Die Lehren aus dem Absturz

Aufstieg und Fall der Gruppe Wagner bieten faszinierende Lehren: Putins Russland ist in einem gefährlichen Zustand.

Blumen und Kerzen an einer improvisierten Gedenkstätten für die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Mitglieder der Wagner-Gruppe.
Blumen in Moskau für die bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen Mitglieder der Gruppe Wagner. © Getty Images
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Auf den Punkt gebracht

  • Mafia-Struktur. Der Wagner-Putsch offenbarte Russlands Zustand als Mafia-Staat mit Putin als Capo.
  • Kriegsfolgen. Die gescheiterte Blitz-Invasion der Ukraine droht nun, die Autorität und Kontrolle des Kreml zu untergraben.
  • Bandenkriege. Prigoschins Art der privatisierten Gewalt könnte sich in Russland ausbreiten, wenn die Ukraine siegt.
  • Gewaltherrschaft. Sollte Russland gewinnen, werden die Streitkräfte wieder aufgebaut und die Unterdrückung wird gedeihen.

Russlands Invasion in der Ukraine hat eines der düstersten Merkmale seiner Streitkräfte in den Vordergrund gerückt, das der privaten Militärkompanie (PMC) Wagner und ihres brandgefährlichen Anführers Jewgeni Prigoschin. Die Meuterei, die Prigoschin am 28. Juni 2023 angezettelt hatte, war ein wirklich einzigartiges Ereignis. Auffällig war, dass der Anführer einer Söldnertruppe kurz davor stand, den Kreml zu erobern.

Die Geschichte bietet zwei faszinierende Fakten. Zum einen, dass es den Wagner-Truppen gelungen ist, das Hauptquartier des südlichen russischen Militärbezirks in Rostow am Don, der den Krieg gegen die Ukraine koordiniert, schnell einzunehmen, und zum anderen ist es ihnen gelungen, in die Nähe von Moskau vorzudringen, ohne auf Widerstand zu stoßen. Das Rätsel liegt darin, wie diese beiden Tatsachen zu erklären sind.

Wie konnte es so weit kommen?

Eine Möglichkeit ist, dass Prigoschin Unterstützung aus der militärischen Führungsriege hatte, wo viele Kommandeure frustriert darüber waren, wie schlecht der Krieg geführt wurde. Das würde darauf hindeuten, dass ein weiterer militärischer Aufstand bevorstehen könnte. Eine andere Möglichkeit ist, dass das gelähmter Machtapparat zu keiner Reaktion fähig war: Als der russische Präsident Wladimir Putin zu verängstigt war, um Befehle zu erteilen, und hochrangige Beamte mit ihren Privatjets flüchteten, haben sich hochrangige Militärkommandeure möglicherweise dafür entschieden, tatenlos die Entwicklung zu beobachten. Dies würde darauf hindeuten, dass das Machtzentrum kurz vor der Implosion stehen könnte.

Unabhängig davon, was die wahre Geschichte war, ist eine weitere Tatsache, dass Prigoschin weniger als zwei Monate später tot war. Sein Ende fand er am 23. August 2023, als sein Privatflugzeug auf dem Weg von Moskau nach St. Petersburg abstürzte. Alle zehn Menschen an Bord kamen ums Leben, darunter drei Besatzungsmitglieder und Prigoschins rechte Hand Dmitri Utkin. DNA-Tests sollen ergeben haben, dass die menschlichen Überreste mit der Liste der Passagiere übereinstimmten. Das war das formale Ende der Wagner-Saga.

Die Lehren von Prigoschin

Der Aufstieg und Fall von Prigoschin und seinem PMC spricht Bände über den Zustand der russischen Streitkräfte, die Natur des politischen Systems, das Putin geschaffen hat, um seine Macht zu zementieren, und die Kultur extremer Gewalt, die nicht nur die Streitkräfte, sondern auch die russische Gesellschaft durchdringt.

