, auch um den Spaniern den für sie sehr nachteiligen Friedensvertrag nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg ein wenig erträglicher zu machen.

Grönland, das bis heute zu Dänemark gehört, wäre flächenmäßig der größte einzelne Gebietserwerb der USA.

Auch Dänemark hat Erfahrungen mit Amerikas Käufen. 1733 hatte das Land von Frankreich die Jungferninseln Saint Croix, Saint John und Saint Thomas gekauft. Im Ersten Weltkrieg bestand die durchaus berechtigte Angst, dass Deutschland sich Dänemark einverleiben und sich so in der Karibik festsetzen könnte. Also kauften die USA im Jahr 1917 die Inseln von Dänemark, für 25 Millionen Dollar.

Grönland, das bis heute zu Dänemark gehört, wäre mit 2.166.000 Quadratkilometern flächenmäßig der größte einzelne Gebietserwerb der USA. Schon im Zweiten Weltkrieg zeigte sich erstmals der militärische Wert der Insel. Es war durchaus folgerichtig, dass Präsident Harry Truman Grönland und vielleicht auch gleich Island kaufen wollte und dafür 100 Millionen bot. Der Kauf kam nicht zustande. Man einigte sich auf amerikanische Militärbasen.

Wie expandieren Staaten in Europa?

In der europäischen Staatenbildung, die bedeutend früher einsetzte als in Amerika, setzte man selten auf Käufe. Nicht zuletzt, weil dafür die notwendigen Mittel fehlten. Aber es gab Ausnahmen: Hans Adam von Liechtenstein kaufte vom Hause Hohenems 1699 die Herrschaft Schellenberg und 1712 die Grafschaft Vaduz, die 1719 zum Fürstentum Liechtenstein wurden. 1721 zahlte Russland im Frieden von Nystad zwei Millionen Silberrubel an Schweden und bekam dafür Estland, Livland, Ingria und Südostfinnland.

Öfter wählten Europas Herrscherfamilien eine Methode der Gebietserweiterung, die einem US-Präsident damals nicht zu Gebote stand: „Du, glückliches Österreich, heirate“, ist zum geflügelten Wort geworden. Der stets damit verbundene Halbsatz „Andere mögen Kriege führen“ stimmt ja nicht wirklich. Mit allen Gebietserweiterungen und auch -verlusten, die die Habsburger in ihrer langen Geschichte erfahren haben, waren immer auch Kriege verbunden: Heiratskriege und Erbfolgekriege, die viel Geld kosteten. Wenn es die Habsburger dann doch widerwillig mit Kauf oder Verkauf von Ländern versuchten, dann fehlte ihnen das notwendige Geschick. 

Streit um die Beute

Mit dem Verlust der Lombardei im Jahr 1859 war Österreichs Einfluss in Italien dahin. Unmittelbar spürbar war der Wegfall der Einnahmen aus dieser reichsten Provinz der Monarchie. Das Ende des Neoabsolutismus in Österreich war damit besiegelt, und der Parlamentarismus bekam seine Chance. Aber fürs Erste brauchte Kaiser Franz Joseph dringend 200 Millionen Gulden.

Die Darstellung eines unbekannten Künstlers zeigt die Niederlage der Österreicher gegen Preußen in der Schlacht von Königgrätz (Böhmen) am 3. Juli 1866. In Folge verloren die Habsburger unter anderem Venetien an Italien.
Die Darstellung eines unbekannten Künstlers zeigt die Niederlage der Österreicher (links) gegen Preußen in der Schlacht von Königgrätz (Böhmen) am 3. Juli 1866. In Folge verloren die Habsburger unter anderem Venetien an Italien. © Getty Images

1865 ging es zwischen Preußen und Österreich um die Teilung der Beute aus dem gemeinsamen Feldzug gegen Dänemark im Jahr 1864: die Herzogtümer Schleswig und Holstein. Österreich hoffte, das von ihm beanspruchte Holstein gegen Besitztümer der Hohenzollern in Württemberg oder in Schlesien abtauschen zu können. Bismarck hingegen schlug vor, Holstein an Preußen zu verkaufen und gleich auch noch Venetien an Italien. Auch die Rothschilds rieten, sich eine militärische Regelung zu ersparen und sich zumindest Holstein oder Venetien in einem friedlichen Handel abkaufen zu lassen, um damit die Finanzen zu sanieren.

Doch kein Abverkauf

Aber solch einem Länderschacher wollte Kaiser Franz Joseph auf keinen Fall zustimmen, das war wohl mit seinem Ehrbegriff nicht vereinbar. Abgesehen davon: War ein solcher Handel überhaupt realistisch? Denn sowohl Preußen als auch Italien fehlte das Geld dafür.

