Unterwerfung

Nicht nur an amerikanischen Elite-Universitäten ist der Islam auf dem Vormarsch. Islamistische Aktivisten surfen erfolgreich auf dem woken Zeitgeist.

Studenten beten am 3. Mai 2024 in Washington, DC bei einem Zeltlager im Universitätshof der George Washington University. Das Bild illustriert den Kommentar „Unterwerfung“ über islamische Aktivisten.
Studenten beten am 3. Mai 2024 in Washington, DC bei einem Zeltlager im Universitätshof der George Washington University. Pro-palästinensische Lager sind an den Universitäten im ganzen Land entstanden. © Getty Images

Die Demonstration in Hamburg, auf der vor etwas mehr als einer Woche rund 1.100 Muslime die Errichtung eines Kalifats gefordert haben, ist nur die Spitze des Eisbergs. Allein auf TikTok folgen den Veranstaltern „Muslim Interaktiv“ knapp 25.000 User, ihre Beiträge verzeichnen über 678.000 Likes (Stand 5. Mai 2024). Dazu kommen alle anderen Social-Media-Kanäle der Organisation und ihrer Proponenten sowie unzählige von tausenden anderen islamischen Aktivisten. In ganz Europa sind es längst Hunderttausende, die eine islamische Ordnung der weltlichen vorziehen

Die offiziellen Reaktionen auf die Demonstration waren wie immer verhalten. „In einer Demokratie muss man vieles aushalten, der Rechtsstaat setzt Grenzen, es wird ermittelt, Gewalttäter ausweisen“, alles hundertmal gehörte, folgenlose Textbausteine. Die Wirklichkeit offenbart sich in Nebensätzen. Zuletzt bei Markus Lanz, als Hamed Abdel-Samad erwähnte, dass ihn sieben Polizisten begleiten, wenn er beim Bäcker Brötchen holt. 

So sieht die europäische Realität heute aus: Wer sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzt, braucht rund um die Uhr Polizeischutz, islamistische Aktivisten bleiben unbehelligt und wir diskutieren über „Islamophobie“. Das ist nicht Toleranz, sondern Unterwerfung. 

Suizidale Dummheit

Seit Tagen macht in den Social Media ein Bild millionenfach die Runde. Es zeigt (vermutlich) amerikanische Studentinnen, die kniend zu Allah beten. Ohne Kopfbedeckung, mit nackten Schultern, in bauchfreien Tops mit Spaghetti-Trägern, wofür sie in jedem islamischen Land Bekanntschaft mit der Religionspolizei machen würden. 

Ich konnte die Herkunft des Bildes nicht verifizieren, aber es erscheint mir authentisch, zumal es ähnliche Berichte von vielen Universitäten gibt. Einer naiven Studentenschaft, die „from the river to the sea“ kreischt, ohne die geringste Ahnung zu haben, von welchem Fluss und welchem Meer die Rede ist, darf man jede Dummheit zutrauen. Auch, wenn (oder weil?) ihre Eltern 90.000 Dollar pro Studienjahr zahlen.

„Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber“, schrieb ein unbekannter Schweizer 1874 auf seinen Stimmzettel zur Wahl der Züricher Steuerkommission. Der Satz passt auch auf Frauen, die sich selbst für links und feministisch halten und gemeinsame Sache mit Islamisten machen. Wie die „Queers for Palestine“ hätten sie in der Kultur, der sie den Weg bereiten, bestenfalls ein entrechtetes Leben zu erwarten. Oder den Tod. 

Aber um die Realität geht es längst nicht mehr. In der „woken“ Academia vermischen sich post-colonial theory, gender studies und critical race theory zu einer Melange, in welcher „der Westen“ für die ewigen Unterdrücker und der „globale Süden“ für die – moralisch überlegenen – Opfer steht. Dass die vermeintlich Unterdrückten sich da und dort längst selbst zu autoritären Monstern entwickelt haben (und zum Teil immer schon gewesen sind), wird ausgeblendet, verharmlost, geleugnet. Machen wir uns nichts vor: Dass eine ideologische Agenda an Universitäten gelehrt wird, macht sie noch lange nicht zur Wissenschaft

Kuscheln mit dem Islamismus

Es ist die Allianz zwischen dem politischen Islam und dem linken akademischen Mainstream, die Grund zur Sorge gibt. Während rechtsradikale Ambitionen zu Recht verurteilt und im Keim erstickt werden, lässt man islamische Aktivisten nicht nur gewähren, man solidarisiert sich mit ihnen. Sei es aus Angst, oder weil man die eigene Vorstellung von der Wirklichkeit mit der Wirklichkeit verwechselt.

Die Diskussion über einen „guten Kalifen“ ist so müßig wie die über einen „guten Diktator“.

Nur vor diesem Hintergrund konnte Khola Maryam Hübsch, Mitglied im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks, kürzlich in der Talksendung Hart aber Fair den Kalifen ihrer Gemeinde preisen, ohne hart in die Schranken gewiesen zu werden. Im Kalifat vereint der Kalif die geistige und weltliche Führung, es gibt keine Trennung zwischen staatlicher und religiöser Autorität. Die Diskussion über einen „guten Kalifen“ ist daher so müßig wie die über einen „guten Diktator“. Wer damit kokettiert, ist kein Fall für Talkshows, sondern für den Verfassungsschutz. Oder sollte es zumindest sein. 

In 20 Jahren…

Der Islam hat nicht nur eine metaphysische, religiöse Ebene. Er ist auch eine „Gesetzesreligion, die das politische, soziale und kulturelle Leben bestimmt“ (Friedrich Orter). Und diese zweite Ebene ist das Problem: Eine Ordnung, in der das Gesetz von Gott kommt, statt vom Menschen, ist mit einer Demokratie ihrem Wesen nach unvereinbar. 

Islamismus beginnt nicht erst mit Gewalt. 

Darum sollten wir Leute wie Anjem Chaudary ernst nehmen. Der britische Islamgelehrte spricht in einem Interview mit CBN völlig offen über seine Jihad-Pläne und schätzt, dass „die Demokratie in Großbritannien, Belgien und Frankreich höchstwahrscheinlich innerhalb von 15–20 Jahren durch die islamische Scharia ersetzt“ wird.

Vielleicht dauert es gar nicht so lange. Bei den englischen Kommunalwahlen am Sonntag wurden eine Menge muslimische Kandidaten in die Councils gewählt. Einer davon ist Mothin Ali von der Grünen Partei, der seinen Einzug in den Stadtrat von Leeds mit einem aggressiv anmutenden Versprechen feiert: „Wir werden die Stimme von al-Aqsa erheben, die Stimme von Palästina. Allahu Akbar!“, ruft er unter dem Jubel seiner Glaubensbrüder.

Die demokratischen Spielregeln dürfen kein Einfallstor für die Überwindung der Demokratie sein. Im Umgang mit dem Politischen Islam liegt die Grenze der Toleranz genau dort, wo Muslime die Normen ihrer Religion der gesamten Gesellschaft überstülpen wollen. Islamismus beginnt nicht erst mit Gewalt. 

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