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Zahlen & Fakten

  • Putins Schattenarmee ist eine private Organisation, die lange außerhalb der militärischen Ordnung stand. Als Gründer galt lange Zeit Dimitri Utkin, ein ehemaliger Fallschirmjäger der russischen Armee und Mitglied des Militärgeheimdienstes GRU. Utkins Kampfnamen „Wagner“ verdankt die Gruppe ihren Namen. 
  • Ebenfalls an der Gründung beteiligt – das genaue Datum ist nicht bekannt, sie erfolgte zwischen 2012 und 2014 – war Jewgeni Prigoschin, dessen Verbindung zur Gruppe Wagner zunächst verschleiert worden war. Der Oligarch war in der Sowjetunion wegen Raubs und anderer Delikte zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt worden und nach seiner Entlassung in Putins Umfeld in St. Petersburg zum Milliardär aufgestiegen.
  • Die Gruppe Wagner setzte über Jahre russische Interessen im Ausland militärisch durch, zum Beispiel in Libyen, Mali, der Ukraine und der Zentralafrikanischen Republik. In Syrien kämpfte sie an der Seite von Assads Armee bei der Sicherung von Raffinerien und Ölfeldern im Nordwesten des Landes, wofür sie 25 Prozent der Einnahmen aus jeder gesicherten Anlage erhielt. 
  • Über ihre Truppenstärke in der Ukraine im Verlauf der Zeit gibt es keine verlässlichen Zahlen. Die Söldnerarmee rekrutiert sich aus ehemaligen Militäreinheiten der ehemaligen Sowjetunion und russischen Strafgefangenen. Wer sich für ein halbes Jahr verpflichtete, kam frei.
  • Vom 23. bis 24. Juni 2023 kam es zu einem Aufstand der Gruppe Wagner in Russland. Prigoschin drohte damit, Verteidigungsminister Sergei Schoigu und Generalstabschef Waleri Gerassimow zu entmachten, und die Gruppe besetzte am 24. Juni kampflos Militäreinrichtungen in Rostow am Don und rückte auf Moskau vor. Präsident Wladimir Putin verurteilte diesen Aufstand als Verrat an Russland. Wagner brach für Außenstehende überraschend den Marsch auf Moskau ab.
  • Zwei Monate nach diesen Ereignissen kamen Prigoschin, der militärische Leiter Dmitri Utkin und weitere Mitglieder der Wagner-Gruppe bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Die genauen Umstände dieses Vorfalls bleiben bisher ungeklärt.

Der Einsatz privater Militärunternehmen ist nicht spezifisch für Russland. Während der Kriege im Irak und in Afghanistan nutzten die Vereinigten Staaten die Blackwater Company (umbenannt in Academi), und andere Länder haben ähnliche Vereinbarungen. Das Besondere am Fall der russischen Wagner-Gruppe ist ihre Rolle innerhalb der Machthierarchie.

Wagners viele Auftritte

Eine der Besonderheiten ist, dass private Militärunternehmen in Russland formell illegal sind. Angesichts der allgemeinen russischen Verachtung für die Rechtsstaatlichkeit mag dies eine irrelevante Beobachtung sein, aber sie hat eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Wagner gespielt. Da Prigoschin keine Rechte hatte, war er darauf angewiesen, die Spiele der russischen Unterwelt zu spielen. Bis zu seinem Tod bewies er dabei hervorragende Fähigkeiten.

Die Wagner-Gruppe wurde unter der Schirmherrschaft des russischen Militärgeheimdienstes GRU gegründet. Das Hauptquartier befand sich auf einem bekannten GRU-Stützpunkt. Während der Kämpfe hatte sie Zugang zur GRU-Luftbrücke, und ihre Verwundeten wurden in GRU-Krankenhäusern behandelt. Das zeigt uns, dass der GRU Wagner als eine wertvolle Ergänzung seiner bereits beträchtlichen Ressourcen betrachtete.

Marode Armee

Die ersten Anzeichen von Wagner-Söldnern im Einsatz zeigten sich während des Krieges in Syrien. Dort erwiesen sie sich als nützlich und führten schmutzige Operationen durch, die selbst für die ansonsten brutale russische Armee unvorstellbar waren. Nach ihrem Auftauchen in diesem Krieg tauchten Wagner-Söldner sowohl in der Ukraine auf, wo sie sich den Ruf erwarben, eine effektivere Kampftruppe als die reguläre Armee zu sein, als auch in Afrika, wo zwielichtige Regime sie als Schutztrupp nützlich fanden.