Die Rothschilds hätten es zwar vorstrecken können. Aber wie hoch müsste der Kaufpreis sein? „Dick müsste die Summe sein“, meinten die Rothschilds. Preußen dachte an 40 Millionen Gulden, was für Österreich nicht viel mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein bedeutet hätte. Franz Josephs Randbemerkung auf ein entsprechendes Ansinnen: „Davon kann nie die Rede sein.“ Aber im Grunde hatte Österreich keine Strategie und gegen den mit allen Wassern gewaschenen Bismarck schlechte Karten. 

Russlands Zar hatte aus dem Debakel gelernt, das Kaiser Franz Joseph passiert war.

Im Endeffekt war für Preußen und Italien eine kriegerische Lösung verlockender. Und Österreich meinte, einen Krieg gegen Preußen spielend gewinnen zu können. Am 3. Juli 1866 aber folgte auf dem Schlachtfeld von Königgrätz die Ernüchterung. Österreich hatte Venetien und Holstein verloren, ohne auch nur einen Gulden dafür erhalten zu haben. Stattdessen musste man die Kriegskosten und noch dazu Reparationen an Preußen zahlen. 

Ein Jahr später verkaufte Russlands Zar Alaska an die USA. Er hatte aus dem Debakel gelernt, das Kaiser Franz Joseph passiert war.

Mit welchem Recht?

Bleibt noch die Frage, wie man Immobiliengeschäfte abwickelt und sichert, in denen es um Staaten oder gar um halbe Kontinente geht, wenn es kein allseits anerkanntes internationales Gremium gibt. Bis in die frühe Neuzeit war Gott die höchste Instanz. Das bekannteste Beispiel dafür ist der Vertrag von Tordesillas.

Am 7. Juni 1494 wurden – unter Vermittlung von Papst Alexander VI. – die neu entdeckten Erdteile zwischen Spanien und Portugal aufgeteilt: Alles, was 370 Léguas (rund 2.285 Kilometer) westlich der Kapverdischen Inseln lag, wurde Spanien zugesprochen; alles, was östlich lag, ging an Portugal. Diese Regelung festigte die portugiesische Herrschaft über Brasilien und die spanische über das übrige Lateinamerika und blieb in den Landessprachen bis heute prägend.

Abbild der sogenannte Cantino-Weltkarte. Sie wurde im Jahre 1502 in Portugal hergestellt. Sie zeigt die bekannten Umrisse Europas und Afrikas und bereits ziemlich entfremdet die Küsten Asiens. Amerika lässt sich nur durch Teile der südamerikanischen Küste und einige Inseln wie Kuba erkennen.
Die Cantino-Weltkarte wurde im Jahre 1502 in Portugal hergestellt. Um 1500 war Amerika eine einzige Wissenslücke, aufgeteilt wurde der Kontinent dennoch: Der Vertrag von Torde­sillas definierte die Einflusssphären Spaniens (westlich der blauen Linie) und Portugals (östlich davon). Mit Sanctus des Papstes. © Getty Images

Doch seit der Reformation zerfiel die Einheit der Christen und mit der Aufklärung auch die Autorität Gottes. An seine Stelle sollte – in diesem Zusammenhang – das Völkerrecht treten. Nach den Weltkriegen sollten Institutionen – der Völkerbund, gefolgt von den Vereinten Nationen und anderen Organisationen – das Völkerrecht durchsetzen. Doch es hat seine volle Kraft nie gehabt – oder mittlerweile verloren: Trump lebt in der Welt eines neuen militärischen Absolutismus. Er hat keine moralische Autorität, aber große militärische Macht.

Die internationale Gemeinschaft muss erkennen, dass ein Staat wie die USA, der so viel Schlagkraft aufgebaut hat, verleitet sein könnte, diese Macht auch wirklich einzusetzen. Ob es nun Donald Trump oder irgendjemand anderer in Washington ist.

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Conclusio

Expansion. Donald Trumps Grönland-Ansprüche stehen in einer langen Tradition der USA. Das Land nutzte seit jeher militärischen Druck oder eine temporäre Schwäche der Verkäufer. Alaska oder Louisiana sind nur zwei Beispiele dafür.

 Familienbesitz. Innerhalb Europas mit seinen Herrscherhäusern setzte man auf Heiraten, Erbfolgen und häufig damit verbundene – teure und blutige – Kriege. Direkte Käufe blieben die Ausnahme. In Übersee wurde kolonialisiert. 

 Zusammenrücken. Mittels stärkerer Bündnisse kleiner und mittlerer Staaten können die Kosten für jene Mächte in die Höhe getrieben werden, die sich neue Territorien einverleiben wollen und dabei mit militärischer Gewalt drohen.

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