Österreichs aufgeblähter Staat in 6 Grafiken

Österreich zählt zu den Spitzensteuerländern. Dennoch reichen die Einnahmen nicht aus – die Staatsschulden wachsen weiter. Woher kommen die Milliarden, und vor allem: Wohin fließen sie?

Illustration zum einer Grafikreihe über Staatsschulden und Steuerlast. Eine Kettensäge in rot-weiß-rot inmitten einer Donutgrafik.

Der österreichische Staat ist größer, teurer und komplexer als in vielen vergleichbaren Ländern – und wird dennoch immer hungriger. Während die Steuereinnahmen Jahr für Jahr neue Rekorde erreichen, wächst gleichzeitig die Staatsverschuldung, und die öffentlichen Ausgaben steigen schneller als die Wirtschaft. Doch was bedeutet das konkret? Sechs Grafiken zeigen, wie Österreichs Staat seine Bürger besteuert, wohin die Milliarden fließen und wie die Republik im internationalen Vergleich abschneidet.

1. Ein Ausgabenproblem

Die Regierung hat sich in ihrem ersten Jahr zwar einen Sparkurs verordnet, doch die Staatsausgaben liegen weiterhin über den Einnahmen. Die entstehende Lücke wird konsequent über neue Schulden geschlossen. Einen strukturellen Überschuss – also einen nachhaltig ausgeglichenen Haushalt – gab es in der Zweiten Republik zuletzt 1954.

2. Der Schuldenberg...

Seit Jahrzehnten gelingt es der Politik nicht, die Staatsverschuldung nachhaltig zu senken. Die endgültigen Zahlen für 2025 liegen zwar noch nicht vor, doch bereits jetzt ist klar, dass die 400‑Milliarden‑Euro‑Marke überschritten wurde. Das entspricht rund 46.000 Euro Schulden pro Kopf.

3. ... wächst und wächst


Der absolute Schuldenberg ist beachtlich, doch aussagekräftiger ist die Verschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (BIP). Seit der Finanzkrise 2008, als die Schuldenquote über 70 Prozent des BIP sprang, ist sie nie wieder daruntergefallen. Dies geschah, obwohl die Europäische Zentralbank in den Folgejahren die Zinsen auf historisch niedrige Niveaus drückte und damit die Kosten für den Schuldendienst künstlich dämpfte. Inzwischen warnen Prognosen des Internationalen Währungsfonds, dass die Schuldenquote weiter steigen dürfte.

4. Hohe Steuern

Den Rekordeinnahmen stehen weiterhin hohe Schulden gegenüber – und bezahlt wird das vor allem durch hohe Abgaben auf Arbeit: Österreich weist im Kreis der Industriestaaten die fünfthöchste Belastung von Löhnen und Gehältern auf. Im Durchschnitt gehen 47 Cent jedes verdienten Euro an den Staat.

5. Woher das Geld kommt

Das meiste Geld nimmt der Staat über Abgaben auf Löhne und Gehälter sowie über Steuern auf den privaten Konsum ein. Auf der Ausgabenseite entfallen mehr als die Hälfte des Budgets auf Pensionen, Sozialtransfers und das Gesundheitswesen. Über zehn Prozent – rund 30 Milliarden Euro – fließen in die öffentliche Verwaltung. Unter der Kategorie „wirtschaftliche Angelegenheiten“ werden vor allem jene Bereiche verbucht, in denen der Staat Infrastruktur bereitstellt, etwa Straßen, Bahn oder Stromnetze.

6. Was war die Leistung?

Wenn es um die Versorgung mit öffentlichen Gütern geht, muss sich Österreich nicht verstecken. Der BGI (Berggruen Governance Index) bewertet unter anderem, wie gut ein Staat seine Bevölkerung mit zentralen öffentlichen Gütern versorgt – also mit Gesundheit, Bildung und Infrastruktur. Er zeigt, wie leistungsfähig und zugänglich diese Angebote im Alltag tatsächlich sind. Ein hoher Wert signalisiert gute Qualität, breite Verfügbarkeit und verlässliche Versorgung. Österreich hat sich im Laufe der Jahre verbessert, liegt jedoch weiterhin hinter der Schweiz, während Deutschland im Vergleich deutlich schwächer abschneidet.

Bemerkenswert ist, dass die Schweiz das trotz niedrigerer Abgaben auf Arbeitseinkommen (siehe oben) und einer sehr niedrigen Schuldenquote schafft. Ein zentraler Unterschied zwischen den Staatssektoren beider Länder sind die Pensionen: In der Eidgenossenschaft sind sie nur teilweise öffentlich gedeckt und weitgehend betrieblich bzw. privat finanziert. In internationalen Analysen schneidet die Schweizer Alterssicherung deutlich besser ab als das österreichische Pensionssystem. Mehr dazu in den kommenden Beiträgen unserer Serie „Neustart für Österreich“ – bleiben Sie dran.

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