Was wir in Zukunft essen werden

Die Zukunft der Ernährung hängt von Innovationen ab, die sowohl den Herausforderungen des Klimawandels als auch der wachsenden Weltbevölkerung gerecht werden.

Illustration Laborfleisch
Ist Laborfleisch die Zukunft der Ernährung? Oder doch etwas ganz anderes? © andreas posselt
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Auf den Punkt gebracht

  • Globale Ernährungslage. Trotz Kalorienüberschuss leiden noch immer Millionen an Mangelernährung.
  • Proteinversorgung. Die Qualität der Proteine, besonders in Afrika und Asien, ist oft unzureichend.
  • Zukunftstechnologien. Synthetische Biologie und personalisierte Ernährung könnten maßgeblich zur Verbesserung der Ernährung beitragen.
  • Landwirtschaftliche Innovationen. Gentechnik und neue Anbaumethoden bieten Lösungen für zukünftige Herausforderungen.

Ernährung ist ein existenzielles Grundbedürfnis und entwickelte sich schon immer in enger Wechselwirkung mit großen Megatrends wie Entwicklung der Bevölkerungszahl sowie von Technologien und Kultur. Auf der anderen Seite stehen die sich stetig wandelnden Bedingungen unserer Umwelt. Neben dem Wandel des Klimas auch Ressourcen wie Land, Wasser und andere Ökosystemleistungen.

Wie die komplexen Wechselwirkungen zwischen derartigen Langzeitfaktoren sowie unzähligen kurz- und mittelfristigen Mikrotrends aussehen, ist durch eine Vielzahl unfreiwilliger Realexperimente der Menschheitsgeschichte in Form von Hungerkrisen veranschaulicht. Durch Innovationen in nahezu sämtlichen Bereichen menschlichen Lebens ist es dennoch gelungen, dass heute trotz mehr als acht Milliarden Menschen bereits ein Kalorienüberschuss von 500 bis 1.000 Kilokalorien pro Person erzeugt wird. Dass immer noch etwa neun Prozent der Weltbevölkerung definitionsgemäß unter Kalorienmangel leiden, ist also eher ein Organisations- als ein Versorgungsproblem.

Mehr Protein statt mehr Proteinpulver

Eine andere Rolle spielt jedoch die Versorgung mit Protein. Auch wenn hier ebenfalls schon heute ein Überschuss produziert wird, so ist die Qualität in vielen Regionen Afrikas und Asiens nicht ausreichend, weil es sich überwiegend um pflanzliche Proteine handelt. Tierische Lebensmittel liefern dagegen nicht nur hochwertige Proteine, sondern gleichzeitig auch für viele Weltregionen in der Versorgung kritische Mikronährstoffe, wie zum Beispiel Eisen, Zink, Jod, B-Vitamine und Vitamin A. Welche Innovationen für die Zukunft der Ernährung eine Rolle spielen werden, entscheidet sich somit daran, ob sie zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen können.

Das Bild zeigt Kühe auf einer Weide. Es illustriert einen Artikel über den Wasserverbrauch bei der Produktion von Rindfleisch.
Nicht in allen Weltregionen wird genügend tierisches Protein produziert. © Getty Images

Ob ein weiterer Joghurt in anderer Geschmacksrichtung, ein weiteres Proteinpulver oder eine neue Trinkmahlzeit in den Supermärkten der Industrieländer steht, ist dafür weniger entscheidend. Wenngleich auch derartige Produkt- und Marketinginnovationen Umsätze erwirtschaften, Arbeitsplätze schaffen oder erhalten und so ebenfalls einen Beitrag zur Zukunft der Ernährung im weiteren Kontext leisten. Machen wir eine Bestandsaufnahme:

Essbare Impfstoffe und menschliche Milch

Die Welternährungsorganisation FAO hat im Mai 2025 eine Zusammenstellung von 44 Schlüsselinnovationen für den Bereich Ernährung, Lebensmittel und Landwirtschaft veröffentlicht. Die Prognosen beziehen sich auf kurzfristige Zeiträume bis 2030, mittelfristige Zeiträume bis 2045 und längerfristige Zeiträume bis 2050. Auf lange Sicht bis zum Jahr 2050 ist eine mögliche Entwicklung hervorzuheben: Komplett neue Lebensmittel, die durch synthetische Biologie erschaffen werden. Die Erschaffung neuer Lebensmittel mittels gentechnischer Methoden wird auf lange Sicht als machbar und auch Möglichkeit mit hohem Einfluss auf die Zukunft der Ernährung gesehen.