Eine Bande von Schlägern, die als militärische Truppe paradieren, ist eine leichte Beute für eine wirklich professionelle Kampfeinheit.

Diese Entwicklungen liefern wertvolle Einblicke in den Zustand der russischen Streitkräfte. Dass eine Söldnereinheit wie Wagner mit Frontaufgaben in der Ukraine betraut wurde, sollte nicht als Zeichen dafür gewertet werden, dass es sich um eine professionelle Kampftruppe handelt. Der einzige Fall, in dem sie gegen ein modernes Berufsmilitär gekämpft hatte, war 2018 in Syrien, als rund 500 pro-syrische Regierungstruppen und russische Söldner in einem kleinen Außenposten in der Nähe der Stadt Deir ez-Zor in ein fast vierstündiges Feuergefecht mit etwa 40 Mitgliedern der US-Delta Force und Rangern gerieten. Diese Begegnung endete mit einer spektakulären Niederlage für die Angreifer, die massive Verluste erlitten – 200 bis 300 Tote – während keiner der Amerikaner verletzt wurde. Der Vorfall bewies, dass eine Bande von Schlägern, die als militärische Truppe paradieren, eine leichte Beute für eine wirklich professionelle Kampfeinheit ist.

Die Tatsache, dass Wagner-Soldaten den Ruf haben, bessere Soldaten zu sein als die regulären russischen bewaffneten Divisionen und sogar die Elite-Luftlandetruppen zu übertreffen, sagt viel darüber aus, wie sich eine russische Armee im Kampf gegen die NATO abschneiden würde. Diese Einsicht hat sich höchstwahrscheinlich die russische Militärführung, wenn nicht sogar der Kreml selbst zu Herzen genommen.

Von Kleinkriminalität zu Putin-Koch

Eine weitere wichtige Botschaft aus der Wagner-Saga betrifft Prigoschins persönliche Karriere. Nachdem er in der Kleinkriminalität begonnen hatte, wechselte er in die Gastronomie und endete als Anführer einer Söldnertruppe, die weltweite Berühmtheit erlangte. Seine Fähigkeiten in der Gastronomie brachten ihm den Spitznamen „Putins Koch” ein (und einen noch abfälligeren „Garcon” unter neidischen Oligarchen), was bedeutete, dass er das Vertrauen und die Freundschaft des mächtigsten Mannes des Landes gewonnen hatte. Sein gewaltsames Ende zeigte, dass diese Freundschaft Grenzen hatte.

Wie in jeder guten Mafia-Geschichte hatte vieles, wenn nicht sogar alles, mit Geld und Revierkämpfen zu tun. Obwohl Prigoschin ein riesiges Vermögen angehäuft hatte, besaß er legal wahrscheinlich nur das Catering-Geschäft. Die Lehre ist, dass eine Person in Russland ohne Schutz nicht reich wird, und Schutz hat einen Preis, der sich in blinder Loyalität bemisst.

Im Mafia-Jargon hätte Prigoschin aufgrund seiner Freundschaft mit Präsident Putin unantastbar sein müssen, und das war es auch – eine Zeitlang. Es ist wichtig anzumerken, dass er in allen Videos, die er in den Wochen vor seiner Meuterei veröffentlichte und in denen er den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu und General Waleri Gerassimow grob beleidigte, peinlich genau darauf achtete, niemals Putin erwähnte.

Prigoschins Fehler

Die zentrale Frage, die alle Spekulationen darüber durchdringt, was wirklich mit der Meuterei geschah: wie konnte Prigoschin so katastrophal über die Stränge schlagen, dass er eliminiert werden musste (es sei denn, sein Tod war ein Unfall).

Als Wagner nach Afrika expandierte, wo es viel Blutgeld verdiente, betrat man neues Terrain. Die bei weitem glaubwürdigste Erklärung für die Meuterei ist, dass sich der GRU darüber ärgerte, wie Prigoschin sich bereicherte. Er war ihre Schöpfung, und vielleicht zeigte er keine Dankbarkeit. Es wurde beschlossen, ihn aus dem Amt zu jagen, damit der GRU das Geld für sich selbst einstreichen konnte.

In den Beziehungen zu Präsident Putin zählt Geld weit weniger als Loyalität.

Als Prigoschin erfuhr, dass seine Saga zu Ende gehen könnte, erschienen seine zunehmend knirschenden öffentlichen Videos. Seine weitschweifigen Klagen darüber, dass die militärische Führung ihm nicht genug Munition gebe, waren nur ein Deckmantel. Als das reguläre Militär die Wagner-Truppen übernahm, stellte sich heraus, dass sie reichlich Munition hatten. Die Herausforderung für Prigoschin bestand darin, den GRU von seinem Territorium fernzuhalten, und er rechnete wahrscheinlich damit, dass Putin ihm den Rücken freihalten würde.

Wie sich herausstellte, war das eine gravierende Fehleinschätzung. In den Beziehungen zu Präsident Putin zählt Geld weit weniger als Loyalität. Prigoschin beging den fatalen Fehler, zwei hochrangige Beamte öffentlich anzugreifen, die grenzenlose Ergebenheit für den Präsidenten gezeigt hatten. Bei seiner anschließenden Meuterei musste er den Kreml erobern oder umkommen.

Putins wertloses Wort

Die Wagner-Saga liefert zwei wichtige Erkenntnisse über das, was als nächstes passieren wird. Der erste ist, dass Vereinbarungen mit Herrn Putin wenig bis gar keinen Wert haben. Wie es der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba zum Ausdruck brachte: es gebe keinen Grund zu der Annahme, dass sich Präsident Putin in den Verhandlungen über den Krieg gegen die Ukraine anders verhalten werde: „Was die Forderungen nach Verhandlungen mit Putin betrifft, so sollte jeder, der danach fragt, nicht uns, sondern Prigoschin fragen. Er hatte einen Konflikt mit Putin, er führte erfolgreiche Verhandlungen mit Putin, beendete den Konflikt, einigte sich auf Sicherheitsgarantien und dann tötete Putin ihn.”

Die zweite Erkenntnis betrifft die Prämie, die der Loyalität beigemessen wird, und die Vergeltung, die auf jede Form von wahrgenommener Aufsässigkeit folgt. Zum Zeitpunkt der Rebellion versprach Putin, dass die Reaktion des Staates hart sein würde. Es folgte eine Zeit der totalen Verwirrung, als Spekulationen über das Schicksal Prigoschins aufkamen, dass sich die beiden vielleicht sogar persönlich getroffen hätten und dass ein Fortbestand von Wagner in Belarus unter dem Schutz von Präsident Alexander Lukaschenko propagiert wurde, was in Polen und Litauen Ängste auslöste.

Falsche Fährte

Es war natürlich ein Trick, der darauf abzielte, Verwirrung zu stiften und falsche Sicherheit zu schaffen, während die Vorbereitungen für das Endspiel getroffen wurden. Außerdem war es eine klassische Anwendung der Maxime, dass man seine Freunde in der Nähe, aber seine Feinde näher halten muss. Ursprünglich von dem großen chinesischen Strategen Sun Tzu um 500 v. Chr. formuliert, wurde es im Laufe der Jahrhunderte von Quellen wiederholt, die von Niccolò Machiavelli bis zu Mario Puzo in seinen Romanen über die Mafiafamilie Corleone reichen. Letzteres erklärt wahrscheinlich am besten die wahre Natur des russischen Mafiastaates, in dem Putin als capo di tutti capi (Boss der Bosse) agiert.

Der Vorschlaghammer, den Prigoschin zu seinem Markenzeichen gemacht hatte, fiel auf seinen eigenen Kopf.