Zwei mögliche Innovationen könnten ebenfalls noch in diesem Zeitrahmen eintreten, allerdings mit geringer Wahrscheinlichkeit und wenig Potential die globale Ernährung zu beeinflussen. Dafür klingen sie umso mehr futuristisch. Die Rede ist von essbaren Impfstoffen und menschlicher Milch. Nahrungsmittelpflanzen könnten genetisch so programmiert werden, dass sie Impfstoffe einfach mitproduzieren. So wie heute schon die natürlicherweise enthaltenen Nährstoffe wie Vitamine die Gesundheit schützen, könnten Impfstoffe kurzerhand direkt denselben Weg in den Körper nehmen.

Ein Glas vor schwarzem Hintergrund wird mit Milch gefüllt. Hafer liegt um das Glas herum gestreut.
Würden Sie menschliche Milch trinken? © Getty Images

Die Anreicherung von pflanzlichen Lebensmitteln mit Nährstoffen wird als Biofortifizierung bezeichnet und so wurde beispielsweise schon eine Süßkartoffelsorte genetisch so programmiert, dass sie mehr Provitamin A bildet. Ähnlich könnte es auch mit „essbaren Impfstoffen“ funktionieren. Menschliche Milch ist dagegen noch im Laborstadium und es geht eher um einzelne Inhaltsstoffe, wie die enthaltenen Mehrfachzucker. Sie sollen wichtige Funktionen für die Entwicklung des Immunsystems haben.

Personalisierte Ernährung

Auf mittlere Sicht ist bereits mit deutlich mehr Entwicklungen zu rechnen, die für die Zukunft der Ernährung eine Rolle spielen könnten. Ein Teil dieser möglichen Innovationen bezieht sich auf die Bereiche personalisierter und funktioneller Ernährung. Dabei handelt es sich um maßgeschneiderte Produkte für das Individuum. Durch Bestimmung von Körperwerten, wie zum Beispiel dem Blutzuckerspiegel, einer Darmmikrobiom- oder einer Genanalyse, sollen auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Lebensmittel produziert werden.

So könnte beispielsweise der Nährstoffgehalt je nach Lebensphase oder auch Belastungszuständen angepasst werden. Auch funktionelle Inhaltsstoffe, die je nach Bedarf beruhigend oder leistungssteigernd wirken, könnten zum Einsatz kommen, sowohl aus natürlichem wie auch synthetischem Ursprung. Auch wenn diverse Anbieter bereits heute solche Produkte anpreisen, so sind die tatsächlichen Wirkungszusammenhänge noch nicht abschließend erforscht. Daher wird erst mittelfristig mit Produkten gerechnet, die auch halten können, was sie versprechen.

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Zahlen & Fakten

Eine Reihe von möglichen Entwicklungen zeichnet sich mittelfristig auch für die Seite der landwirtschaftlichen Produktion und Lebensmittelverarbeitung ab. Gentechnische Verfahren für die gezielte Erzeugung von Nahrungsmittel- und Futtermittelpflanzen sind bereits in der Entwicklung und werden zum Einsatz kommen, um Sorten zu züchten, die mit veränderten klimatischen Bedingungen besser zurechtkommen. Auch neue pflanzliche Rohstoffe für die Lebensmittelverwertung, die bislang global keine Rolle spielen, können nutzbar gemacht werden.

Neue Pflanzen, neues Fleisch

Es existiert eine große Menge an Pflanzen, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind, die aber derzeit nur wenig genutzt werden, aber aufgrund von sich verändernden Umweltbedingungen an Bedeutung gewinnen werden. Man halte sich vor Augen, dass laut FAO weltweit etwa 7.000 essbare Pflanzenarten existieren, die als Nahrungspflanzen genutzt werden können, aber nur etwa 150 bis 200 Arten regelmäßig landwirtschaftlich erzeugt werden.