Als die Zeit für den Vorhang gekommen war, geschah dies schnell und entschlossen. Nachdem die Anführer der Wagner-Gruppe eliminiert worden waren, wurde auch der Hammer der Vergeltung auf ihre Untergebenen herabgelassen. Gräber gefallener Wagner-Söldner wurden mit Bulldozern niedergewalzt und mit Beton bedeckt. Verwundete Wagner-Kämpfer wurden aus den Krankenhäusern geworfen, obwohl ihre Behandlungen nicht abgeschlossen waren, ihre Zahlungen für die medizinische Versorgung und Zahlungen und Leistungen an ihre Familien wurden eingestellt.

Die Botschaft war laut und deutlich. Du forderst den Mann an der Spitze einfach nicht heraus. Der Vorschlaghammer, den Prigoschin zu seinem Markenzeichen gemacht hatte, fiel auf seinen eigenen Kopf. Er hatte darauf gesetzt, durch seine Freundschaft mit Herrn Putin geschützt zu sein, und er hat sich schrecklich geirrt.

Wie kann es weitergehen?

Wie es weitergeht, hängt vom Ausgang des Krieges in der Ukraine ab. In dem unwahrscheinlicheren Fall, dass Russland es schafft, mit einer Form von Deal auszusteigen, den es als Sieg anpreisen kann, könnte der Status quo ante wiederhergestellt werden. Der GRU wird die afrikanischen Geschäfte übernehmen und die Beziehungen zwischen den verschiedenen Fraktionen im Militär- und Sicherheitsbereich werden vom Herrn des Kremls wieder in den normalen Zustand des Gleichgewichts gebracht. Die Streitkräfte werden wieder aufgebaut, und die Kultur extremer Gewalt, die der Krieg gegen die Ukraine verstärkt hat, wird drakonische Repressionen zur Aufrechterhaltung der Ordnung sowohl erfordern als auch zulassen.

Für den wahrscheinlicheren Fall, dass Russland seinen Krieg nicht aufrechterhalten kann, ist zu erwarten, dass die Decke einstürzt. Der Kreml wird mit einer Situation konfrontiert sein, die dem Ende des Ersten Weltkriegs ähnelt, mit bewaffneten und verbitterten Soldaten, die von der Front zurückkehren. Die Häufigkeit von Waffengewalt und schwerer Kriminalität ist in den an die Ukraine angrenzenden Regionen bereits in die Höhe geschnellt, da Sträflinge, die aus dem Gefängnis entlassen wurden, um in der Ukraine zu dienen, noch brutaler und rachsüchtiger nach Hause zurückgekehrt sind. Es kann und wird noch viel schlimmer werden, wenn abtrünnige Milizen die Bürger terrorisieren.

Da der Kreml sowohl seine Autorität als auch seine Kontrolle verliert, werden eine Vielzahl von Akteuren auf Gewalt zurückgreifen, um ihre Revier zu schützen. Sie reicht von ressourcenreichen Konzernen, die private Streitkräfte aufstellen, um ihr Vermögen zu schützen, über lokale Beamte, die mit dem lokalen Militär Geschäfte machen, um die lokale Sicherheit zu gewährleisten, bis hin zu hochrangigen Militärkommandeuren, die sich in Warlords verwandeln, die sich auf neue Abenteuer einlassen, um Moskau und andere Städte einzunehmen. In diesem Sinne wird das Muster der privatisierten Gewalt, das Prigoschin gesetzt hat, ihn zum großen Schaden des russischen Staates überdauern.

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Conclusio

Der Aufstieg und Fall des Wagner-Anführers Jewgeni Prigoschin unterstreicht, dass Russland ein Mafia-Staat ist. Die wahren Hintergründe des Aufstands der Söldner-Truppe bleiben im Dunkel, aber es liegt nahe, dass Prigoschin sich massiv verkalkuliert hatte. Sein Tod und die Tatsache, dass Wagner-Söldner in Folge in Ungnade fielen, schickt ein klares Signal an alle möglichen Nachahmer, nicht auf eigene Faust in Machtkämpfe zu treten, ohne den Sanktus Putins zu haben. Die ganze Epiosde zeigt auch, wie instabil die Verhältnisse in Russland sind. Sollte Putin seinen Krieg gegen die Ukraine verlieren, dürfte das ganze Land ins Chaos stürzen mit rivalisierenden bewaffneten Banden, die um Vorherrschaft kämpfen.

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