Auch die so genannte zelluläre Landwirtschaft ist ein Entwicklungszweig für die alternative Lebensmittelerzeugung. Das prominenteste Beispiel ist aktuell Fleisch oder auch Fisch, das aus tierischen Muskelzellen im Labor gezüchtet wird. Allerdings ist hier abzuwarten, ob diese Art der Produktion jemals relevante Mengen an Lebensmitteln hervorbringen wird. Für die weitere Verarbeitung von Lebensmitteln ist mit Fortschritten in der Nanotechnologie zu rechnen, was zum Beispiel Nanopartikel betrifft, an denen Nährstoffe so anhaften, dass sie in Fertigprodukten stärker angereichert werden können.

Der erste Burger, den Mirai Foods aus Laborfleisch produzierte
Dieser Burger wurde aus Laborfleisch produziert. © Mirai Foods

Neben der Verarbeitung wird auch mit wichtigen Entwicklungen zu rechnen sein, was die Konservierung sowie Verpackung und damit die Sicherheit von Lebensmitteln betrifft. Ein wichtiger Faktor, denn ein Drittel der Lebensmittelproduktion geht weltweit auf dem Weg zum Konsumenten durch Verderb verloren und auf diese Menge kann eine wachsende Weltbevölkerung zukünftig nicht verzichten. Künstliche Intelligenz und digitale Technologien wie Blockchain sollen zudem die Rückverfolgbarkeit von Lebensmitteln verbessern, sodass bei Lebensmittelskandalen schneller reagiert werden kann.

Das Abendessen aus dem 3D-Drucker

Kurzfristig bestehen heute schon gute Chancen, dass die Nutzung von Pflanzenteilen und Reststoffen aus der Lebensmittelverarbeitung zunehmend eine weitere Verwertung finden, um zum Beispiel Ballaststoffe und Proteine daraus zu gewinnen, die dann als Zutaten für neue Produkte dienen. Auch die Produktion von Proteinen durch Fermentation ist schon möglich und erste Produkte sind bereits im Handel, die beispielsweise Milchprodukte imitieren sollen. Andere Entwicklungen, die schon jetzt existieren und oft im Zusammenhang mit der Zukunft der Ernährung genannt werden, sind Technologien wie Lebensmittel aus dem 3D-Drucker und der Anbau von pflanzlichen Lebensmitteln in vertikalen Gewächshochhäusern. Jedoch ist hier auch schon klar, dass ihr Beitrag zur globalen Ernährung nur gering sein kann.

Essbare Insekten werden ebenfalls häufig genannt und sie sind in der Tat schon Teil der Ernährung von rund drei Milliarden Menschen, vor allem in Asien, Afrika und Südamerika. In der westlichen Welt sind sie für die menschliche Ernährung zwar vereinzelt bereits zugelassen, ein größeres Potential wird ihnen aber als proteinreiches Futtermittel für die Geflügel-, Schweine-, Rinder- und Fischzucht zugeschrieben.

Zusammenfassend besteht die Zukunft der Ernährung also aus vielen Möglichkeiten, einige davon sind geeignet. Bei der Beantwortung der zentralen Herausforderungen der Zukunft hilfreich zu sein, wenn sie bei möglichst geringen Umweltauswirkungen maximal nährstoffhaltige Rohstoffe produzieren. Und dabei helfen, Lebensmittelverluste und -verschwendung zu vermeiden. Welche Produkte aus diesen Rohstoffen hergestellt werden, die der Kunde im Supermarktregal oder auch auf dem Wochenmarkt kaufen kann, ist dabei zweitrangig. Denn auch in Zukunft wird der Großteil unserer Lebensmittelrohstoffe auf dem Acker oder der Wiese entstehen, diese Ressourcen gilt es zu schützen und möglichst effizient zu nutzen.

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Conclusio

Gentechnik. Die Zukunft der Ernährung hängt stark von der Weiterentwicklung von Technologien wie gentechnisch veränderten Lebensmitteln und synthetischer Biologie ab.

Ernährungssicherheit. Innovationen wie essbare Impfstoffe und personalisierte Ernährung könnten langfristig die Ernährungsversorgung weltweit revolutionieren.

Nachhaltigkeit. Die effizientere Nutzung von Ressourcen und die Vermeidung von Lebensmittelverlusten sind entscheidend, um eine nachhaltige Versorgung sicherzustellen.

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